Die Lizenz zum Fußballspielen

Über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Dritten Liga.

Ab 26. Mai soll auch in der Dritten Liga wieder Fußball gespielt werden. So hat es das DFB-Präsidium beschlossen. So kann es kommen. Die Zweifel sind in diesem Fall aber noch ein bisschen größer als in den beiden Etagen darüber. Alles Mögliche kann einen Neustart behindern, wenn nicht gar verhindern: Ämter können bei positiven Testergebnissen ganze Mannschaften statt nur die betroffenen Spieler - siehe Dresden - in häusliche Quarantäne schicken, Länder können wie in Sachsen-Anhalt Fußballspiele länger als vom DFB geplant verbieten, Städte wie Jena sogar das Training untersagen. Dass es dabei vorrangig um die Gesundheit gehen soll, ist schwer zu glauben.

Fußball ist auch in der Dritten Liga zuallererst ein Geschäft, erst viel später Sport, Spaß und gesellschaftlich relevante Aufgabe. Deswegen schauen die 20 Vereine dieser Spielklasse statt auf Virusfallzahlen auch viel eher auf wirtschaftliche Kennzahlen: Was bringt eine Fortsetzung der Saison mit Blick auf die aktuelle Situation und auf die in einem halben oder ganzen Jahr. Bei einem Teil der Vereine wiegen die mit einem Weiterspielen zu erwartenden Einnahmen - das sind vor allem die rund 300.000 Euro aus der letzten Rate des TV-Vertrages - die Verluste durch bei Geisterspielen fehlende Fans im Stadion ungefähr auf. Bei anderen Clubs mit höheren Zuschauerzahlen wie Kaiserslautern, Braunschweig, Magdeburg oder 1860 München fällt diese Rechnung ungünstiger aus. Nicht zwingend aber die langfristige. Die Eintracht wie die Löwen wollen und können mit geringem Rückstand auf die Aufstiegsplätze in die 2. Liga aufsteigen, wieder an den Tisch mit den großen Kuchen zurückkehren - aber nur wenn weitergespielt wird. Magdeburg hingegen droht bei nur einem Zähler Vorsprung auf die bedrohte Zone der Abstieg und damit der Rückfall ins sportliche wie eben auch finanzielle Elend. Nicht aber bei einem Saisonabbruch. Unter den Unterstützern eines entsprechenden Antrags waren die letzten sechs der Tabelle und mit dem SV Waldhof Mannheim der Tabellenzweite, der ohne noch einmal gegen einen Ball zu treten aufsteigen könnte. Ein Schelm, wer dabei auf seltsame Gedanken kommt.

Ganz gewiss stellt die Umsetzung von Hygienekonzepten mit der Abschottung der Teams von der Außenwelt, Corona-Testreihen in kurzen Abständen und Absicherung aller Gebote bei den Geisterkicks die Drittligisten vor noch größere Herausforderungen als die wesentlich finanzkräftigeren Clubs der 1. und 2. Bundesliga. Und natürlich macht der Fußball mit abstrusen Regelungen zu Abstandsvorschriften und Anweisungen, wie ein Torjubel auszusehen hat, kaum noch Spaß. Doch der Beruf eines Fußballprofis ist das Fußballspielen. Wenn es die Rahmenbedingungen erlauben, muss er spielen. Dafür bekommt er sein Geld. Und: Ein Verein, der eine Lizenz für die Teilnahme an der 3. Liga beantragt und erhalten hat, kann die Teilnahme an einem wieder erlaubten Spielbetrieb nicht verweigern. Es sei denn, er gibt diese Lizenz zurück und steigt freiwillig ab.

Wenn nun noch die Politik den Termin für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs bestätigt, muss auch in der Dritten Liga der Ball wieder rollen. Dann könnte es sportliche Entscheidungen über Auf- und Abstieg geben. Keine mit Ausreden. Dafür wäre dann immer noch Corona gut.

Auch in der Dritten Liga muss der Ball wieder rollen. Dann könnte es sportliche Entscheidungen über Auf- und Abstieg geben. Keine mit Ausreden.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.