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Die hochrangige US-Politikern Nancy Pelosi ist längst wieder weg. Sie hatte in Taipeh ihren großen Auftritt, der China so richtig verärgert hat. Jetzt versucht Peking, die abtrünnige Insel Taiwan mit militärischen Provokationen einzuschüchtern. Die Militärs spielen gerade eine Seeblockade der Insel in Echtzeit durch.

Letzteres ist für westliche Militärstrategen ein wichtiger Hinweis darauf, wie China Taiwan - wann auch immer - in die Knie zwingen will. Eher nicht mit einer militärischen Invasion, sondern mit wirtschaftlichem Druck. Der Ukrainekrieg dürfte auch den Machthabern in Peking die Augen geöffnet haben, wie schwer sich eine militärische Übermacht tut, wenn die Bevölkerung sich partout nicht besetzen lassen will und Widerstand leistet.

Eine Eroberung über die 130 Kilometer breite Meeresenge der Taiwanstraße wäre eine ungeheuer komplexe Militäroperation. Und Taiwan ist verteidigungstechnisch mithilfe der USA seit Jahren hochgerüstet. Die Mehrheit der Taiwanesen pfeift auf die "Ein-China-Doktrin" aus Peking. Die Rückkehr Hongkongs in den Machtbereich der Chinesen dürfte ihnen Warnung genug sein.

Eine Rückkehr wäre es bei Taiwan ja auch gar nicht. Man sitzt da gern einem Narrativ der chinesischen Propaganda auf. Die Insel gehörte nie zur Volksrepublik. Von 1895 bis 1945 war Taiwan japanische Kolonie. 1945 erfolgte die Rückgabe an China (seinerzeit Republik China). 1949 zog sich die im chinesischen Bürgerkrieg geschlagene Regierung Chiang Kai-sheks nach Taiwan zurück. Dort herrschte die Kuomintang bis 1987 als chinesische Nationalpartei mit Hilfe des Kriegsrechts. Danach aber hat sich die Inselrepublik zu einer lebhaften Demokratie entwickelt. Chinas offizielle Strategie, die Herzen der Taiwanesen für eine friedliche Wiedervereinigung erobern zu wollen, ist schon seit Jahren nicht mehr als eine Lüge.

Für Taiwan sind die USA der wichtigste Garant der Freiheit. Der "Taiwan Relations Act" von 1979 besagt, dass die USA "immer an der Seite Taiwans stehen". Die Fronten sind geklärt, alles andere ist diplomatische Lyrik. Die geopolitische Bedeutung Taiwans ist für die USA einfach zu groß. Wenn die Insel fallen würde, könnte die aufstrebende militärische Großmacht China die Umzingelung der US-Verbündeten wie Japan, Singapur und den Philippinen durchbrechen, sich das Tor zum Pazifik aufmachen und die Macht der USA herausfordern. Die Karten im Pazifik würden neu gemischt werden.

Nun könnte man in Deutschland sagen: Das ist alles weit weg, wir haben unsere eigenen Probleme. Der Taiwankonflikt könnte uns aber unmittelbar treffen. Eine Eskalation würde internationale Sanktionen bringen und eine globale Wirtschaftskrise hervorrufen. Ein Beispiel: Taiwan ist weltweit führend in der Halbleiterbranche. Liefert der globale Marktführer TSMC keine Chips mehr, stehen hier die Räder still. Spätestens seit dem Ukrainekrieg wird klar, wie engmaschig und sensibel das Geflecht an wirtschaftlichen Zusammenhängen geworden ist. Das Getreide in der Welt wird knapp, wenn die Ukraine nicht exportieren kann. Senfkörner werden überall zur Mangelware, wenn die Hitze in Kanada die Ernte zerstört. Vom Gas und Öl gar nicht zu reden. Die globale Wirtschaft gerät außer Rand und Band, wenn die Welt aus den Fugen gerät.

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