Meine beiden Erfahrungen zu diesem Thema sind schnell erzählt: Als Kind bekam ich mit acht Jahren meinen ersten Goldhamster geschenkt und hatte dann, weil diese Tiere nicht viel älter als zwei Jahre werden, noch drei weitere, bis ich (vermutlich der Pubertät geschuldet) das Interesse an diesen Nagetieren verlor; der Käfig war über die Jahre hinweg immer derselbe, verhältnismäßig groß und mit einer Laufrolle versehen. Bis 2011 hatte ich 21 Jahre lang meine Wohnung mit einem Kater geteilt, und er kam direkt aus seiner Kinderstube zu mir, war nie draußen und hat das Leben in freier Wildbahn nie kennengelernt. Meine Einschätzung: Er hat sich "pudelwohl" bei mir gefühlt, wir waren eine uns gegenseitig bereichernde Wohngemeinschaft. Nun die Frage, die ich mir nach dem einen Gespräch mit einem Leser, der mich wegen der Reportage "Sauwohl" über die Grüne Woche in Berlin am Montag auf der Seite "Zeitgeschehen" angerufen hatte, seit heute um kurz nach zehn stelle: Muss ich, dem der Tierschutz sehr am Herzen liegt und der (als Vegetarier) keine Gelegenheit auslässt, gegen die Massen- und nicht artgerechte Nutztierhaltung seine Stimme zu erheben, jetzt im Nachhinein ein schlechtes Gewissen haben, weil die meinen beiden Haustieren kein Leben bieten konnte, wie es die Natur eigentlich für ihre Art vorgesehen hat? Der Anrufer hat mir genau das zu verstehen gegeben, denn seiner Ansicht nach ist das Halten von Haustieren in den allermeisten Fällen nicht zu befürworten beziehungsweise abzulehnen, weil es dem der Art entsprechenden Leben der Tiere widerspricht. Ausdrücklich nannte er unter anderem "in engen Käfigen gehaltene Vögel", denen das "freie Fliegen" verwehrt würde, und "auf engstem Raum lebenden Stallhasen", die vom freien Auslauf nur träumen könnten. Nun denn, ich stelle mir diese Frage also nun weiterhin, weil ich vor allem an die Stubentiger und Hunde denken muss, die es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt und bei denen noch nicht einmal auf die Idee kommen würde, dass sie schönes Leben haben oder sogar darunter leiden würden, dass ihre Besitzer vor allem ihrem Bewegungsdrang die eine oder andere Grenze setzen. Bis ich zu einer (aus meiner Sicht) dann abschließenden Meinung gekommen bin, wird es noch etwas dauern, denn ich werde mich mal erkundigen, wie das die Haustierhalter und berufenen Tierschützer, die ich kenne, sehen und ob sie überhaupt schon einmal über dieses Thema beziehungsweise diese Perspektive nachgedacht haben. Ach ja, da gibt es noch jemanden, der in seinem Garten einen kleinen Teich hat, in dem Goldfische schwimmen. Artgerecht?

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