Im Zwist verheddert

Die Linke will im Wahljahr zur Sacharbeit zurückkehren

Das Thema Hartz IV wird in Deutschland seit einiger Zeit wieder lebhaft diskutiert. Es geht um die Zukunft jener Arbeitsmarktreformen, die das Land in den letzten anderthalb Jahrzehnten erheblich verändert haben. Aufgeworfen wurde die jüngste Debatte von SPD und Grünen. Das ist einerseits naheliegend, denn jene Parteien waren es auch, die die Reformen einst auf den Weg brachten.

Andererseits ist Hartz IV das Gründungsthema der Linken. Aus Protest gegen die Agenda-Politik des früheren SPD-Kanzlers Gerhard Schröder wurde seinerzeit die neue Partei ins Leben gerufen. Nur, bei der jüngsten Hartz IV-Debatte, die im vergangenen Herbst aufkam, spielte die Linke kaum eine Rolle. Die Partei hatte anderes zu tun. Sie war mit sich selbst beschäftigt.

Wiederholt war in der Vergangenheit zu beobachten: Statt den sozial Schwachen eine Stimme zu geben, schreien sich die Genossen gegenseitig an. Statt die Maxime der Solidarität zu leben, dreschen sie mit verbalen Keulen aufeinander ein. Und statt für Frieden zu kämpfen, beteiligen sich viele Linke an Lagerkämpfen.

Für Außenstehende vermittelt die Partei oftmals ein befremdliches Bild. Der Streit ist mitunter so kompliziert, dass sich etliche Menschen achselzuckend und kopfschüttelnd abwenden. Dies ist im Grunde das Schlimmste, was einer Partei passieren kann. Denn damit hat sie sich selbst überflüssig gemacht.

Immer wieder wird beim Streit in der Linken vor allem auf Sahra Wagenknecht geschaut. Gewiss, mit der eigenmächtigen Gründung der linken Sammlungsbewegung "Aufstehen" hat sie viele in der Partei vor den Kopf gestoßen. Übrigens auch große Teile der Öffentlichkeit. Denn wer soll begreifen, dass eine Fraktionschefin bekennt, ihre eigene Partei entwickle zu wenig Zugkraft in der Gesellschaft und deshalb bedürfe es einer anderer Bewegung?

Ja, Wagenknecht ist die Primaballerina. Aber sie ist es nicht ganz zu Unrecht. Niemand sonst in der Linken kann Säle füllen und das Publikum so in Wallung versetzen wie sie. Davon hat die Linke profitiert. Doch auch eine Primaballerina ist auf das Zusammenspiel mit einem Orchester und einem Dirigenten angewiesen. Sturheit und Allüren sind eher hinderlich, besonders wenn man einer Bundestagsfraktion vorsteht. Krach ist unter diesen Bedingungen fast unvermeidbar.

Aber auch die anderen Spitzengenossen haben Fehler gemacht. Ko-Fraktionschef Dietmar Bartsch etwa taucht oftmals ab, wenn es in der Linken wieder brenzlig wird, anstatt die Wogen zu glätten. Und die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger müssen sich fragen lassen, ob ihr vermeintliches Krisenmanagement bisweilen nicht eher zur weiteren Eskalation beigetragen hat. Fest steht: Falls die Linke als politische Kraft auch künftig eine Rolle spielen will, muss sie ihre internen Konflikte schnell, sachlich und professionell beilegen. Nur wenn ihr das gelingt, kann sie überzeugen. Falls nicht, zucken die Wähler mit den Achseln. Und machen ihr Kreuz bei anderen Parteien.

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