Klein, aber wahlentscheidend

So spannend wie in diesem Jahr ist es vor einer Landtagswahl in Sachsen wohl noch nie gewesen. Mit der CDU verharrt die jahrelang dominierende politische Kraft auch mehr als ein Jahr nach ihrem Führungswechsel von Stanislaw Tillich zu Michael Kretschmer in Umfragen unter der 30-Prozent-Marke. Dass der Absturz auf unter 40 Prozent zur Sachsen-Wahl 2014 kein einmaliger Ausrutscher bleibt, dürfte den Parteistrategen längst bewusst sein.

Aber auch Koalitionspartner SPD muss sich von früheren Ambitionen verabschieden. "Weg von Platz 3" hatte es noch 2015 geheißen. Dazu mag es kommen - angesichts der in der Gunst nicht mehr nur von CDU und Linken, sondern längst auch von der AfD überholten Genossen aber eher nicht in der gewünschten Richtung. Ziehen die Grünen auch noch vorbei, winkt nur noch Platz 5.

Was die Regierungsparteien verlieren, muss sich woanders niederschlagen. Während die Dellen bei der SPD mit Zuwächsen bei Linken (früher) oder Grünen (neuerdings) korrespondieren, ohne dass diese drei Parteien insgesamt wachsen, ist vor allem der Kampf um die einstigen Union-Wähler noch völlig offen. Er aber dürfte der entscheidende für den Wahlausgang sein.

Neben der CDU selbst, die keine Anhänger zu verschenken hat und sich längst um ein betont konservatives Profil bemüht, und ihrem neuen großen Widersacher von rechts, der AfD, gibt es mindestens drei Gruppierungen, die sich Hoffnungen machen: die FDP, die Freien Wähler und Frauke Petrys Blaue Partei. Damit tummeln sich ziemlich viele auf dem rechten Teil des politischen Spielfeldes, der in Sachsen mutmaßlich größer ist als anderswo. Neben dem Schielen auf dieselbe Wählerklientel eint das Trio auch die Unsicherheit, ob die Fünf-Prozent-Hürde am Ende zu hoch ist.

Am größten scheinen bislang die Erfolgsaussichten der FDP zu sein. Allerdings wird dem Wähler nicht verborgen bleiben, dass die Partei ziemlich zerstritten ist. Wenn ihr Chef und Spitzenkandidat Holger Zastrow bei geheimen Wahlen ohne einen einzigen Herausforderer regelmäßig von einem Drittel der eigenen Parteifreunde abgewatscht wird, weist das auf einen weiter schwelenden Machtkampf hin, den Zastrow sicher nur mit einer Regierungsbeteiligung gewinnen kann.

Von einer solchen träumt auch Frauke Petrys Blaue Partei - allerdings wohl vergeblich. Die einstige AfD-Chefin scheint sich auch dabei verrechnet zu haben, auf eine Allianz etwa mit den Freien Wählern nicht angewiesen zu sein. Damit droht der 43-Jährigen ein frühzeitiges Ende der politischen Karriere.

Anders sieht es bei eben jenen Freien Wählern aus. Eine Polizeigewerkschaftschefin als Vorschlag für Listenplatz 1 ist auf jeden Fall ein Überraschungscoup. Zulasten der FDP - zu deren Markenkern Bürgerrechte gehören - geht dieser eher nicht. Ob aber die Personalie Martin eher die AfD Stimmen kostet oder nur die CDU weiter schrumpft, bleibt abzuwarten. Selbst auf der rechten Spielfeldhälfte ist das Wählerpotenzial endlich.

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