Der Zweifel läuft immer mit

Zur Entscheidung der Wada, Sanktionen gegen Russland wegen Doping-Vergehen zu verhängen

Das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) kündigte 2018 die härtesten Sanktionen gegen Russland an. Jetzt wurde Russland für vier Jahre vom Weltsport verbannt. Russische Sportler, die nicht in Doping-Geschichten verwickelt sind, dürfen aber unter neutraler Flagge bei Olympia und anderen Großereignissen des Sports antreten. Zu hart, zu inkonsequent, zu lasch das Urteil? Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Moskaus Regierungschef Dmitri Medwedew kritisierte die Strafen gegen sein Land als "antirussische Hysterie" von chronischem Ausmaß. Die Sperre sei Teil einer gegen das Land gerichteten Kampagne, sagte Medwedew. Geht es auch eine Nummer kleiner? Fest steht, dass Russland erhebliche Probleme mit Doping hat. Selbst Medwedew wollte das am Montag nicht leugnen.

Immerhin dürfen russische Sportler an Olympia und Weltmeisterschaften teilnehmen - nur eben ohne russische Flagge. Reicht das, um dem Dopingproblem im internationalen Sport zu begegnen? Nein, auf keinen Fall. Der gerichtliche Streit um die massenhafte Manipulation von Labordaten in Moskau wird weitergehen, Russland wird sich stets in der Opferrolle des internationalen Sports verschanzen. Gedopt wird weiter. In Verruf geraten damit leider auch jene Sportler, die auf saubere Art und Weise ihre Höchstleistungen erbringen.

Die, unter deren Verantwortung das staatliche Dopingprogramm in Russland durchgeführt wurde und die eine Aufarbeitung aktiv verhindert haben, müssen kaum Konsequenzen fürchten. So ist etwa der ehemalige Sportminister, der während der Olympischen Winterspiele in Sotschi im Amt war, Witali Mutko, zum stellvertretenden Vorsitzenden der russischen Regierung wegbefördert worden. Moskau tut zu wenig, um des offenbar systematischen Dopings Herr zu werden.

Mit dem Finger aber nur auf Russland zu zeigen, wäre scheinheilig. Da schwimmen zum Beispiel Chinesen schnell mal Fabelzeiten und verschwinden ebenso schnell wieder in der Versenkung, da sprinten Jamaikaner und US-Amerikaner die 100 Meter locker unter zehn Sekunden ins Ziel. Nicht wenige von ihnen waren schon mal wegen Dopingvergehen gesperrt. Bei vielen Athleten scheint es immer noch vor allem darum zu gehen, nicht erwischt zu werden beim Dopen. Auch die deutsche Läuferin Konstanze Klosterhalfen trainierte im mittlerweile beendeten Nike Oregon Project, das für Dopingpraktiken berüchtigt war. Bewiesen ist gar nichts. Aber der Zweifel lief bei Klosterhalfen zuletzt immer mit.

Nur Talent und viel Training scheinen im Spitzensport bei vielen nicht mehr auszureichen. Warum? Weil es für Athleten und Veranstalter um viel Geld geht und die Verantwortlichen allzu oft wegschauen. Aber auch wir sportbegeisterten Zuschauer tragen dazu bei, dass sich der Spitzensport in die falsche Richtung zu bewegen scheint. Wir wollen doch immer nur Bestleistungen von den Athleten sehen. Siege und Medaillen sind die Währung unserer Aufmerksamkeit. Sonst zählt vor der Glotze oder im Stadion nichts.

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