Harter Wettbewerb um Fachkräfte

Damit die sächsische Wirtschaft in den nächsten Jahren weiter wachsen kann, müssen die Unternehmen alles daran setzen, genügend Fachkräfte nach Sachsen zu locken. Das Problem darf man nicht kleinreden: In den kommenden zehn Jahren werden nach den Prognosen auf dem sächsischen Arbeitsmarkt rund 300.000 Erwerbspersonen fehlen. Der Grund: Es kommen deutlich weniger junge Frauen und Männer ins erwerbsfähige Alter, als ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen. Das verfügbare Fachkräftepotenzial nimmt weiter stetig ab. Schon jetzt können viele Arbeitsplätze und Ausbildungsstellen nicht besetzt werden, weil Bewerber fehlen. Besonders kleine Firmen kämpfen mit Problemen bei der Stellenbesetzung. Allein in Südwestsachsen klagen bereits 44 Prozent der Unternehmen über unbesetzte Stellen.

Die Fachkräftesicherung wird deshalb für die sächsische Wirtschaft in den nächsten Jahren die größte Herausforderung. Allein mit Auszubildenden aus dem eigenen Land, mit Rückkehrern aus anderen Bundesländern oder wieder integrierten Arbeitslosen wird sich die entstehende Fachkräftelücke nicht schließen lassen.

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das im März 2020 in Kraft treten soll, bekommen die Unternehmen ein Instrument, um das Problem des Fachkräftemangels auch über mehr qualifizierte Zuwanderung zu lösen. Damit wird endlich auch offiziell dokumentiert, dass sich Deutschland als Einwanderungsland für Menschen versteht, die für das Funktionieren der Wirtschaft gebraucht werden. Das Gesetz muss allerdings seine Wirksamkeit erst noch unter Beweis stellen, denn die Hürden für eine Arbeitsmigration aus Nicht-EU-Ländern wurden zwar gelockert, bleiben aber recht hoch, weil es vor allem darum geht, gut qualifizierte Zuwanderer mit den entsprechenden Sprachkenntnissen nach Deutschland zu locken. Die Strategie der Bundesagentur für Arbeit, gezielt mit Partnern nach Arbeitskräften im Ausland zu suchen, erscheint dabei als eine erfolgversprechende Vorgehensweise. Als Flaschenhals erweist sich derzeit die Visum-Frage: Oft dauert es viel zu lange, bis die deutschen Auslandsvertretungen die entsprechenden Dokumente ausgestellt haben.

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der ausländischen Arbeitskräfte in Sachsen deutlich angestiegen. Inzwischen arbeiten mehr als 80.000 Ausländer im Freistaat. Der positive Trend ist erfreulich, reicht aber auch mit Blick auf andere Bundesländer nicht aus. Denn der Fachkräftemangel ist nicht nur ein Phänomen in Sachsen, sondern in ganz Deutschland. Das heißt aber auch, dass die Unternehmen bei der Personalsuche in einem harten Wettbewerb stehen, national und manchmal auch international. Deshalb geht es entscheidend darum, positive Rahmenbedingungen in Sachsen auch für ausländische Arbeitnehmer zu schaffen. Nur dann wird das Einwanderungsgesetz auch für Sachsen ein Erfolgsfaktor.

6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    Malleo
    18.12.2019

    Es muss natürlich heißen...nicht thematisieren.
    Drei Zahlen.
    Assistenzarzt in D 83.000€ im Jahr.
    Skandinavien oder Schweiz doppelt so viel.
    USA über 400.000€.

  • 7
    2
    Malleo
    18.12.2019

    Solang die Sozialökonomie schneller wächst als die Realwirtschaft, bleibt es wie es ist.
    D hat ein doppeltes Migrationproblem:
    Hochqualifizierte Deutsche gehen und Geringqualifizierte kommen.
    Das will aber in den deutschen Medien thematisieren.
    Andere schon.

  • 6
    2
    Malleo
    18.12.2019

    Lesemuffel
    Das nennt man umgangssprachlich Neokolonialismus...

  • 9
    3
    Lesemuffel
    18.12.2019

    Die deutsche Regierung sollte sich schämen, anstatt eigene Fachkräfte auszubilden, anderen Staaten die dort für ihr Land ausgebildeten FK wegzulocken. Allerdings ist es wohl schwer, mit der heutigen Jugend diese eigene Ausbildung zu realisieren. Eben erst hat PISA bescheinigt, dass das BRD-Bildungssystem weiter an Niveau verloren hat. Quo vadis, BRD?

  • 6
    3
    Interessierte
    18.12.2019

    Im Ausland braucht man wohl keine Fachkräfte ?
    Warum bilden die denn dann dort welche aus - für Deutschland und die USA ?
    Und sind denn die Ost-Abschlüsse überhaupt ausreichend - für den Westen" ???
    >
    Damit die ´sächsische Wirtschaft` weiter geht …
    Da sind nun alle guten Fachkräfte aus Sachsen im Westen , damit die Wirtschaft dort weiter geht seit 30 Jahren - und nun sucht man im Ausland …..
    >
    Und was jetzt gebildet und ausgebildet wird hier in Sachsen , das geht doch aber später in den Westen - oder ?

  • 9
    2
    994374
    17.12.2019

    Interessant zu lesen, dass jetzt endlich ein schon länger zurückliegender Vorschlag der AfD vom Gesetzgeber aufgegriffen wird, der damals als unnötig abgewiesen wurde, da es angeblich die entsprechenden Gesetze ja schon gäbe.



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