Bürgerschutz auch im Internet

Es klingt beinahe wie eine Posse, gepaart mit Details, die einen zwischen Beruhigung und zusätzlicher Nervosität hin und her schwanken lassen. Laut BKA hat also ein 20-Jähriger gestanden, den massenhaften Datenraub im Netz an Politikern, Künstlern und Journalisten begangen zu haben. Er soll nach eigenen Aussagen Einzeltäter sowie Autodidakt im Internet sein. Es ist ein in der Ausbildung befindlicher junger Mann aus Hessen, der sich angeblich aus Ärger über einige Politiker an die Computertastatur setzte, um dort seiner Unzufriedenheit freien Lauf zu lassen.

Es klingt fast banal, und dadurch beruhigend. Denn sollten diese Aussagen der Wahrheit entsprechen, würde das bedeuten, dass die nationale Bedrohungslage durch die Netzattacke überschaubar war. Hinter den Cyber-Angriffen stecken offenbar weder Geheimdienste feindlicher Staaten, noch Hackerbanden, die in Deutschland maximalen Schaden anrichten wollten.

So betrachtet mögen die aktuellen Erkenntnisse vielleicht beruhigen. Doch auf der anderen Seite lassen sich auch verstörende Schlüsse ziehen. Denn wenn bereits ein junger Hobby-Hacker in der Lage ist, den Technologiestandort Deutschland in helle Aufregung zu versetzen, was können dann erst jene anrichten, die deutlich Schlimmeres im Schilde führen? Oder tun sie es bereits, ohne dass wir es mitbekommen? Von dieser Warte aus gesehen sollten die jüngsten Geschehnisse das Land gehörig wachrütteln.

Digitalisierung ist seit Jahren ein Lieblingsthema der deutschen Politik. Jeder Winkel der Republik soll schnelles Internet bekommen, jeder Schüler ein Tablet. Smartphones, auf denen wir kommunizieren, einkaufen, chatten, liken, Fotos verschicken oder uns auf Partnersuche begeben, haben die meisten Bürger bereits. Im Kanzleramt sitzt seit geraumer Zeit sogar eine Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär. Dumm nur, dass ausgerechnet deren Chefin Angela Merkel, die einige Büros weiter sitzt, jüngst feststellen musste, dass auch sie vom aktuellen Massen-Hack betroffen ist.

Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass die Haltung "digital first, Bedenken second" - einst ein Slogan aus dem FDP-Wahlkampf - zu kurz greift. Das Gegenteil ist der Fall. Bedenken und Vorsichtsmaßnahmen sind nicht die Gegner der Digitalisierung. Sie sind vielmehr Voraussetzung für ihr Gelingen. Datensicherheit lautet das Stichwort, und hier sind alle in der Pflicht. Allen voran sind es die Nutzer, die sich informieren müssen, wie man sich im Netz richtig bewegt. Erst recht gilt dies für Politiker, die das Internet als wichtiges Instrument ihrer Arbeit nutzen.

Doch auch Anbieter von Online-Diensten und IT-Produkten müssen dazu verpflichtet werden, alles dafür tun, damit ihre Ware keine Sicherheitslücken aufweist. Und schließlich ist da die Politik. Gewiss, sie kann nicht alles regeln. Doch wenn sie Digitalisierung fordert und gestalten will, muss sie zwingend ihren Beitrag leisten, damit Bürger vor ungeahnten Gefahren im Netz beschützt werden. Es gibt viel zu tun.

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1Kommentare
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  • 3
    1
    09.01.2019

    Es fehlt die häufig von Journalisten und Politikern gebrauchte, allseits beliebte Floskel, Herr Peduto, - absolutue Sicherheit kann es auch im Internet nicht geben.

    Aber dass ein Jungspund und Hobbyhacker, der sich ganz nebenbei bei seiner 'Arbeit' vielleicht die ersten Sporen verdiente, einen derartigen Schaden anrichten kann, lässt mit Schaudern daran denken, was in diesem Land passieren kann, wenn Profis ernsthaft ans Werk gehen und aus Hass, Fanatismus oder ganz einfach, weil sie Spass haben wollen, ganze Wirtschaftszweige z.B der Wasser- oder Energiewirtschaft lahmlegen können.

    Ist der Staat tatsächlich nicht in der Lage sich umfassend dagegen zu schützen oder liegt es wie auf anderen Gebieten ganz einfach wieder an der Inkompetenz der dafür Verantwortlichen?



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