Klappern gehört zum Handwerk

Zu Russlands aktuellem Militärmanöver Wostok2018

Das russische Verteidigungsministerium klotzt: In Sibirien an der Grenze zu China und der Mongolei fährt es unter anderem 300.000 Soldaten, 36.000 Panzer und mehr als 1000 Flugzeuge auf. Russland strebt aufgrund der Geschichte und seiner geopolitischen Lage immer nach Stärke. "Wostok 2018" ist eine Demonstration der mächtigen Verteidigungsfähigkeit Russlands. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Die Nato hält sich mit den sonst üblichen Bedrohungsvorwürfen zurück. Schließlich wird das westliche Militärbündnis seinerseits ab dem 25. Oktober mit rund 40.000 Soldaten aus 30 verschiedenen Nato- und anderen Partnerstaaten ein Großmanöver in Norwegen abhalten. Die deutsche Bundeswehr wird übrigens mit rund 8000 Soldaten das größte Kontingent stellen.

"Wostok 2018" gehört zum normalen Manöverplan der Russen. Die Militärübungen im Osten sind immer größer als die im Westen des Landes, weil aufgrund der Wiener Dokumente die Truppenstärke im Westen begrenzt ist, während sie das im Osten nicht ist. Das wurde so in dem Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa und im von der OSZE verabschiedeten Wiener Dokument von 2011 über vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen festgelegt.

Militärexperten sagen, das Großmanöver sei auf ein militärisches "Großereignis" ausgerichtet. Mag sein. Es ist aber vor allem ein Zeichen Russlands an die USA von militärischer Stärke und Großmacht-Bewusstsein. Letztlich sind solche Übungen für alle größeren Staaten relativ normal. Klappern gehört zum militärischen Handwerk.

Viel mehr als die Manöver sollte die gigantische Aufrüstung vor allem bei der atomaren Waffentechnik beunruhigen. Die wenigen Abrüstungsverträge zwischen den USA und Russland sind nicht mehr das Papier wert, auf dem sie einst unterzeichnet wurden. Aktuell gibt es weder vertrauensbildende Maßnahmen noch effektive Kontrollmechanismen. Die Aufrüstung ist in vollem Gange, das Vertrauen auf dem Nullpunkt.

Die Beteiligung Chinas an "Wostok 2018" ist keine Überraschung. Seit 2003 haben beide Staaten zusammen etwa 30 Militärübungen durchgeführt. Allerdings waren die Chinesen noch nie bei strategischen Manövern der Russen dabei. Das hat eine neue Qualität. Das kleine Kontingent von 3000 Soldaten ist sozusagen zur Weiterbildung der Stabsoffiziere dabei - was militärische Logistik und die Praxis moderner Waffentechnik im Informationszeitalter angeht. Moskau zeigt seinem Nachbarn China gleichzeitig auch, wie stark man ist.

Die chinesisch-russische Verständigung lässt aufhorchen. Sie hat sich schon länger angebahnt - vor allem in der Wirtschaft und jetzt auch im Sicherheitsbereich. Wenn Russland vom Westen aus den verschiedensten Gründen sanktioniert wird, dann wendet man sich anderen Mächten wie eben China zu. Neue Chancen und neue Märkte finden sich schließlich überall. Die bipolare Welt, Ost gegen West, gibt es so schon lange nicht mehr.

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