Die Frustration der Landwirte

Zu den Protesten von Bauern gegen die Agrarpläne der Bundesregierung

Ein Werbespot des Süßwarenherstellers Katjes treibt derzeit den deutschen Landwirten die Zornesröte ins Gesicht. In der Kampagne für eine vegane Schokolade wird in einem Trickfilm die Massentierhaltung von Kühen angeprangert. Die Rindviecher werden als von Menschen gnadenlos unterdrückte, militärisch gedrillte Tiere dargestellt, die zu reinen, seelenlosen Milchmaschinen degradiert sind und die Milch für die Schokoladenproduktion abgepumpt bekommen. Der Ekel über die Massentierhaltung wird zur Werbebotschaft für ein veganes Lebensmittel. Für Bauern, die ihren Beruf lieben, gehört dieser Werbespot zur negativen Stimmungsmache, zum Bauern- bashing, dem sich die Landwirte in Deutschland ausgesetzt sehen - aus ihrer Sicht, versteht sich.

Der Werbespot ist exemplarisch. Die Bauern in Deutschland fühlen sich gegängelt von der Politik, von der Bürokratie und von den Debatten über die industrielle Landwirtschaft im Allgemeinen. Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Angehörigen gehören dadurch für viele landwirtschaftliche Betriebe inzwischen zum Alltag. Entsprechend hoch ist die Frustration der Landwirte. Eine Frustration, die am Dienstag erstmals seit langem wieder den Weg auf die Straße gefunden hat. Bundesweit haben Bauern mit ihren Traktoren demonstriert, um sich in der Bevölkerung, aber vor allem in der Politik wieder Gehör zu verschaffen. Außerhalb ihrer traditionellen Verbände haben die Bauern sich organisiert, weil sie den sozialen Frieden im ländlichen Raum als gefährdet ansehen.

Bei vielen Landwirten hat das Agrarpaket der Bundesregierung das Fass zum Überlaufen gebracht. In dem Programm, das Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ausgehandelt haben, geht es vor allem um Insektenschutz, mehr Tierwohl und die Reduzierung der Nitratbelastung im Grundwasser, die nach den Regeln der Europäischen Union in Deutschland deutlich zu hoch ist.

Die Bauern beklagen allerdings, dass die neuen Vorschriften praxisfern und oftmals - nicht zuletzt wegen bürokratischer Hürden - gar nicht durchführbar sind. Sie fürchten, dass ihre Betriebe im Bestand gefährdet sind, auch, weil die Verbraucher nicht bereit sind, höhere Preise für heimische Lebensmittel zu akzeptieren. Nur so lassen sich aber die höheren Kosten finanzieren.

Der laute Protest der Bauern ist berechtigt. Deutschland braucht eine Agrarpolitik, die dazu führt, dass die Landwirte von ihren Produkten leben können. Gleichzeitig erwartet die Gesellschaft gesunde und nachhaltig produzierte Lebensmittel, die im Einklang mit der Natur hergestellt werden. Deshalb müssen Politik und Landwirtschaft wieder zu einem echten Dialog kommen, um die beste Lösung für eine Agrarpolitik zu finden, die Umwelt und Klima schützt, aber die Bauern nicht in die Pleite treibt. Eine solche Agrarpolitik kann jedenfalls nicht gegen, sondern nur mit den Landwirten gemacht werden.

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