Eine Demonstration der Mehrheit - Kommentar zum 1. Mai in Chemnitz

Die rechtsextreme Partei Dritter Weg marschiert am 1. Mai in Chemnitz. An den Gegenaktionen beteiligen sich mehrere tausend Menschen.

Gut gemacht, Chemnitz. Die verschiedenen Demonstrationen zum 1. Mai sind so über die Bühne gegangen, wie es sein sollte. Jeder konnte seine Meinung frei äußern - ohne ein Anrecht darauf zu besitzen, unwidersprochen zu bleiben. So konnte sich selbst der Dritte Weg, diese im Westen geborene und auf Ost-Expansion befindliche rechtsextreme Partei, auf die Liberalität und Rechtstaatlichkeit dieser Gesellschaft verlassen, die ihr offensichtlich so verhasst ist. Das Bild bestimmt hat sie aber nicht. Das war vielmehr die Stadt mit vielen engagierten Bürgern - und eine dominante, zugleich kommunikative und damit erfolgreiche Polizei.

Zum Zeitpunkt, als diese Zeilen geschrieben werden, kann man konstatieren, dass das Sicherheitskonzept aufgegangen ist. Das Demonstrationsrecht wurde durchgesetzt - auf allen Seiten. Auch die Gewaltbereiten im Schwarzen Block der Antifa erhielten keine Chance, hier in Chemnitz ihre ganz eigene Party zu feiern. Statt dessen große Stimmung vor der Konzertbühne mit Kraftklub als besonderer Zugnummer. Der Anzahl der Gegendemonstranten hat das - ganz klar - gut getan.

Dass sich die Musiker trotz ihrer Popularität und ihres Erfolgs immer wieder in ihrer Stadt engagieren, ist genauso wenig selbstverständlich wie das weniger auffällige, aber keinesfalls weniger wichtige Wirken vieler Unbekannter, denen nicht egal ist, wer in der Stadt den Ton angibt und die Bilder bestimmt. Deshalb hat das Chemnitz richtig gut gemacht. Gemeinsam. Über Parteigrenzen und unterschiedliche Weltsichten hinweg haben die Beteiligten gezeigt, dass es eben nicht der dumme Rest ist, dem diese freiheitlich-demokratische Gesellschaft etwas wert ist, sondern noch immer die Mehrheit.

Seinen Anteil daran hatte auch der Ministerpräsident. Michael Kretschmer war zur offiziellen Kundgebung des Gewerkschaftsbundes gekommen und reihte sich auch ganz vorn ein im Demonstrationszug unter dem Motto: "Chemnitz - dem Rassismus keine Chance". Ein solch klares Statement tut gut im Freistaat und hat lange genug gefehlt. Und noch etwas war an Kretschmers Auftritt wichtig. Etwas, das weniger auffällig daherkam. Allein mit seiner Anwesenheit hat der Christdemokrat den Ansichten des traditionell eher linken Gewerkschaftsbundes ihre Berechtigung bescheinigt. Das heißt noch lange nicht, dass er sich ihnen anschließen muss. Diese Legitimitätsbescheinigung ist aber die Grundlage eines vernünftigen Diskurses, an dem es an anderen Stellen in dieser Gesellschaft immer wieder mangelt.

Einer dieser Orte war am Montag Zwickau. Dort hatten die Profi-Provokateure aus den Reihen der AfD zur Kundgebung gerufen - und lieferten, was man von ihnen erwarten durfte. Andersdenkende wurden in den Reden als dumm, heuchlerisch und instrumentalisiert dargestellt, ihren Positionen somit von vornherein eine Berechtigung abgesprochen. Wer so spricht, der will nicht mitreden, der will bestimmen.

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20Kommentare
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  • 5
    3
    SimpleMan
    03.05.2018

    @Hinterfragt Wie Sie in Ihrem zweiten Verweis richtigerweise verlinkt haben, gab es keine Krawalle. Deswegen auch die Überschrift "Friedlicher 1. Mai". Hier noch ein zusätzlicher Verweis von mir:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/keine-krawalle-bei-mai-demos-in-hamburg-und-berlin-15569434.html

    Aber was wollen Sie eigentlich ausdrücken? Haben Sie ein Problem damit, wenn Ihre Vorurteile nicht bestätigt werden? Wichtig ist doch eigentlich, das es egal von welcher Seite, keine Krawalle gab. Ihr fast schon religiöser Eifer hier irgendetwas zu konstruieren, ist schon sehr merkwürdig.

