Mehr Qualität durch weniger Kliniken?

Eine Studie schlägt einen drastischen Abbau von Krankenhäusern vor. Vor allem kleine Standorte in den alten Bundesländern wären betroffen. Die Krankenhausgesellschaft widerspricht den Empfehlungen energisch.

Der Aufschrei war zu erwarten. Es dauerte keine zwei Stunden, bis die Krankenhausgesellschaft den in einer Studie vorgeschlagenen drastischen Abbau von Krankenhäusern heftigst kritisierte. Vielmehr wird darauf verwiesen, dass der flächendeckende Zugang zu medizinischer Versorgung das zentrale Qualitätsmerkmal eines jeden Gesundheitswesens sei. Deutschland habe eines der besten Krankenhausversorgungssysteme der Welt. Gerade Sachsen sei durch die neu geschaffenen Strukturen nach der Wende gut aufgestellt.

Das ist alles richtig - trotzdem wird die Debatte anhalten. Denn der jetzige Vorschlag spitzt nur eine Diskussion zu, die schon lange geführt wird? Wie gut ist die deutsche Krankenhauslandschaft wirklich? Und vor allem - wie zukunftssicher ist sie? Es ist unbestritten, dass sich Deutschland im internationalen Vergleich sehen lassen kann. Das darf aber nicht den Blick auf die tatsächlichen Probleme verstellen, die das Gesundheitssystem seit Jahren vor sich herschiebt. Diese Fragen müssen ergebnisoffen diskutiert werden. Auf keinen Fall dürfen sie als Kritik an der Arbeit all jener missverstanden werden, die tagein, tagaus in den Krankenhäusern ihr Bestes für die Patienten geben.

Die entscheidende Frage ist, wie lange funktioniert das jetzige System noch? Ein System wohlgemerkt, an dem Krankenkassen, Krankenhausbetreiber, Ärzte, Pflegekräfte und Patienten häufig Kritik üben. Ein System aber auch, in dem sich alle Akteure irgendwie eingerichtet haben. Dass es noch keine größeren Verwerfungen gibt, liegt daran, dass in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs auch immer wieder genügend Geld im System ist. Mit diesem werden die Bruchstellen überbrückt, ohne die grundsätzlichen Probleme anzugehen. Genau jetzt ist der Punkt, für jene Zeiten vorzubauen, in denen das System noch ganz anderen Herausforderungen unterworfen sein wird.

Das Argument der möglichst wohnortnahen Versorgung ist natürlich ein starkes, weil griffiges. Es sticht aber dann nicht mehr, wenn Kliniken in ländlichen Regionen keine Ärzte und Pflegekräfte in dem Umfang mehr finden, der für eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung Grundvoraussetzung ist. Viele Krankenhäuser werden in absehbarer Zeit vor dieser Situation stehen.

Ohne bessere Aufgabenverteilung zwischen benachbarten Häusern, ohne eine weitere Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Leistungen und ohne dauerhafte Zuschüsse für Einrichtungen auf dem Lande wird es künftig nicht mehr funktionieren. Wo heute eine Landklinik ums Überleben kämpft, könnte künftig ein stationär-ambulantes Gesundheitszentrum die Alternative sein. Natürlich werden am Ende nicht nur 600 Krankenhäuser in Deutschland übrig bleiben. Und von heute auf morgen ist eine Umstrukturierung eh nicht zu schaffen. Aber die Reformen müssen jetzt angegangen werden. Das ist im Interesse der Mitarbeiter in den Krankenhäusern - und vor allem ist es im Interesse der künftigen Patienten.

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