Die Fachkräfte von morgen

Zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Sachsen

Von Christoph Ulrich

Das wachsende Interesse junger Menschen an einer Berufsausbildung ist ein positives Signal für den Wirtschaftsstandort Sachsen. Denn die Unternehmen und Handwerksbetriebe im Freistaat stehen vor der Herausforderung, trotz einer negativen demografischen Entwicklung ausreichend Fachkräfte für das Wachstum der Zukunft auszubilden. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die sächsische Wirtschaft nicht zuletzt wegen der gut qualifizierten Fachkräfte positiv entwickelt. Die Fortsetzung dieses Trends wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, ausreichend Fachkräfte in Sachsen zu halten oder zu Unternehmen im Freistaat zu holen.

Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt in den vergangenen Jahren zeigt exemplarisch, wie dramatisch sich Angebot und Nachfrage verschieben können. Noch vor wenigen Jahren konnten Ausbildungsbetriebe sich ihren Nachwuchs unter einer Vielzahl von Bewerbern auswählen. Die jungen Leute suchten händeringend nach einem Einstieg ins Berufsleben. Inzwischen wird es immer schwieriger, offene Ausbildungsplätze zu besetzen. Mehr und mehr Unternehmen und Handwerksbetriebe erhalten gar keine Bewerbungen mehr.

Das erfordert ein Umdenken im Personalmanagement. Die Attraktivität von Ausbildungsbetrieben und von Arbeitgebern ist zu einem maßgeblichen Entscheidungskriterium für die Bewerber geworden. Unternehmen müssen darauf hoffen, dass sie von ihren eigenen Mitarbeitern weiterempfohlen werden. Dafür müssen allerdings viele Bedingungen aus Sicht der Beschäftigten stimmen. Es muss ein positives Arbeitsklima herrschen, Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sind ein Kriterium, genauso wie flexible Arbeitszeiten für die heute so wichtige Work-Life-Balance oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nicht zuletzt zählen eine angemessene Bezahlung und die betriebliche Gesundheitsförderung dazu. In vielen Bereichen haben die Unternehmen in Sachsen da noch großen Nachholbedarf, wenn sie den Wettbewerb um die besten Fachkräfte gewinnen wollen. Beispiel Lohnentwicklung: Noch immer klafft eine riesige Lücke zwischen Ost und West. Sachsen liegt mit einem mittleren Bruttomonatsverdienst (Median) von 2479 Euro an drittletzter Stelle der Bundesländer. In Baden-Württemberg liegt dieser Wert bei 3546 Euro. Auch die geringe Tarifbindung ist nicht das geeignete Statement, um die Bedeutung der Sozialpartnerschaft in den Betrieben zu demonstrieren.

Aber auch die Politik ist in Sachen Fachkräftebedarf gefordert. So könnte die duale berufliche Ausbildung einen deutlichen Imagegewinn erreichen, wenn sie neben einer akademischen Ausbildung als gleichwertiger Bildungsweg anerkannt und entsprechend gefördert wird. Auch die Berufsorientierung in den Schulen hat noch Luft nach oben. Allen ist klar: Gute Fachkräfte wachsen nicht am Baum. Dazu werden junge Leute letztlich mit guter Schulbildung und exzellenter Ausbildung in den Unternehmen.

Zum Beitrag: Mehr junge Menschen starten in Sachsen eine Berufsausbildung

0Kommentare Kommentar schreiben