Für das Tierwohl

Zum Verbot der Kastration von Ferkeln ohne Betäubung.

Konsequent hat sich der Bundesrat für das Tierwohl ausgesprochen. Männliche Ferkel dürfen ab Januar 2019 nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Wer das auch immer anders sieht, dem sei gesagt: die Tierquälerei hat damit ein Ende. Seit 2013 steht dieses Ziel auch schon im Tierschutzgesetz, war aber in den vergangenen Monaten auf den letzten Drücker wieder neu hochgekocht.

Die lange Übergangsfrist von fünf Jahren war kein Zufall: So wollte Schwarz-Gelb der Agrarbranche genug Zeit geben, den Kunden ein tierschutzgerechtes Angebot zu machen. Doch das fehlt bis heute.

Worum geht es? Sauenhalter und Händler meinen, dass das Fleisch von nichtkastrierten Ebern nach dem Erhitzen für den Verbraucher quasi nicht mehr genießbar sei. Aus Sicht des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit bietet sich dafür nur ein Weg an: Die Tiere werden gegen den Ebergeruch geimpft, anstatt sie chirurgisch zu kastrieren. Allerdings lehnen viele Ferkelzüchter, Mäster, Schlachthöfe und Händler dieses Verfahren ab. Sie meinen, dass niemand "Hormonfleisch" kaufen wolle. Ob das stimmt, ist offen. Kein Kunde kann ja heute entscheiden, ob er lieber Fleisch von betäubungslos kastrierten oder geimpften Tieren kaufen will. Das Kastrieren unter Narkose ist bislang untersagt und bringt seit Monaten jene auf die Palme, die argumentieren, dass eine Methode, die für jede Zahnarztbehandlung als bedenkenlos gilt, nun doch auch in der Schweinemast umsetzbar sein müsse. Doch das ist teuer. In der Realität - so argumentieren Schweinezüchter - müssten nun kastrierte Tiere in deutlich höheren Mengen als bisher hunderte Kilometer weit aus Belgien und den Niederlanden importiert werden. Nur weil es dem Verbraucher dann besser schmeckt? Von dem viel gepriesenen Ziel zugunsten des Tierwohls sind diese Argumente weit entfernt. Angesichts unzumutbarer Massentierhaltung, tierunwürdiger Schweineställe, Hühner- und Entenfarmen, wo am Ende das gefrorene Hähnchen für etwa drei Euro im Tiefkühlregal landet, darf ein Umdenken bei Verbrauchern und Erzeugern nicht mehr schwerfallen.

Das Festhalten an einer Regelung, die bereits vor fünf Jahren in das Tierschutzgesetz geschrieben wurde, ist deshalb der richtige Weg, auch wenn er Mühe macht und neue Kosten mit sich bringt.

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