Bahn braucht politischen Rückhalt

Deutsche Bahn intensiviert den Baumbeschnitt an den Strecken

Das Problem ist erkannt, aber es wird sich nicht von heute auf morgen lösen lassen. Die Deutsche Bahn ist schließlich als Betreiber für 33.000 Kilometer Gleisnetz zuständig. Nun stehen nicht überall Bäume, die beim nächsten Wetterextrem auf das Gleisbett zu fallen drohen. Aber klar ist: Der nächste Sturm kommt bestimmt und wird wieder für Bruchholz sorgen. Die Zugausfälle und Streckensperrungen bei den Sturmereignissen im Vorjahr und am Sonntag bei "Fabienne" lassen nämlich nur einen Schluss zu: Der Staatskonzern hat die Vegetationsarbeiten in den letzten Jahren wohl aus Kostengründen vernachlässigt.

Inzwischen hat die Bahn reagiert. Seit einigen Monaten wird der Bewuchs inspiziert und erfasst. Ab Oktober werden auf 2000 Kilometern Bäume zurückgeschnitten oder gefällt. Die Bahn hat dabei die Bereiche ausgewählt, bei denen die Folgen einer Sperrung besonders groß sind. Denn beschnitten werden dürfen Bäume nur von Oktober bis Ende Februar, damit Tiere nicht bei Brut und Aufzucht gestört werden. Wenig Zeit also für viel Arbeit. Es dürfte Jahre dauern, bis der Gleisbereich beidseitig in einer Zone von sechs Metern überall freigeräumt ist.

Selbst dann kann es passieren, dass Bäume, die jenseits der Schutzzone stehen, auf Gleise und Fahrdraht stürzen, weil sie geschädigt waren. Eine Folge des Klimawandels? Wissenschaftler bejahen dies. Darauf muss sich auch die Bahn einstellen. Ende Februar hatte sie eine "Fünf-Punkte-Strategie" vorgestellt, mit der gegengesteuert werden soll.

Alles richtig. Nur wird man das Gefühl nicht los, dass immer erst dann gehandelt wird, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Derzeit brennt es im Konzern ohnehin an allen Ecken und Enden. Erst vor einigen Tagen hatte Bahnchef Richard Lutz einen Brandbrief an seine Manager verschickt, der für Schlagzeilen sorgte. Chaos und Missmanagement sprach er darin an. Mehr unpünktliche Züge, höhere Schulden und ein jahrelang vernachlässigter Schienengüterverkehr sind nur drei Punkte, die belasten. Hinzu kommt ein veraltetes Netz, das deswegen gegenwärtig mit Baustellen überzogen ist. Auch bei der Wartung der Züge gibt es offenbar Probleme. Wenn dann Fahrzeuge ausfallen, fehlt Ersatzmaterial, weil vor Jahren der Fahrzeugpark auf das Nötigste zusammengestrichen wurde.

Und nun? Wird alles besser? Die Selbstkritik aus der Chefetage kann zumindest als gutes Zeichen gelten. Man darf aber auch nicht vergessen: DB-Chef Lutz kennt die Probleme schon lange; er war zuvor jahrelang Finanzchef. Der Bahnvorstand muss nun bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung Ende November eine Problemanalyse samt Zukunftsstrategie erarbeiten. Dann wird man sehen, wie es weitergeht. Doch es wäre nicht richtig, die Schuld allein auf das Management abzuwälzen. Auch der Bund muss seine Hausaufgaben machen und vorgeben, welche Art von Schienenverkehr politisch gewollt ist. Und dann muss Berlin die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Ein Blick in die Schweiz wäre dabei hilfreich. Denn dort funktioniert es.

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