Bundeswehr - Fass ohne Boden?

Ob es reicht, US-Präsident Donald Trump zufriedenzustellen, bleibt abzuwarten: Auf jeden Fall sollen die deutschen Verteidigungsausgaben im nächsten Jahr erstmals mehr als 50 Milliarden Euro betragen. Seit 2014 in Wales im Schatten der Krim-Krise das sogenannte Zwei-Prozent-Ziel der Nato ausgegeben wurde, vergeht eigentlich kein Nato-Gipfel, bei dem Trump nicht mit Austritt der USA droht, falls die anderen Bündnispartner das Ziel nicht bald erfüllen sollten. Vor allem die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat sich seit Amtsantritt mehrfach zu deutlich höheren Verteidigungsausgaben bekannt. Von solcher Art Anbiederung kann man halten, was man will.

Für Kramp-Karrenbauer steht viel auf dem Spiel: Sie muss das Image der Bundeswehr deutlich und zügig verbessern, will sie sich trotz ihrer Pleiten und Pannen doch noch als kommende Kanzlerkandidatin empfehlen. Jüngst hat sie für eine Reform des Beschaffungswesens der Bundeswehr geworben, weil sie es leid sei, dass die Bundeswehr jeden Tag zum Gegenstand des Gespötts in Deutschland werde. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Fälle von drastischen Kostensteigerungen und Verzögerungen bei zentralen Rüstungsprojekten der Streitkräfte gegeben. Das hatte auch ihre Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen nicht in den Griff gekriegt.

In einem internen Bericht wird bemängelt, dass sich wie in den Vorjahren Vertragsabschlüsse und die Leistungserbringung bei der Beschaffung von mehreren Waffensystemen verzögern.

Der Spruch "In der Bundeswehr fliegt nichts, fährt nichts und sticht nichts in See" ist fast schon zu einem geflügelten Wort geworden. Von fehlenden Stiefeln und Unterhosen bei der Truppe gar nicht zu reden.

Und schon hat AKK ein neues Materialproblem am Hals: 2025 sollen die "Tornado"-Flieger der Bundeswehr ausgemustert werden. Doch mit dem Eurofighter gibt es Probleme - womöglich muss Annegret Kramp-Karrenbauer die neuen Kampfjets in den USA einkaufen. Es wäre auch nur eine teurere Übergangslösung, da die Bundeswehr gemeinsam mit Frankreich bis 2040 eigene Kampfjets entwickeln möchte.

Mit mehr Geld allein wird die Bundeswehr nicht auf Vordermann gebracht, das steht fest. Es geht um ausrüsten, nicht um aufrüsten. Aber mit wie viel Geld wäre die Bundeswehr voll einsatzbereit? Bei Teilen der Ausrüstung geht es nur darum, vom bereits Vorhandenen einfach mehr zu beschaffen: Schutzwesten, Kampfuniformen, Nachtsichtbrillen - aber auch Fahrzeuge. Hinzu kommt Neubedarf, bei dem veraltetes Gerät durch Neuentwicklungen nach dem Stand der Technik ersetzt werden muss. Ganz weit vorn steht dabei die Ablösung der analogen Funktechnik durch modernen Digitalfunk - ein Milliardenprojekt.

Der als Bundeswehr-Gegner eher unverdächtige Generalinspekteur Eberhard Zorn bezeichnete die Truppe einmal als "überbürokratisierte Mammutbehörde". Damit steht Zorn nicht allein. Andere sprechen von Absicherungsmentalität und Schönrederei bei der Bundeswehr. Geld heilt nicht alles.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...