Klimaschutz lässt sich nicht vertagen

Die Zeit vor der Coronapandemie hätte als Klima-Jahr in die Geschichte eingehen können. Noch nie war der Klimaschutz so stark in aller Munde, noch nie setzten sich so viele Menschen dafür ein und gingen auf die Straße. Umso bitterer ist es, dass im selben Zeitraum der Ausbau der Windkraft in Sachsen fast vollständig zum Erliegen gekommen ist.

Ausgerechnet der Freistaat, der sich selbst immer als Energieland verstanden hat, droht bei der Energiewende zu versagen. Zu lange hat vor allem die CDU in der Regierungsverantwortung den Wandel verschleppt - und sich dabei zum Anwalt vor allem der wirtschaftlichen Interessen der Braunkohle gemacht. Darüber hinaus gibt es leider offenbar aber auch in den von der CDU geführten Landratsämtern noch immer Zweifel an der Dringlichkeit, etwas gegen die Erderwärmung zu tun. Wohl nicht ganz zu Unrecht beklagen sich Anlagenbetreiber über eine grundsätzliche Blockadehaltung.

Natürlich kann man Klimapolitik nicht gegen die Überzeugung der Menschen machen, die nicht an den Klimawandel glauben oder ihren Lebensstil beibehalten wollen. Politiker wollen schließlich wiedergewählt werden. Aber sie sind auch dafür da, für notwendige Veränderungen einzutreten. Mit dem Pariser Klimaschutzabkommen hat sich Deutschland zu Maßnahmen verpflichtet, um die selbst auferlegten Klimaschutzziele zu erreichen. Die gelten selbstverständlich auch für die Landes- oder Kommunalpolitik. Ohne die geht es nicht. Dass die Akzeptanz von Ökostrom-Anlagen unter den Sachsen im Bundesvergleich gering ausgeprägt ist, spricht da aber Bände. Die Überzeugungsarbeit ist dort wohl vielfach aus eigener Überzeugung unterlassen worden.

Freilich kann man über die Effizienz von Windrädern trefflich streiten. Natürlich muss der ins Netz einzuspeisende Strom möglichst sekundengenau der Abnahme entsprechen, sonst muss für viel Geld abgeschaltet werden oder es droht ein Blackout. Bloß die Anzahl der Windmühlen zu erhöhen, brächte zudem nichts. Es müssen Standorte mit guten Windverhältnissen sein. Aber da ist in Sachsen objektiv noch ganz viel Luft nach oben. Oder was wäre dazu eine Alternative? Wo soll der Strom denn herkommen, wenn die E-Auto-Welle losrollt, der Atom- oder Kohlestrom aber der Vergangenheit angehört? Und was ist, wenn die Sonne mal nicht scheint oder der Wind mal nicht weht? Ohne erhebliche Speicherkapazitäten wird das nicht aufgehen. Stillgelegte Erzbergwerke wie im Erzgebirge könnten zum Beispiel zu Pumpspeicherwerken umgerüstet werden. Von derartigen Initiativen ist aber leider wenig zu hören.

Auch der Koalitionsvertrag der neuen Regierung lässt trotz der fixierten hohen Ausbauziele bei den Erneuerbaren nicht auf einen Kurswechsel schließen. Denn inkludiert ist eine strenge Abstandsregel für Windräder zur Siedlungsbebauung. Waldflächen werden als künftige Standorte ebenfalls ausgeschlossen. Mit diesen Einschränkungen führt die Regierung ihr eigenes Ökostromausbauziel ad absurdum. Der Klimawandel wartet aber nicht. Die Politik hat bereits einen Großteil ihrer Glaubwürdigkeit verspielt, gerade bei jungen Menschen. Sie sollten in ihrem Kampf für mehr Klimaschutz nicht nachlassen. Die Politik muss offenbar immer wieder mit Nachdruck an ihre Verantwortung für nachfolgende Generationen erinnert werden.

14Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    7
    SzB85
    10.06.2020

    @ Tauchsieder: das habe ich längst gemerkt. Ich schreibe für schweigende Leser, die in längeren Perspektiven denken können, als ihre eigene Lebenszeit. Aber wir sind weit weg von Hauptseite, die farbigen Daumen kommen nicht mehr, und wir können aufhören.

  • 5
    3
    Tauchsieder
    09.06.2020

    Ich glaube sie sind in der falschen Abteilung gelandet "Sz......".
    Wenn einem die Argumente ausgehen kommen meist diffuse Ideen ins Gespräch. Viel Glück auf ihrem weiteren Weg.