  • 2
    5
    Hinterfragt
    03.05.2018

    @tbaukhage "...Was sollen diese Links zu Berlin/Hamburg/Paris? Hier geht's um die Chemnitzer Aktionen...."

    Merken Sie es noch?!
    Sie haben doch aus meinen Kommentar zitiert und der bezog sich NICHT auf Chemnitz, sondern u.A. auf Hamburg und Berlin!

    Originalkommentar:
    "Und ja @BlackSheep hat Recht: Am 2. Mai sprechen wir uns wieder wenn in Hamburg, Berlin , ... die linken Horden mal wieder für Chaos und Gewaltexzesse gesorgt haben"
    09.04.2018 07:40 Uhr unter:
    https://www.freiepresse.de/LOKALES/CHEMNITZ/Neonazis-wollen-in-Chemnitz-marschieren-artikel10174098.php#kommentare

    Und auch in C flogen Flaschen udgl. aus dem Schwarzen Block, können Sie hier bei FP nachlesen!

  • 4
    3
    Blackadder
    03.05.2018

    @hinterfragt: Jetzt versuchen Sie sich doch nicht aus der Affäre zu ziehen: wo waren in Chemnitz die angekündigten Gewaltexzesse?

  • 4
    3
    tbaukhage
    03.05.2018

    @Hinterfragt: Was sollen diese Links zu Berlin/Hamburg/Paris? Hier geht's um die Chemnitzer Aktionen.

  • 2
    5
    Hinterfragt
    03.05.2018

    @tbaukhage; gern doch!

    - https://goo.gl/YX8azW
    - https://goo.gl/Sf5zNW
    - https://goo.gl/Z95ES9

  • 5
    2
    tbaukhage
    02.05.2018

    @Hinterfragt: Sie wollten mit uns sprechen: "Am 2. Mai sprechen wir uns wieder wenn ..., ... die linken Horden mal wieder für Chaos und Gewaltexzesse gesorgt haben".
    Und?

  • 7
    5
    SimpleMan
    02.05.2018

    @Hinterfragt " ... warum wird eine Demo mit offen gewaltbereitem ..." Es gab kein Gewalt, damit kann das Gewaltpotenzial wohl nicht groß gewesen sein, im Gegenteil es war ausgesprochen friedlich. Sie hätten sich gern selber überzeugen können.

  • 8
    5
    Blackadder
    02.05.2018

    "Hinterfragt: @Blackadder, Sie wisse aber schon, dass es es ein Vermummungsverbot gibt ...?"

    Was hat das mit der Diskussion zu schwarzer Kleidung zu tun? Von Vermummung war nicht die Rede. Ich habe auch niemand vermummten gesehen. Ich selbst war übrigens rechts farbenfroh gekleidet.


    "Und auf dem Neumarkt gab es zig Leute mit roten Shirts und roten Fahnen ..."

    Hatten die eine Demo angemeldet und sind mit Trommeln durch die Stadt gezogen? Ich denke: nein. Und zu dem Israel Spruch haben Sie sich auch nicht geäußert!

  • 4
    10
    Hinterfragt
    02.05.2018

    "...Die gleichen T-Shirts und Fahnen des. III.Wegs hingegen WAREN eine Uniform..."

    Großes Gelächter!
    Gehen Sie mal durch die Stadt, wie viele Leute da gleiche Klamotten tragen...

    Und auf dem Neumarkt gab es zig Leute mit roten Shirts und roten Fahnen ...

  • 5
    9
    Hinterfragt
    02.05.2018

    @Blackadder, Sie wisse aber schon, dass es es ein Vermummungsverbot gibt ...?

  • 9
    6
    Blackadder
    02.05.2018

    @Hinterfragt: Eine gleiche Farbe in der Kleidung ist noch lange keine Uniformierung. Wenn ich ein schwarzes Kleid anhabe und mein Mann einen schwarzen Anzug, tragen wir dann Uniform?

    Die gleichen T-Shirts und Fahnen des. III.Wegs hingegen WAREN eine Uniform.
    Aber falls Sie das nicht stört, vielleicht stören Sie ja Sprechchöre a la "Nie wieder Israel". Wenn wir wirklich Antisemitismus bekämpfen wollen, müsste eine Demo bei solchen Sprüchen aufgelöst werden. Egal wer demonstriert.

    Ansonsten verstehe ich die Diskussion über die AfD an dieser Stelle nicht. Ich kann mich nicht erinnern, dass die AfD sich gestern deutlich auf eine der beiden Seiten gestellt hätte. Außer dass Herr Bystron in Bayern den 1. Mai abschaffen will, warum auch immer.

