Selten hat es mich so kalt erwischt an meinem ersten Tag im Büro nach dem Urlaub zwischen zehn und zwölf wie heute, und weil ich das, ehrlich wie ich nun mal sein möchte, nicht für mich behalten kann, habe ich gerade beschlossen, meinen Blog sofort wieder zu aktivieren. Zwei Gespräche waren dafür verantwortlich, dass ich sowohl die Tischkante, wegen der Möglichkeit der Frustationsbewältigung, im Blick hatte, als auch den Vorrat an Trostschokolade in meiner Schreibtischschublade innerhalb weniger Minuten dezimierte. In der ersten Unterhaltung ging es darum:

"Weile ich gerade erfahren habe, dass ich mit der Autorin nicht verbunden werden kann, möchte ich jetzt Ihnen erzählen, warum ich mich so sehr über die Kritik in Ihrer Zeitung über den neuen Benjamin-Blümchen-Film  geärgert habe", sagte eine Leserin und redete weiter, bevor ich sie dann doch unterbrechen konnte: "Es tut mir wirklich außerordentlich leid, aber da bin ich absolut der falsche Ansprechpartner, weil ich weder die Hörspiele kenne und noch nie eins gehört habe, noch dass ich mich jemals mit dieser Figur in irgendeine Weise beschäftigt habe, wohl auch niemals wegen eines solchen Films ins Kino gehen würde." Noch bevor sie weiterreden konnte, habe ich ihr diesen Vorschlag gemacht: "Aber warum schreiben Sie nicht auf, was sie zu kritisieren haben, dann kann Ihre Meinung als Leserbrief veröffentlicht werden." Nein, das wollte die Frau in der Leitung auf keinen Fall, weshalb sie mich aufforderte: "Hören Sie doch einfach zu, was ich zu sagen habe, und vielleicht können Sie es einfach an die Kollegin weitergeben." Nun denn, ungefähr fünf Minuten lang hat sie mir davon erzählt, dass sie mit Kleinkindern im Kino war, um sich "Benjamin Blümchen" sofort nach dem bundesweiten Start anzuschauen, und warum sie mit dem, was die Kritikerin der Agentur über den Streifen im Freizeitmagazin "Wohin" geschrieben hatte, definitiv nicht einverstanden ist, sich sogar geärgert hat. Ganz ehrlich: Ich habe rein gar nichts verstanden von dem, was sie mir an Argumenten und Hinweisen erzählt hat, weil ich außer dem Titelhelden mit keinem Namen etwas anfangen konnte, und mir nicht einmal der Ansatz von einem Verständnis der Zusammenhänge vergönnt war, worum es in dieser oder aller anderen Geschichten mit dem grauen Elefanten überhaupt geht. Ob ich mich deswegen schäme? Nein, sollte ich? Ich habe die Leserin in aller Ruhe ausreden lassen, wobei ich sie nun doch noch zitieren kann, denn ihre Kritik, dass der Film nichts für Kleinkinder ("niemals ab null Jahren") sei, da sie ihn überhaupt nicht verstehen würden, fasste sie unter anderem so zusammen: "Die Kleinen mussten mehrfach aufs Klo, und das will was heißen, denn wenn es spannend und lustig ist, können sie es sich immer auch mal verkneifen." Anschließend hat sie sich bedankt und freundlich von mir verabschiedet. Mein Kommentar dazu: Törööö, so viel Zeit muss sein!

Inhaltlich war das zweite (etwas schwierigere) Gespräch heute eigentlich kein Problem, denn der Mann wollte sich bei mir lediglich über die Möglichkeiten einer Ahnenforschung informieren beziehungsweise von mir wissen, wie eine Tageszeitung ihm dabei helfen kann. Problematisch war nur die Akustik, denn fortwährend und mit einer ziemlichen Lautstärke zwitscherte im Hintergrund ein Piepmatz, wobei ich leider nicht sagen kann, um welche Art es sich gehandelt hat, denn mit Vögeln kenne ich mich ebenso wenig aus wie mit grauen Elefanten. Angesichts meiner etwas angespannten mentalen Verfassung deshalb dies Geständnis. Insgesamt sechs Mal habe ich gedacht: "Könnten Sie bitte mal dafür sorgen, dass Ihr Vogel seinen Schnabel ..." In allen Fällen aber habe ich dann doch gesagt: "Können Sie das bitte noch mal wiederholen?" 

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