Als ein Zeichen dafür, dass auch bei mir nach drei Monaten nun so etwas wie Normalität eintritt, werte ich, dass ich nach langer Pause an einem Freitag zum Wochenausklang von meinen Randnotizen aus der Protokollen der Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf berichten kann. Verbunden allerdings mit dem Hinweis und der Einschränkung, dass es noch nicht die uneingeschränkt positiven Signale sind, von denen ich zu erzählen weiß, weil die werden wohl noch eine Weile auf sich warten lassen, denn bei mir kommen sie, was ich aus Erfahrung weiß, immer erst ganz zum Schluss an.

Episode 1: Von den vielen Einschätzungen und Wertungen des Lebens in der DDR, die mir von Lesern angetragen werden, führe ich gelegentlich hier welche an, weil ich an der Richtigkeit zweifle, und bei allem Respekt und mit der Bitte um Nachsicht auch dazu stehe, die Glaubwürdigkeit infrage stellen zu wollen. Nun ist es wieder einmal so weit, ein Leser teilte mir dies mit: "Auf Terroranschläge, Morde, Banküberfälle, Einbrüche, Brandstiftungen, Betrügereien, Kindermissbräuche, Entführungen, Massenentlassungen, Streiks mit niederknüppelnden Polizeikräften, wie wir sie von der BRD kannten, war man in der DDR keineswegs scharf." Soll heißen: Gab es alle diese aufgezählten Missetaten wirklich zu keiner Zeit jemals in der DDR?

Episode 2: Von den zahlreichen Kommentaren von Lesern zu der Pflicht des Tragens einer Bedeckung von Mund und Nase fand ich diese zumindest bemerkenswert, weil sie einen Aspekt anspricht, den ich eher selten gehört habe, dieser war es: "Zum einen fühle ich mich beim Selber-Tragen-Müssen sehr unwohl, da ich vom Nutzen nicht überzeugt bin und es physisch beklemmend finde", meinte der Leser und fügte dann noch hinzu: "Zum anderen, und das fast noch mehr, stört es mich, von maskierten Menschen umgeben zu sein, deren Mimik ich nicht sehen und somit deuten kann, weil diese mir verborgen bleibt. Menschliche Kommunikation ist nun mal nicht nur verbal."

Episode 3: Fast immer diskutiere ich mit den Leuten, wenn sie mich wieder einmal angerufen haben, weil sie mir angesichts der Verwendung eines englischen Begriffs den Untergang unserer deutschen Muttersprache prophezeien. Beispielsweise bei den Hinweisen auf Homeoffice oder Hotspot habe ich zumindest versucht, bei den Lesern in der Leitung um so etwas wie Verständnis oder Nachsicht zu bitten. Vermutlich war der Mann deswegen auch wohl zuerst überrascht und dann sprachlos, weil ich ihm nach seiner Beschwerde gesagt habe: "Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu, dieses Wort gehört auf den Index der Anglizismen, gegen die wir uns wirklich wehren sollten." Angerufen hatte er mich, nachdem er den Beitrag "Homeschooling macht krank" in der Zeitung gelesen hatte.

Episode 4: Diese eine Kritik an der Zeitung kenne ich seit zehn Jahren, und immer dann, wenn mich Leser deswegen anrufen, erkläre ich ihnen zuerst, dass ich der falsche Ansprechpartner bin, bevor ich ihnen mitteile, an wen sie sich wenden können, wenn sie eine Reaktion auf ihren Hinweis erwarten. Aber erstmals hat mir ein Leserin ihren Einwand auf diese besondere Art und Weise erläutert: An dem einen Tag wog die Zeit 103 Gramm, während die beigelegt Werbung 166 Gramm schwer war, und an dem anderen belief sich dieses Verhältnis auf 154 zu 110 Gramm. Nicht widersprochen habe ich ihr dann bei dieser Einschätzung: "Die armen Zusteller."

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