DFB darf Fehler nicht wiederholen

Zum Rücktritt von Reinhard Grindel als DFB-Präsident

Nicht einmal drei Jahre war Reinhard Grindel Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Seit 1905 musste kein Chef des größten Einzelsportverbandes in Deutschland schneller seinen Posten wieder räumen. Angesichts der kleineren und größeren Skandale ist das keine Überraschung - anders als sein Weg in das Amt. Nach dem plötzlichen Aus von Wolfgang Niersbach war der damalige Schatzmeister Grindel eine Kompromisslösung zwischen dem Profi- und Amateurlager. Die mächtigsten beiden Vertreter der beiden Seiten - der Präsident der Deutschen Fußball-Liga Reinhard Rauball und der Chef des Süddeutschen Fußball-Verbandes Rainer Koch - werden wie schon vor der Wahl Grindels das Amt kommissarisch übernehmen. Die beiden Funktionäre sollten dieses Mal bei der Kandidatensuche weniger auf die politischen Befindlichkeiten innerhalb des Verbandes achten, sondern vielmehr auf die beschädigte Glaubwürdigkeit des DFB.

Diese litt auch erheblich darunter, dass seit 2001 kein Präsident des Verbandes regulär aus dem Amt ausgeschieden ist. Gerhard Mayer-Vorfelder musste nach einigen Skandalen und polarisierenden Aussagen damit leben, dass er in den letzten Jahren seiner Amtszeit, von 2004 bis zu seinem Ausscheiden 2006, mit Theo Zwanziger eine Doppelspitze bildete. Sechs Jahre später nahm Zwanziger seinen Hut, weil die Kritik an seiner Position zu groß wurde. Vor allem der Skandal um einen Schiedsrichter-Chef, dem sexuelle Belästigung vorgeworfen worden war, und der Unterstützung des DFB für den damaligen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter sorgten für Schlagzeilen. So trat Zwanziger zurück, bevor die Affäre um die Vergabe der WM 2006 ans Tageslicht kam. Letzteres wurde seinem Nachfolger Niersbach zum Verhängnis.

Grindel wollte den Neuanfang nach dem Skandal einläuten. Nun stolpert er selbst über Korruptionsvorwürfe. Zudem gab der 57-Jährige im Umgang mit brisanten Themen eine schlechte Figur ab - wie nach den Fotos von Nationalspieler Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor der WM 2018. Grindel versuchte stets, sein Fähnchen in den richtigen Wind zu hängen anstatt Haltung zu zeigen oder zu seinen eigenen Aussagen zu stehen. Der einstige Bundestagsabgeordnete verfestigte das Image des Sportfunktionärs, der vor allem eigene Interessen verfolgt.

Wer nun einen echten Neuanfang einläuten könnte? Ein DFB-Präsident, der sich nicht in der Funktionärshierarchie nach oben drängeln und netzwerken musste, wäre ein geeigneter Kandidat. Trotzdem müsste sich die Person im Fußball auskennen. Ehemalige Nationalspieler oder Bundestrainer liegen da auf der Hand. Ob ein ehemaliger Profi dem hohen Anspruch gerecht wird oder ob er wie der bereits über Skandale gestolperte einstige Uefa-Präsident Michel Platini nach einigen Jahren vom Weltklassefußballer zum Funktionär à la Blatter mutiert - das lässt sich nur schwer beantworten. Allerdings wäre es ein klares Zeichen, aus den Fehlern der Vergangenheit lernen zu wollen.

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