Doping - Spiegel der Gesellschaft

Zum Schlag gegen die Doping-Mafia in 33 Ländern

Es war die bislang größte Anti-Doping-Razzia der europäischen Sicherheitsbehörden. Die Fahnder wurden fündig: Rund 3,8 Millionen Dopingmittel und gefälschte Medikamente wurden sichergestellt. Demnach wurden allein 24 Tonnen Steroidpulver sichergestellt. Damit kann man nun wirklich jede Menge Muckis erschaffen.

Im Fokus der Ermittlungen stand der Hobbysport-Bereich. Die Dopingsubstanzen werden laut Europol sowohl online als auch in Fitnesscentern oder illegalen Läden verkauft. Und der weltweite Handel mit Anabolika hat offenbar dramatisch zugenommen.

Unter Federführung der Welt-Anti-Doping-Agentur wurden auch Tests bei Sportveranstaltungen durchgeführt. Das nährt den Verdacht, dass auch wieder der Spitzensport betroffen sein könnte. Abwarten, was die Ermittlungen ergeben.

Auch im Kraftsport und in Fitnessstudios spielt der Medikamentenmissbrauch schon seit Jahren eine große Rolle, sagen Experten. Die Razzia zeigt im Grunde nur, wie groß das Problem ist.

Was sagt das über unsere Gesellschaft aus? Doping im Spitzensport ist ein Spiegel der modernen Wettbewerbs- und Leistungsgesellschaft. Es gibt mächtige Triebkräfte für die biochemische Manipulation: den Ehrgeiz der Sportler selbst, den Erwartungsdruck der Öffentlichkeit, die strahlende Sieger sehen will, und die zunehmende Kommerzialisierung des Sports. Auch die Sportförderung trägt ihren Teil dazu bei, indem sie ihre Zuwendungen an Spitzenleistungen orientiert.

Das Streben nach Selbstoptimierung, zur Erweiterung der Leistungsgrenzen, die durch Talent und Physis vorgegeben sind, ist tief in unserer Kultur verankert. Schneller, höher, stärker - das gilt oft auch beim Sport in der Freizeit. Es geht um permanente Steigerung. Dazu gehört die Bereitschaft, Risiken für die Gesundheit einzugehen. Auch in Berufen, in denen dauernd Höchstleistungen gefordert sind, ist Drogenmissbrauch verbreitet: Aufputschmittel und Tranquilizer, Alkohol, Kokain. Wo sind die Grenzen zu ziehen? Immer nur auf den Leistungssport zu schauen, ist daher scheinheilig.

Doping im Sport verstößt gegen das Fairnessgebot. Klar. Wer Doping toleriert, setzt eine Aufrüstungsspirale in Gang, der sich niemand entziehen kann, der vorne mitmischen will. Man kann sich dann nur noch entscheiden, mitzumachen oder auszusteigen. Helfen können dagegen besserere und engmaschigere Kontrollen. Gänzlich verhindern können sie Doping aber nicht.

Die Leistungskultur in wohlhabenderen Gesellschaften hat aber längst auch Bereiche außerhalb des Sports negativ beeinflusst. Viele, die es sich leisten können, wollen schöner, länger, vitaler leben und nehmen dafür Pillen und Spritzen in Kauf, statt einfach gesund zu leben. In einer Welt der Amphetamine, der Silikonpolster und Viagra-Pillen lässt es sich wunderbar über die "Optimierung von Lebenschancen" schwadronieren. Aber wohin führt die Leistungskultur noch? Darauf sollten wir möglichst bald Antworten finden.

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