Auf Knopfdruck nachhaltiger?

Zum Start für "Grünen Knopf" als Siegel für fair produzierte Kleidung

Die gute Nachricht: Erstmals gewährleistet ein staatliches deutsches Gütesiegel, dass T-Shirts, Socken oder Hosen fair produziert sind. Die schlechte: Der "Grüne Knopf" ist "nur" freiwillig. Viele Textil-Unternehmen sind ohnehin schon mit anderen, privaten Siegeln unterwegs. Die schwarzen Schafe in der Branche werden aber weiter außen vor bleiben. Unternehmen müssten gesetzlich verpflichtet werden, gewisse Standards in ihren Lieferketten einzuhalten.

Hintergrund der Initiative aus dem Bundesentwicklungsministerium ist der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch, bei dem vor sechs Jahren mehr als 1100 Menschen getötet wurden. Damals ist vielen Verbrauchern bewusst geworden, unter welchen haarsträubenden Bedingungen billige Textilien hergestellt werden. Doch man hätte es natürlich schon viel früher wissen können, wenn man sich beim Schnäppchen vom Kleiderständer wirklich dafür interessiert hätte. Auf die teilweise furchtbaren Arbeitsbedingungen in Asien und Afrika weisen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen schließlich seit Jahren hin. Bangladesch ist bis heute ein Menetekel geblieben, das die globale Textilindustrie nur zu gern ignoriert.

Der "Grüne Knopf" ist aber zumindest ein Anfang - und er zeugt vom guten Willen des Bundesentwicklungsministers Gerd Müller. Das kann man ihm nicht abstreiten. Das Problem liegt woanders: Neben einigen schon existierenden privaten Siegeln wie Oeko-Tex Made in Green, Blauer Engel, Fair Wear Foundation Leader und anderen bekommt der "Grüne Knopf" die staatliche Weihe - ein Status , der den Verbrauchern anspruchsvolle ökologische und soziale Standards suggeriert. Der Endkunde wird in Sicherheit gewogen, wirklich etwas Nachhaltiges gekauft zu haben. In der zweijährigen Pilotphase wird er schon mal enttäuscht: Das Siegel soll zunächst nur zwei Produktionsschritte abdecken: "Zuschneiden und Nähen" und den "Nassprozess", bei dem Textilien gebleicht und gefärbt werden. Danach muss und soll mehr kommen: Das Bundesentwicklungsministerium verspricht, dass die Zertifizierung später auf die Produktionsschritte "Weben und Spinnen" und "Baumwollanbau/Faserproduktion" ausgeweitet werden soll. Nur, wer soll das denn alles kontrollieren? Der Aufwand wird umso größer, je mehr Firmen da mitmachen. Und letzteres sollte ja das Ziel des "Grünen Knopfes" sein.

Er ist ein Versprechen auf mehreren Ebenen: Die Unternehmen bieten nachhaltige Produkte an, der Staat garantiert das - und der Verbraucher akzeptiert das, indem er mehr Geld für das Lieblingsshirt ausgibt. Auf höhere Preise wird sich der Kunde nämlich einstellen müssen, auch wenn Minister Müller behauptet, die Preise würden dadurch nicht steigen. Leider haben in der Marktwirtschaft Versprechen noch nie so funktioniert. Dabei ist doch ein T-Shirt für 2 oder 3 Euro ein schlechter Witz. Der Verbraucher hat es letztlich in der Hand, wenn er mehrheitlich bewusst nachhaltig Produziertes kauft. Doch die Textilfabriken, Nähereien und Baumwollplantagen in Asien oder Afrika sind weit weg. Sehr weit.

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