Schluss mit dem Kükentod

Zur Übergangsfrist für massenhaftes Kükentöten

Allein in Deutschland werden jährlich 45 Millionen männliche Küken vergast. Laut Geflügelwirtschaft wird in Deutschland nicht geschreddert. Geschlüpft, aussortiert und dann vergast - grausam genug. Das Kükentöten soll aufhören. Aber bitte: Wann genau? Im Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Kükentöten ist das Vergasen erst mal weiterhin erlaubt. So lange, bis gut funktionierende alternative Verfahren für die Geschlechtsbestimmung im Hühnerei zur Verfügung stehen. Die Forschung wird seit Jahren mit Millionenaufwand staatlich gefördert, aber weiter als "auf dem Weg zur Serienreife" sind die Methoden noch nicht. Serienreife ist das Zauberwort, mit dem sich, so ist zu befürchten, Politiker und Betriebe weiter Zeit erkaufen für die alte Praxis des millionenfachen Tötens.

Es muss ein konkretes Ausstiegsdatum genannt werden. Das sorgt für Verlässlichkeit und Planungssicherheit, die doch sonst immer von der Wirtschaft und auch vom Verbraucher eingefordert werden. Dabei ist das Thema ja nicht neu. Seit Jahren arbeiten sich daran die Landwirtschaftsminister ab.

Im Grunde ist das Urteil auch ein Teilerfolg für den Tierschutz. Die Richter erklärten, dass die "Belange des Tierschutzes schwerer wiegen als das wirtschaftliche Interesse der Brutbetriebe". Spiegelt sich darin etwa der Beginn eines nachhaltigen Bewusstseinswandels wider? Das Leiden der Hühner in den Massenbetrieben generell wird trotzdem weitergehen. Viele fordern seit Jahren ein Umdenken in der Geflügelwirtschaft. Über einen Umstieg auf das "Zweinutzungshuhn" sollte endlich ernsthaft nachgedacht werden.

Das süße Küken (männlich) ist auch ein Symbol für unser Verhältnis zum Tier. Das massenhafte, unwürdige Töten steht exemplarisch für die Schattenseiten moderner Produktionsbedingungen - natürlich nicht nur in Deutschland. Wer billige und allseits verfügbare Lebensmittel will, der nimmt die Bedingungen in den riesigen Mastbetrieben und Großställen stillschweigend in Kauf. Tiere sind zur bloßen ökonomischen Ressource geworden. Was kein Geld bringt, landet in der Tonne. Es fehlt in unserer beliebigen Wegwerfkultur generell an Wertschätzung für das Leben und für das Nahrungsmittel.

Für all das steht das süße Küken. Aus rein ethischer Sicht macht es übrigens keinen Unterschied, ob das Tier besonders niedlich oder gerade erst geschlüpft ist. Wenn Tiere tatsächlich leidensfähige Geschöpfe sind, dann schulden wir allen ein gutes Leben. Wie lange dieses Leben dauert, ist nicht entscheidend.

Das wird den Verbraucher, der gerne Fleisch isst, auch nicht von seinen Gewissensbissen befreien. Aber es könnte ein Anstoß für ein bewussteres Einkaufen sein. Ja, und wenn das Ei irgendwann beim Einsatz der neuen Technik teurer wird? Ein paar Cent mehr für den Tierschutz sollte uns das wert sein. Stattdessen billigere Eier von ausländischen Betrieben kaufen, die auf die Geschlechterbestimmung im Ei verzichten? Ja, dagegen hilft kein Verbot, aber vielleicht eine neue Wertschätzung für das Leben.

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