  • 4
    7
    SzB85
    09.06.2020

    @Tauchsiedler: irgendwann an irgendeiner Stelle wird eine Opferung gefordert. Es ist nur eine Frage der Zeit. Verwüstung nach antiker Flottenbau im Mittelmeerraum, illegale Migration nach Kolonialismus der Neuzeit, Pest/ Syphilis/ Influenza/ Corona für globales Handel durch die Jahrhunderte. Die wahre Preis für Macht und Lebensstil ist meist für die kommende Generationen zu tragen. Wenn die fossile Energieträger alle oder wahnsinnig teuer werden paar Generationen später, fragt keiner mehr, ob sich die Konzerne oder die Privaten Immobilienbesitzer sich um die erneuerbaten Energie kümmern sollen hätten. Holz hacken, beim Kerzenlicht lesen, mit dem Esel einkaufen gehen und tägliche TBC-Statistiken (statt Corona) auf Kreidetafel lesen, Krieg für die grundsätzlichen Ressourcen (wie heute im ehemals superreichen Nahen Osten) möchte die schweigende Mehrheit von 2020 wahrscheinlich nicht. Die Zeiten können aber noch leider wieder kommen.

  • 10
    2
    Tauchsieder
    09.06.2020

    Genauso ist es "Sz...."!
    Die schweigende Mehrheit interessiert es nämlich nicht aus was, oder woher der Strom kommt. Der kommt für die überwiegende Mehrheit aus der Steckdose. Wie ich hier schon sagte, die paar Hanseln, die Freitags auf die Straße gehen, bilden nicht die Mehrheit der Bevölkerung ab. Sie ziehen wahrscheinlich daraus die falschen Schlüsse.
    Stellen sie sich doch einfach selbst die Frage, warum sollen die Leute ihr Wohnumfeld opfern für irgendwelche Windkraftkonzerne. Die verdienen sich eine goldene Nase und den Schaden, z.B. der Wertverlust einer Immobilie oder eventuelle gesundheitliche Auswirkungen, trägt der Verbraucher.

  • 3
    6
    SzB85
    08.06.2020

    @Tauchsiedler: also weiter die sächsische / importierte Braunkohle verbrennen bis alle ist? Oder nur Strom importieren, die vor einem anderen Haustür im Nachbarland hergestellt wird? Ist es das, was sich die schweigende Mehrheit für Stromquelle wünscht?

  • 3
    3
    Lexisdark
    08.06.2020

    @Hinternfragt Deswegen wird es im Ruhrgebiet auch in einer Zeche in einem geschlossenen Rohrsystem gespeichert. Ob der wirtschaftliche Nutzen so groß ist steht auf einem anderen Blatt. Technisch ist es machbar.

  • 3
    3
    Hinterfragt
    08.06.2020

    P.S.
    Es dürften sich durchaus Parallelen ziehen lassen zum Fracking.

    Seite 28 ist dabei sehr interessant @Lexisdark.
    https://libdoc.fh-zwickau.de/opus4/frontdoor/deliver/index/docId/11094/file/Fracking_Chancen_und_Probleme_eine_kritische_Analyse.pdf

  • 6
    2
    Hinterfragt
    08.06.2020

    @Lexisdark; was wird wohl passieren mit den alten Bergwerksstollen und dem Gelände darüber, wenn dort ständig unterirdisch Druck auf.- und abgebaut werden würde?

  • 3
    2
    klapa
    08.06.2020

    Herr Becker, es wäre interessant zu erfahren, wie die Umrüstung alter Erzbergwerke in Pumpspeicherwerke etwa vonstatten gehen könnte.

  • 8
    3
    Tauchsieder
    08.06.2020

    Ganz einfach "SzB...", die decken sich mehrheitlich nicht mit den Zielen der Bundesregierung. Die paar "Hanseln", die Freitags auf die Straße gehen, sind nicht für den Großteil der Bevölkerung repräsantiv. Nicht der am lautesten schreit hat Recht.

  • 2
    2
    SzB85
    08.06.2020

    Welche Wahrnehmung und Ziele hat "die Bevölkerung" wohl zum Klimaschutz und Energie?

  • 2
    6
    Lexisdark
    08.06.2020

    @13... Dann erläutern Sie doch mal, was da nicht funktionieren soll. Technische und physikalisch. Danke sehr.

  • 9
    4
    Tauchsieder
    08.06.2020

    So ist das "137.....", dass ist eher Wunschdenken eines Autors und entspricht nicht der Realität, sagen wir mal ein "Irrläufer". Zu diesem Vorschlag der Erzbergwerke fällt mir sofort wieder der Baerböcksche - Netzspeicher und das Kobolt ein.
    Die Politik kann sich Ziele setzen noch und nöcher, sie muss dies lediglich der Bevölkerung verklingeln und die haben größtenteils andere Ziele.

  • 7
    5
    1371270
    07.06.2020

    "Stillgelegte Erzbergwerke wie im Erzgebirge könnten zum Beispiel zu Pumpspeicherwerken umgerüstet werden" - ich glaube nicht, dass der Autor viel von Physik und Technik versteht.