In diesem Jahr fliege ich erstmalig von Leipzig über München nach Johannesburg und dann weiter nach Windhoek. Ich bin froh, dass ich meinen Koffer (21,5 kg) bald aufgeben kann. Zusammen mit Rucksack und schwerer Arbeitstasche hängt der Koffer trotz erleichternder Rollen an mir wie Blei.

Bei der Kontrolle in Leipzig werde ich einer bisher ungewohnt starken Leibesvisitation unterzogen. Sei zu wünschen, dass überall so akribische Kontrollen stattfinden. 

Die 3-stündige Wartezeit in München vergeht relativ schnell. Eine Stunde vor dem Abflug werden noch immer Passagiere nach Johannesburg ohne Anschlussflug gesucht, die ihren Flug um einen Tag verschieben können. Der Flug sei hoffnungslos überbucht, als Entschädigung für den Rücktritt gibt es 600€ und eine Hotelübernachtung. Dieses verlockendes Angebot steht für mich außer Frage, könnte ich doch das Geld gut für Schulbücher in meinem Hilfsprojekt einsetzen. Die Nacht im Flugzeug vergeht relativ schnell. Wie sonst auf Langstreckenflügen bei mir üblich, habe ich keine Schlafprobleme, einzig meine Beine, wo soll ich die bei der Platznot hinhängen. 

Während des Fluges über den Caprivizipfel kommen mir so meine Gedanken über die Kolonialzeit. Die Deutschen hatten u.a. die Insel Sansibar eingetauscht gegen diesen 50 Kilometer schmalen Streifen um eines Tages ihre Ostkolonien auf dem Landweg zu erreichen. Doch dazu kam es nie. Die Deutschen wurden nicht glücklich mit diesem unwegsamen Land, welches jährlich überflutet wird und die Termiten ihre Hügel bauen, wo es ihnen gefällt. Außerdem war die Kolonialzeit der Deutschen schon nach 30 Jahren beendet, als 1915 Deutsch Südwestafrika von der Südafrikanischen Union eingenommen wurde. Am Ende des 1. Weltkrieges wurde der Caprivistreifen der Südafrikanischen Union zugeteilt.

In der Morgendämmerung ist das Okavangodelta in Botswana vom Flugzeug aus sehr schön zu erkennen. Der Okavango mündet nicht im Meer sondern versickert im Fluss-Delta. Bei Sättigung des Deltas in der Regenzeit füllen sich die Senken zurück bis zur Kavangoregion in Namibia, sodass die Einwohner hier fast jährlich ihr Land verlassen müssen.

Wir landen pünktlich in Johannesburg. Doch nun beginnt das pure Chaos. Die Internationale Transferkontrolle ist hoffnungslos überfordert, obwohl alle Schalter besetzt sind. In einem riesigen Block und totalem Durcheinander stehen die Reisenden an. Nach zwei Stunden atme ich an der Gepäckkontrolle auf. 

Inzwischen habe ich mich in Windhoek im Chameleon Backpacker gut erholt und werde morgen früh weiter nach Rundu fliegen.

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