Der Versöhner kommt

Am Samstag reist Bundespräsident Steinmeier nach Israel

Nach eher lockeren Antrittsbesuchen in Frankreich, Griechenland, Bayern (!) und Italien wird es für den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ernst. Ab Samstag wartet mit Israel eine Bewährungsprobe auf den Parteifreund von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Letzterer hatte bekanntlich bei seinem Besuch vor rund zwei Wochen darauf bestanden, mit regierungskritischen Organisationen zu sprechen, und so Israels Premier Netanjahu verärgert. Der ließ ein gemeinsames Treffen mit dem deutschen Außenminister platzen. Ein Eklat.

Daher steht Steinmeiers Antrittsbesuch in Israel plötzlich unter besonderer Beobachtung. Steinmeier ist aber der Richtige, die Wogen zwischen Deutschland und Israel wieder zu glätten. Er kommt als Versöhner - eine Rolle, die ihm auf den Leib geschnitten ist. Mit seiner ruhigen, in vielen Jahren als Außenminister erprobten Art wird er wieder für Alltag in den Beziehungen sorgen.

Mit Steinmeier und Netanjahu treffen sich zwei alte Bekannte. Der Bundespräsident war in anderen Funktionen bereits viele Male in der Region. Er ist im Land bekannt und wird geschätzt, obwohl auch er beharrlich für die Zweistaatenlösung eintritt und die israelische Siedlungspolitik kritisiert.

Anders als Gabriel verzichtet Steinmeier auf ein Treffen mit den NGO's "Breaking the Silence" und "B'Tsalem". Sein Vorgänger Joachim Gauck und auch Kanzlerin Merkel hatten sich in der Vergangenheit mit diesen Organisationen getroffen, ohne dass das in Israel für einen Aufschrei der Entrüstung gesorgt hätte. Es scheint so, als ob Netanjahu den Eklat mit Gabriel bewusst inszeniert hat, um so von seinen innenpolitischen Problemen abzulenken. Mit seinem vermeintlichen Zeichen der Stärke hat er nicht unerwartet Beifall aus der rechtsradikalen Ecke der israelischen Politik bekommen. Das ist für sein politisches Überleben von großer Bedeutung. Andererseits gab es in Israel auch Zustimmung für Gabriel. Mehr als 20 bekannte Israelis hatten sich danach bedankt, weil Deutschland der Zivilgesellschaft in ihrem Land beistehe.

Steinmeier wird auf weitere Provokationen verzichten. Man mag es Leisetreterei schimpfen, aber ein erneuter Eklat würde nur Netanjahu nützen. Der Bundespräsident will stattdessen mit Studenten sprechen und unter anderem mit den Schriftstellern Amos Oz und David Grossman, Israelis mit einem kritischen Blick auf die Politik ihres Landes.

Dort gibt es ein Sprichwort: "Ein Besucher sieht die Fliege an der Wand." Steinmeier wird nicht wie Gabriel auf diese Fliege draufschlagen, sondern seine Gastgeber auf sie aufmerksam machen. Er wird vor den Gefahren warnen, die die Siedlungspolitik und die Drangsalierung der kritischen Zivilgesellschaft für Israels Zukunft und Demokratie mit sich bringen können. David Grossman hat in seinen Büchern stets dafür plädiert, nicht nur die eigene, sondern immer auch die Haltung der jeweils Andersdenkenden zu verstehen und zu beschreiben. Er ist ein guter Gesprächspartner für Steinmeiers Balanceakt in Israel.

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1Kommentare
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    Interessierte
    08.05.2017

    Das Ausrufezeichen in den Klammern ist gut , Bayern scheint auch ´Ausland` zu sein ....



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