Riskante Strategie der IG Metall

Zu Plänen der IG Metall für eine Arbeitszeitverkürzung

Die Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands ist bestens. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, für den rund 7000 Führungskräfte von Unternehmen befragt werden, ist auf einen Rekordwert geklettert. Das lässt den Schluss zu, dass der Konjunkturmotor inzwischen auf hohen Touren läuft. Für Schwung sorgt die lebhafte Industriekonjunktur. Das könnte dazu führen, dass auch die Investitionen noch im Verlauf dieses Jahres anziehen werden. Eine Rezession ist jedenfalls nicht in Sicht.

Die auch in Ostdeutschland gute und stabile Wirtschaftslage bietet für die Gewerkschaften die argumentative Basis, um in den nächsten Monaten entsprechende Lohnzuwächse zu fordern. Die IG Metall traut sich sogar, ein lange in der Schublade verschwundenes Projekt wieder hervorzukramen: die Arbeitszeitverkürzung zur 35-Stunden-Woche. Während die IG Metall den Einstieg in die 35-Stunden-Woche im Westen vor mehr als 30 Jahren als einen ihrer größten Erfolge feierte, sieht der Flächentarif in Ostdeutschland weiterhin eine 38-Stunden-Woche vor. Es ist der letzte größere Kostenvorteil tarifgebundener Ost-Unternehmen gegenüber der westdeutschen Konkurrenz in der Metall- und Elektroindustrie.

Zuletzt hatte die IG Metall im Jahr 2003 den Versuch einer Angleichung der Arbeitszeiten in Ost und West unternommen. Doch die Arbeitgeberseite blieb hart. Nach wochenlangen ergebnislosen Streiks musste die Gewerkschaftsführung genervt aufgeben. Es war eine der spektakulärsten Niederlagen in der Geschichte der IG Metall. Weil damals auch viele Gewerkschaftsmitglieder von dem Streikziel einer kürzeren Arbeitszeit nicht überzeugt waren, trauten sich die Funktionäre der IG Metall lange Zeit nicht, das Thema wieder auf die Tagesordnung von Tarifverhandlungen zu setzen.

Damals - 2003 - war für die geforderte Einführung der 35-Stunden-Woche ein schlechter Zeitpunkt gewählt worden. Die deutsche Wirtschaft zeigte Rezessionstendenzen und die ostdeutschen Unternehmen mussten sich mit einer zunehmenden Standortkonkurrenz aus Mittel- und Osteuropa auseinandersetzen. Eine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich hätte damals die relative Wettbewerbsposition der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie derart verschlechtert, dass sich auch die Politik um den Fortbestand des wirtschaftlichen Aufholprozesses Sorgen machte.

Heute ist die Situation anders. Die Wirtschaft ist auf Wachstumskurs, die Arbeitslosigkeit ist stark zurückgegangen und die Unternehmen beklagen bereits einen Fachkräftemangel. In einer solchen Situation die Arbeitszeit zu verkürzen, ist auch riskant. Die Arbeitgeber werden der IG Metall entgegenhalten, sie würde die Konjunktur abwürgen. Doch das wird die Gewerkschaft nicht abhalten, mit dem Ziel Arbeitszeitverkürzung in die Tarifrunde zu ziehen. Denn die Gewerkschaftsführung kann es sich nicht leisten, die endgültige Angleichung der Tarife auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben.

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