Sahnetorte unter Generalverdacht

Zu den Transparenz der Lebensmittelkontrollen in Sachsen

Was würden Sie tun, wenn Sie erführen, dass Bäcker A an heißen Tagen wie diesen seine Sahnetorten beim Transport nicht kühlt, Bäcker B aber schon? Ganz klar: Sie würden lieber bei B kaufen. Die Wahl haben Sie aber nicht. Denn ob sich A oder B die Kosten fürs Kühlfahrzeug spart, verraten die Lebensmittelkontrolleure nicht. Genauso wenig erfährt der Kunde, wer Hackfleisch mit Salmonellen verkauft oder verunreinigte Eiswürfel in den Cocktail tut.

Das ist nicht sehr klug. Denn immer, wenn ich nun zum Beispiel vor einer leicht verderblichen Torte stehe, beschleicht mich ein Generalverdacht: Genau diese könnte zwei Stunden in der Sommerhitze unterwegs gewesen sein. Obwohl die allermeisten Betriebe die Vorschriften einhalten, hinterlässt ein anonymer Hygienebericht ein ungutes Gefühl: Wem kann man trauen, wem nicht?

Seit Jahren argumentieren die Behörden, eine Veröffentlichung der Kontrollergebnisse käme einem Pranger gleich. Mit dieser Haltung aber schützen sie diejenigen, die unsauber arbeiten. Und sie muten dem Kunden oder Gast zu, dort einzukaufen oder einzukehren. Zwar gibt es Sanktionen. Doch die haben bislang nicht dazu geführt, dass die Mängelquote sinkt.

Die Initiative von Foodwatch mag forsch sein, mit einem Klick im Internet jedermann die Hygieneergebnisse zukommen zu lassen. Aber sie zwingt die Verantwortlichen endlich, sich mit dem Thema auseinanderszusetzen. Im Ergebnis soll es nicht darum gehen, jede Bagatelle öffentlich auszubreiten. Es müssen Regeln definiert werden, ab wann und wie kommuniziert wird. Statt wie jetzt Dutzende Richter damit zu beschäftigen, ist der Gesetzgeber gefragt, der Bund. Zumindest wenn Gesundheitsgefahr besteht, müssen Verbraucher davon erfahren - und nicht erst ein Jahr später, wenn das Produkt längst verzehrt ist.

Mehr Transparenz hätte noch einen anderen Vorteil, wie das Beispiel Dänemark beweist. Aus Angst, negativ dazustehen, sorgen Betriebe dort von sich aus besser vor. Auch Bäcker A würde sich bei uns ganz schnell um Kühlung kümmern. Weil er wüsste, dass ihm sonst die Kunden wegrennen - zu Bäcker B, der kühlt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...