Afrika wird neu entdeckt

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht den Niger, Mali und Äthiopien

Wer Afrika sagt, der denkt derzeit vor allem an eines: Bekämpfung von Fluchtursachen - egal wie, notfalls auch kurzfristig. Die deutsche Politik entdeckt Afrika wieder neu. Man sitzt schließlich in Zeiten der Globalisierung und Migration in einem Boot. Genauer betrachtet ist es natürlich nicht nur ein Boot, sondern es sind Tausende, die randvoll mit Flüchtlingen nach Europa kommen. Es ist Merkels erste längere Afrikareise seit 2011. Seitdem hat sich viel getan und plötzlich liegt das Wohl Afrikas im deutschen Interesse. Zynischer geht es kaum.

Mali, der Niger und Äthiopien gehören zu den afrikanischen Ländern, mit denen die Europäische Union sogenannte Migrationspartnerschaften eingehen will. Kooperation auf diesem Gebiet soll mit mehr entwicklungspolitischem und sicherheitspolitischem Engagement belohnt werden. Also: Wer den Europäern die Flüchtlinge vom Hals hält, der bekommt Geld. Ähnliche Flüchtlingsdeals wie mit der Türkei sind im Gespräch. Da werden schon wieder neue, unheilvolle Abhängigkeiten geschaffen.

Die Reiseziele Angela Merkels haben alle etwas mit dem Thema Flüchtlinge zu tun: In Mali sind derzeit 130 deutsche Soldaten stationiert, die als Teil einer EU-Mission malische Kollegen ausbilden. Sie sollen für Sicherheit sorgen, damit die Menschen nicht mehr aus dem Krisengebiet fliehen. Das Nachbarland Niger, eines der ärmsten Länder der Erde, ist so etwas wie die Drehscheibe für den internationalen Flüchtlingsstrom geworden. Schleuser sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land.

Äthiopien schließlich ist ein enger Verbündeter des Westens beim Kampf gegen Terror und bei der Fluchtursachenbekämpfung. Aber das ist gefährdet. In dem Land gilt seit Tagen wegen der zahllosen Unruhen der Ausnahmezustand. Da eröffnet die Kanzlerin doch lieber ein von Deutschland mit 30 Millionen Euro finanziertes Gebäude der Afrikanischen Union in Addis Abeba. Reine Symbolpolitik.

Ein vom malischen Präsidenten geforderter Marshallplan für Afrika wurde abgelehnt. Dafür kündigte Merkel mit Blick auf die deutsche G20-Präsidentschaft für Mitte 2017 eine Konferenz mit Schwerpunkt Afrika an. Auch sie weiß, dass das beste Rezept gegen Flucht und Terrorgefahr eine nachhaltige, wirtschaftliche Entwicklung in den Ursprungsländern ist. Nur mit Reden, Arbeitsgruppen und großen Konferenzen allein ist es nicht getan. Die europäische Afrikapolitik läuft seit Jahrzehnten in die falsche Richtung. Der alleinige und egoistische Fokus auf die Rohstoffe des Kontinents und die europäische Arroganz haben dazu geführt, dass etwa in Nordafrika der Islamismus längst Fuß gefasst hat. Manche sagen sogar, diese Region ist für Europa verloren.

Die Menschen in Afrika werden sich nicht damit abfinden, auf Dauer benachteiligt zu sein. Die jungen Afrikaner müssen schnell zumindest die Hoffnung auf eine bessere Zukunft bekommen. Afrika muss zu einem Kernthema europäischer Außenpolitik werden. Das ist eine historische Aufgabe, die Europa viel zu lange vernachlässigt hat.

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