Ohne Handschrift

Gegen Schweden kann man ausscheiden. Ja. Was nicht geht, danach so überrascht zu tun, als wolle man die eigene euphorische TV-Berichterstattung wieder zurechtrücken. Wer aber die deutschen Fußballfrauen in der Vorrunde relativ neutral beobachtet hat, der kam nicht umhin, Zweifel an einer längeren Turnierteilnahme zu hegen. Strukturierter Spielaufbau, ein schnelles Umschaltspiel, aber auch die nötige Ruhe am Ball - all diese auch im modernen Frauenfußball inzwischen geforderten Qualitäten - waren nur ansatzweise zu sehen. Und zu oft offenbarten die Deutschen Fehlverhalten in der Defensive, die gegen schwächere Gegner noch ohne Folgen blieben. Für die besten vier Teams der Welt reicht das dann jedoch nicht mehr.

Schweden hat der instabilen Mannschaft von Martina Voss-Tecklenburg die Grenzen aufgezeigt. Die Bundestrainerin blieb in Frankreich ebenso nicht fehlerlos. Die Strategie, zu betonen, was es denn für ein riesiges Handicap sei, ohne die verletzte Weltklassespielerin Marozsan auskommen zu müssen, war fragwürdig. Genauso wenig überzeugend, genau genommen wie ein Fremdkörper, wirkte die Spielmacherin nach drei Wochen Pause gegen die Schwedinnen. Hinzu kam, dass die Taktikumstellung, hin zu einer defensiveren Ausrichtung mit Alexandra Popp im Mittelfeld, ins Leere lief. Wenn Popp bei dieser WM eine Stärke in sich trug, dann war es das Kopfballspiel. Die körperlich robuste Stürmerin wäre die einzige gewesen, die den groß gewachsenen Abwehrspielerinnen aus Schweden hätte gefährlich werden können.

So aber schauen die deutschen Fußballfrauen 2020 bei Olympia nur zu. Ein herber Rückschlag für die Entwicklung, die mediale Aufmerksamkeit der Sportart hierzulande. Der DFB muss erkennen: Allein der riesige Quell an Talenten reicht nicht mehr, um ganz oben anzukommen. Irgendwann muss ein Team eine Handschrift haben und so zusammenwachsen, dass es für höhere Ziele gewappnet ist. Im besten Fall fehlte der Bundestrainerin, die seit November im Amt ist, dazu einfach nur die nötige Zeit.

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