  • 12
    5
    osgar
    02.05.2018

    Der selbsternannte 3.Weg war mir bisher nur nebulös aus den Medien bekannt. Deshalb habe ich mir das gestern doch etwas näher angesehen. Ich bin echt entsetzt über das Gesehene. Das ganze Erscheinungsbild und die Parolen, ob gegrölt oder auf Plakaten - das sind Nazis pur. So etwas habe ich bisher nur in Filmen gesehen.
    Eine Demokratie muss viel aushalten, auch gegensätzliche Meinungen. Aber was diese Leute anbieten, gehört verboten. Die Aufnahmen dieser Veranstaltung sollten eigentlich ausreichen, Aufmärsche dieser Leute in Zukunft zu untersagen.

  • 10
    6
    Hankman
    02.05.2018

    @BlackSheep: Doch, ich halte das für einen Mythos (weil es so pauschal nicht stimmt). Fakt ist doch, die AfD und ihre Anhänger müssen sich der politischen Auseinandersetzung stellen und auch Kritik vertragen. Wer im gesellschaftlichen Diskurs mit provokanten Thesen zu punkten versucht, der darf sich doch nicht wundern, wenn er Polemik erntet.

  • 6
    6
    Hankman
    02.05.2018

    @Hinterfragt: Wenn es nur um die Uniformierung geht, hätte dann auch die Demo des "Dritten Weges" aufgelöst werden müssen. Denn dort waren auch viele uniformiert. Hat jeder sehen können.

  • 6
    7
    BlackSheep
    02.05.2018

    @Hankman, es geht hier nicht um Opfermythos, es geht um Gleichbehandlung und das hat nichts mit jammern zu tun!

  • 4
    12
    tbaukhage
    02.05.2018

    ---Leute die für die AfD sind werden doch von den Gegnern der AfD doch pauschal als dumm, nazistisch und rassistisch beschimpft...---

    Ach, das stimmt wohl garnicht???

  • 8
    7
    Hinterfragt
    02.05.2018

    Angepasstes Zitat:
    Mein Problem: warum wird eine Demo mit offen gewaltbereitem vermummten schwarzem Block (könnte auch eine Uniformierung sein) nicht von vornherein aufgelöst?

  • 12
    9
    Hankman
    02.05.2018

    Ja, da kann man nur zustimmen: Gut gemacht, Chemnitz! Ich kann den "Dritten Weg" überhaupt nicht leiden. Aber als Demokrat muss ich hinnehmen, dass auch die ihre seltsamen politischen Positionen per Demo kundtun wollen. Es ist indes lobenswert, dass es eine so große Zahl von Gegendemonstranten gab, die diese kruden Positionen so nicht stehen lassen wollten und das Bild von Chemnitz zurechtgerückt haben. Kompliment auch an die Polizei, die dafür gesorgt hat, dass alles weitgehend friedlich und gesittet blieb.

    @BlackSheep: Ach, lassen Sie doch mal den AfD-Opfermythos stecken. Die arme kleine AfD, zu der alle sooo böse sind ... Geht's noch? Natürlich gibt es Kritiker der AfD, die deren Anhängerschaft pauschal als Nazis und Rassisten sehen. Aber die Mehrheit ist schon zu einer differenzierten und sachlichen Sicht fähig. In der AfD wiederum gibt es auch Politiker, die gern andere pauschal beschimpfen und verunglimpfen. Ja, es sind nicht alle so. Aber es gibt doch keinen Grund zu jammern.

  • 20
    15
    Blackadder
    01.05.2018

    Sehr schöner Kommentar, der zeigt: wer sich offen gegen rechts stellt, ist kein Linksradikaler, sondern einfach Demokrat und Verteidiger unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Und in der Mehrheit, auch wenn das hier im Forum manchmal anders aussieht.

    Mein Problem: warum wird eine Demo mit offen antisemitischen Parolen und einer verbotenen Uniformuerung nicht von vornherein aufgelöst?

  • 16
    19
    BlackSheep
    01.05.2018

    Ziemlich einseitig Herr Kleditzsch. Leute die für die AfD sind werden doch von den Gegnern der AfD doch pauschal als dumm, nazistisch und rassistisch beschimpft, wer so spricht will doch auch bestimmen und Leute mit anderer Meinung unterdrücken. Wo ist der Unterschied zu dem was Sie der AfD unterstellen?



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