Kriegsspiele auf See

Zum Konflikt zwischen den USA und dem Iran

Wäre die Situation im Nahen Osten nicht so ernst, könnte man sich glatt in Sarkasmus flüchten. Nachdem erneut Handelsschiffe im Golf von Oman mutmaßlich angegriffen wurden, ist der Schuldige für die US-Regierung ausgemacht: der Iran. Teheran weist jede Schuld von sich. Bekannte Muster vor einer drohenden militärischen Konfrontation.

Sozusagen als Beweis lässt US-Außenminister Mike Pompeo ein Video in schlechter Bildqualität veröffentlichen, auf dem angeblich ein Boot der iranischen Revolutionsgarden zu sehen ist, dessen Besatzung eine nicht explodierte Haftmine an der Bordwand eines Tankers entfernt. Wenn man sich das Video anschaut, muss man schon viel Fantasie entwickeln, um der US-Interpretation zu folgen. Das angebliche Manöver der Revolutionsgarden fand zudem viele Stunden nach der Tanker-Attacke statt. Zu diesem Zeitpunkt aber waren der US-Zerstörer "USS Bainbridge", eine US-Drone und ein P-8-Überwachungsflugzeug schon seit Stunden vor Ort, wie der Sender CNN berichtete. Haben deren Besatzungen bewusst darauf verzichtet, die Mine zu untersuchen und zu entfernen? Und wie konnte sich das Boot trotz dieser US-Präsenz dem Tanker nähern?

Die Frage ist, ob es je Beweise geben wird. Aber vermutlich kommt es auch nicht mehr darauf an. Die USA sprechen von US-Geheimdienstinformationen, und die Welt hat das zu schlucken. Spätestens jetzt sollte sich jeder halbwegs neutrale Beobachter verwundert die Augen reiben. Das Ganze erinnert fatal an 2003, als der damalige US-Außenminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat den längst beschlossenen Krieg der Bush-Regierung gegen den Irak begründete - mit falschen Beweisen zu Saddams vermeintlichen Massenvernichtungswaffen. Jahre später entschuldigte sich Powell für seine Lüge vor den Augen der Welt. Noch ein Beispiel gefällig? Gern: Am 4. August 1964 - mitten im Kalten Krieg - fuhr der US-Zerstörer Maddox vor der nordvietnamesischen Stadt Haiphong in den Golf von Tonkin - als er angeblich von vietnamesischen Schnellbooten mit Torpedos beschossen wurde. Drei Tage später verabschiedete der US-Kongress die "Tonkin-Resolution", faktisch eine Kriegserklärung an Vietnam. Auch damals hatten die Geheimdienste ihre Finger im Spiel. Historiker sprechen heute von einem Bluff des US-Militärs. Reiht sich der Zwischenfall im Golf von Oman, der wichtigsten Seehandelsstraße der Welt, in diese Reihe der Lügen und Intrigen ein? Nicht nur die USA, auch andere Staaten kennen sich aus mit der gezielten Provokation, um damit Kriege zu legitimieren.

Welches Interesse sollte der Iran haben, den auch für Teheran wichtigen Schifffahrtsweg durch die Straße von Hormus gefährlich zu machen und ihn so zu blockieren? Spricht nicht US-Sicherheitsberater Michael Bolton schon seit Jahren von einem "Regime-Change" im Iran? Könnten nicht auch andere Mächte in der Region ein Interesse an der Provokation haben, um Teheran zu schwächen? Nur die Geheimdienste werden es wohl wissen oder vorgeben, es zu wissen.

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