Rückenwind für Extremisten

Zur Festnahme von mutmaßlichen Mitgliedern der Terrorzelle "Revolution Chemnitz".

Am Anfang war ein Messerangriff. Ende August wurde Daniel H. in der Chemnitzer Innenstadt tödlich verletzt. Drei Asylbewerber sind tatverdächtig.

Laut Generalbundesanwalt tun sich gut zwei Wochen später mehrere Männer zusammen und geben ihrer Gruppe den Namen "Revolution Chemnitz". Sie sollen bewaffnete Angriffe auf Ausländer und politisch Andersdenkende geplant haben. Die Rechtsextremisten bemühten sich laut der Ermittler um halbautomatische Schusswaffen. Dass sie es ernst meinten, zeigte sich schon Mitte September als die Gruppe mit Glasflaschen, Quarzhandschuhen und einem Elektroschocker auf der Schlossteichinsel in Chemnitz Ausländer angriff und einen verletzte.

So sieht sie aus, die Antwort derer, die bei den teilweise fremdenfeindlichen und rassistischen Ausschreitungen nach dem Tod von Daniel H. an vorderster Front mitmischten. Hooligans, Skinheads, Neonazis, viele polizeibekannt, zum Teil einschlägig vorbestraft, aggressiv, gewaltbereit. Am Montag nach der Tat versammelten sich Tausende Menschen vor dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz. Das Bild der Veranstaltung prägten Rechtsextreme, mehrfach wurde der Hitlergruß gezeigt. Und wie sich in diesen Tagen immer wieder vor Gericht herausstellt, nicht von vermeintlichen linken Provokateuren.

Doch es waren auch etliche Leute gekommen, die nicht zur rechten Szene gehören. Deshalb gab es anschließend heftige Diskussionen darüber, wer da nun demonstriert hatte. Durfte man die Veranstaltung eine rechte Demonstration nennen? Sind das alles Nazis? Tat man damit nicht jenen Unrecht, die lediglich ihre Trauer, ihre Wut und ihre Angst ausdrücken wollten und dafür eine Gelegenheit suchten?

Diese Debatte ist wichtig. Denn ohne Differenzierung geht es nicht. Nicht in dieser Sache und erst recht nicht, wenn wir über den richtigen Umgang mit Flüchtlingen reden. Nein, es waren nicht nur Rechte, die sich vor dem Marx-Monument versammelten. Und trotzdem ist es falsch, sich hinter Rechtsradikale zu stellen. Man stärkt Menschen, die die Demokratie verachten und Probleme mit Gewalt lösen wollen. Und auch wenn die Gewissheiten in diesen Wochen schwinden: So tickt die Mehrheit der Sachsen nicht. Es wird aber auch höchste Zeit, das deutlich zu zeigen.

Denn die Rechtsextremisten wittern jetzt Morgenluft. Die Probleme mit einem Teil der hier lebenden Migranten spielen ihnen in die Hände. Rechtspopulisten reden Lösungen das Wort, die verlockend einfach scheinen. Die Grenze des Sagbaren hat sich bereits verschoben - und mit ihr jene des Denkbaren. Neonazis fühlen sich bestärkt und ermutigt, reden sich am Ende gar ein, sie handelten im Auftrag des Volkes. Wie tief ihr Hass sitzt und wozu er führen kann, hat der NSU gezeigt. Und wie schnell aus so einer Gesinnung im entsprechenden gesellschaftlichen Klima ganz konkrete Anschlagspläne reifen, sieht man an der sogenannten "Revolution Chemnitz". Diese Menschen wollen nicht die Flüchtlingspolitik korrigieren, sondern das Land mit Gewalt auf den Kopf stellen.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
5Kommentare
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  • 8
    4
    Freigeist14
    02.10.2018

    Es wäre wohl zuviel verlangt , klar von RECHTSEXTREMISTEN zu schreiben ?

  • 8
    12
    Blackadder
    02.10.2018

    @aussaugerges: Was soll die Frage? Der eine Verdächtige sitzt in U-Haft, nach dem anderen wird gefahndet. Das ist allgemein bekannt. was wollen Sie denn noch wissen?

  • 9
    6
    mathausmike
    02.10.2018

    Ein Dank an Sascha Aurich für diesen Artikel!
    Ja,die Rechten versuchen hier die Situation auszunutzen,dass es große Probleme,bei der Flücht-
    lingsfrage gibt.
    Den Charakter der Rechten und deren Ziele,zeigen diese jetzt festgenommenen Rechtsextre-misten.
    Wer dort mitläuft oder bei Pro-Chemnitz-Demos dabei ist,sollte nie vergessen,wo dieses einmal hingeführt hat!
    @ArndtBremen ist auch ein solcher Unverbesserlichen!

  • 8
    3
    Distelblüte
    02.10.2018

    @aussaugerges: Um kurz auf Ihre Frage ohne Fragezeichen einzugehen: das Verfahren und die Ermittlungen dauern noch an. Schnellschüsse funktionieren hier nicht.
    Und ansonsten: lenken Sie nicht von den kürzlichen Entwicklungen in Chemnitz ab. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass es in Chemnitz, in Sachsen ganz allgemein starke rechtsextreme Kräfte gibt. Man kann es sich nicht mehr schönreden, dass das nur einzelne Männer sind. Die Vernetzung scheint hervorragend zu sein, rechte Parteien und Gruppierungen , die Sie aus erster Hand kennen, fungieren als geistige Brandstifter.

  • 5
    15
    aussaugerges
    02.10.2018

    Wie ist denn der Stand um die Täter der Messerstecher,ich denke die Frage ist berechtigt.



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