Eine Wahl mit Mut zum Risiko

Die CDU hat Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Parteichefin gewählt

Ihre Gegner von rechts werden es Ignoranz nennen. Die CDU hat ausgerechnet die Kandidatin an die Spitze gewählt, die das engste Verhältnis zu Angela Merkel hat. Die Kandidatin, die am ehesten für eine Fortsetzung der politischen Linie Merkels steht. Und das in einer Zeit, in der Angela Merkel das Feindbild schlechthin ist für all die, die sich heute in oder um die AfD versammeln. Das ist mutig. Riskant. Das ist aber auch selbstbewusst.

Annegret Kramp-Karrenbauer war die beste der drei Kandidaten, jedenfalls dann, wenn man die AfD nicht zum Maß aller Dinge macht. Sie war auch diejenige mit der besten Vorstellung auf dem Parteitag. Mut, das war ihr zentrales Motiv. Sich nicht ergeben, nicht fügen. Sondern das machen, was man selbst für richtig hält.

Für Sachsens CDU wird es dennoch ein hartes Stück Arbeit, um mit AKK, wie sie Journalisten nennen, der AfD bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr trotzen zu können. Denn mit AKK als CDU-Chefin scheint im Moment auch ausgemacht, dass Angela Merkel noch einige Zeit Kanzlerin und damit Kraftquell der AfD bleibt.

Wer jedoch von Kramp-Karrenbauer erwartet, sie setze Merkels Politik einfach fort, der wird im Positiven wie Negativen enttäuscht werden. Sicher findet sie einen ähnlich sachlichen und ausgleichenden Ton. Aber in einigen politischen Fragen wird sie sich deutlich abheben und entschlossener zeigen. Die Innere Sicherheit gehört auf jeden Fall hinzu. Das hat sie schon im Saarland gezeigt. Kramp-Karrenbauer wird noch viele überraschen.

Friedrich Merz hat am Freitag schon überrascht. Allerdings mit einer erstaunlich uninspirierten Vorstellung. Er ist zwar der Verlierer dieses Parteitags. Aber trotzdem bleibt es sein Verdienst, genauso wie das von Jens Spahn, dass die CDU überhaupt in die Situation gekommen ist, sich einen neuen Vorsitzenden auswählen zu können. Der Prozess war beispiellos und hat der Partei gutgetan. Die Christdemokraten haben in den letzten Wochen gezeigt, dass sie nicht umsonst noch eine große Volkspartei sind. Die knappe Entscheidung zeigt aber zugleich, welch große Aufgabe vor der neuen Vorsitzenden und ihrem Team liegt. Der Umbruch in der CDU steht erst am Anfang. Und noch ist nicht garantiert, dass dabei alle Teile am Ende wieder zusammenpassen.

Am Freitag haben auch Spahn und Merz versprochen, dabei mitzuhelfen. Es wäre eine große Leistung, wenn ihnen das gelingt und somit die CDU auch diejenigen bei der Stange halten kann, die sich nicht nur wieder einen Mann, sondern auch einen eindeutigen inhaltlichen Gegenentwurf zu Merkel an der Parteispitze gewünscht hätten.

Und Angela Merkel selbst? Wenn alles so kommt, wie es sich abzeichnet, dann ist sie gerade dabei, ihren Abschied so zu gestalten, wie es in den vergangenen Jahrzehnten noch kein Mann geschafft hat in diesem Geschäft. Überlegt und in ihrem Sinne kontrolliert. Gesichtswahrend und uneitel zugleich. Sie wird nicht vor die Tür gesetzt, sondern geht, wenn sie glaubt, ihre Nachfolger seien nun bereit.

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1Kommentare
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  • 4
    0
    Klapa
    08.12.2018

    "Und das in einer Zeit, in der Angela Merkel das Feindbild schlechthin ist für all die, die sich heute in oder um die AfD versammeln."

    Mit Verlaub, Herr Kleditzsch, so formuliert scheint mir das nicht ganz korrekt oder zumindest nur die halbe Wahrheit, weil Frau Merkel, ich formuliere etwas zurückhaltender, nicht nur der Stein des Anstoßes für die AfD ist und für alle, die ihr nahe stehen, sondern auch für diejenigen, die sich auf dem CDU-Parteitag mit einer ziemlichen starken Minderheit als Teil der politischen Mitte hinter Friedrich Merz versammelt haben.

    Was Sie im Moment von AKK`s Politik erwarten, drückt das aus, was Sie sich auch für den Osten Deutschlands wünschen. Da bin ich bei Ihnen. Es bleibt jedoch im Moment Zukunftsmusik.

    Von Umbruch zu sprechen, ehe etwas passiert ist, was diesen Namen verdient, halte ich für gewagt. Denn die Hoffnungen auf eine Verbesserung der politischen Bedingungen in Deutschland für die Arbeit des sächsischen Ministerpräsidenten, die jeden Sachsen ganz persönlich betreffen, haben sich im Prinzip zerschlagen.



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