BER öffnet, er öffnet nicht, er öffnet ...

Neuer Hauptstadtflughafen BER soll am 31. Oktober 2020 eröffnet werden

Was hat der Mars mit dem Berliner Großflughafen gemeinsam? In etwa 30 Jahren sollen die ersten Menschen dort landen. Das ist nur einer von unzähligen mehr oder weniger lustigen Sprüchen über die berühmteste Baustelle der Republik. Zuletzt konnte man bei Meldungen über den BER kaum mehr zwischen Satire und ernsthafter Nachricht unterscheiden. Jetzt soll er endlich eröffnet werden - am 31. Oktober 2020.

Ganz sicher sollte sich da niemand sein. Schon mehrfach war die Eröffnung des Flughafens in den vergangenen Jahren wegen schwerer Baumängel verschoben worden. Ursprünglich sollte er bereits 2011 in Betrieb gehen. Zum zweiten Termin 2012 waren sogar schon Gäste geladen.

Der BER, das Subventionsgrab im märkischen Sand, ist weltweit zum Paradebeispiel für Kostenexplosionen und Bauverzögerungen geworden. Falsche Versprechen, Firmenpleiten, Kabelsalat, zu kurze Rolltreppen, veraltete Monitore, Mängel beim Brandschutz - das sind nur einige Stichworte für den Wahnsinn eines Bauprojekts, das außer Kontrolle geraten ist.

Das BER-Projekt reiht sich milliardenschwer ein in eine Serie von Großprojekten, deren Bauzeit sich ewig hinzog und die teurer wurden als ursprünglich einmal geplant: die Hamburger Elbphilharmonie, Stuttgart 21, Leipziger City-Tunnel und so weiter. Auch beim aktuellen Bau des Humboldt Forums steigen die Kosten für das rekonstruierte Berliner Stadtschloss auf 644,2 Millionen Euro - 49,2 Millionen Euro mehr. Stand Oktober 2019. Auch das geplante Museum des 20. Jahrhunderts in Berlin wird mehr kosten als jetzt anvisiert. Dafür muss man kein Prophet sein. 2015 hatte die Hertie School of Governance die Kostensteigerung bei 170 Großprojekten in Deutschland seit 1960 untersucht. Das Ergebnis: Im Schnitt erhöhten sich die Kosten um 73 Prozent. Darüber können die BER-Verantwortlichen nur müde lächeln. Hier bewegen sich die Mehrkosten im dreistelligen Prozentbereich.

Hat Deutschland verlernt, wie man große Bauprojekte plant und fertigbaut? Das Image hat stark gelitten. So viel steht fest. Die Ursachen könnten im Kostendruck bei den Ausschreibungen und in den langen Bauzeiten liegen. Beispiel BER: Schon der damalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit regierte ab 2001 in die Planungen hinein. Er hatte damals bei der Flughafenplanung das Angebot des Baukonzerns Hochtief als zu teuer befunden und verkündet: "Zur Not bauen wir selbst." Berlin, Brandenburg und der Bund, die Anteilseigner der Flughafen GmbH, lehnten einen privaten Generalunternehmer ab und versprachen, den BER besser und billiger zu errichten. Was daraus wurde, ist bekannt.

Experten stellen zudem fest, das die Planer bei Großprojekten oftmals zu viel Optimismus an den Tag legen, zu preiswert planen, indem sie Risiken missachten. Deutsches Projektmanagement als Lachnummer? Beim Berliner Großflughafen könnte man durchaus auf den Gedanken kommen.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...