Schweres Erbe an Sachsens Schulen

Zu unbesetzten Lehrerstellen

Alles braucht seine Zeit, auch an Sachsens Schulen. Dass ab Montag, wenn nach den Sommerferien die Schule wieder beginnt, landesweit plötzlich überall genügend Lehrer vor den Klassen stehen würden, war von vornherein nicht zu erwarten. Dazu hat Sachsens Landesregierung einfach zu viele Jahre viel zu knapp kalkuliert und sowohl den (absehbaren!) Altersabgängen der Lehrer als auch den (vorliegenden!) Geburtenzahlen zu wenig Beachtung geschenkt.

Dass dieser Fehler den meisten anderen Bundesländern auch unterlief, ist leider gerade alles andere als ein Trost. Der Lehrermarkt ist republikweit schwer umkämpft, vor allem ortsungebundene Lehramtsabsolventen haben in Deutschland die Qual der Wahl. Gut für die jungen Pädagogen, schlecht für vermeintlich unattraktive Orte.

Es ist also alles andere als verwunderlich, dass es Sachsen trotz besserer Bezahlung für Grundschullehrer, trotz der neuen Verbeamtungsmöglichkeiten und trotz veränderter Stundentafel, deren Abdeckung deutlich weniger Lehrer als bisher verlangt, auch zu Beginn des neuen Schuljahres nicht geschafft hat, wie ursprünglich geplant 1100 Stellen zu besetzen.

Lässt sich aus den davon realisierten knapp 920 ein Aufwärtstrend herleiten, weil es vor einem Jahr beim damals ebenso auf 1100 Stellen taxierten Bedarf nur zu 870 besetzten gereicht hatte? Das Plus - verkündet zwei Wochen vor der Wahl - hängt wohl vor allem mit einer größeren Beweglichkeit der Schulverwaltung zusammen, den Bewerbern bei der Wunschregion entgegenzukommen. Schon 2018 hätte ja die Möglichkeit bestanden, deutlich über den jeweiligen regionalen Bedarf hinaus Gymnasial- oder Grundschullehrer einzustellen. Dieses Mal wurden in diesen beiden Schularten zusammen 125 zusätzliche Stellen allein im Bezirk Leipzig besetzt. Die Stadt ist eben auch für Junglehrer sehr attraktiv.

Für den Raum Chemnitz gilt trotz der im Wintersemester 2013/14 wieder aufgenommenen Grundschullehrerausbildung leider das Gegenteil: minus 11 Stellen an Grundschulen, minus 12 an Berufsbildenden Schulen, minus 37 an Förderschulen und minus 65 an Oberschulen. Das hört sich zumindest für dieses Schuljahr nicht reparabel an. Auch Ostsachsen ist mit 61 Leerstellen an Grund- und 30 an Oberschulen nach wie vor Problemzone.

Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer wie den neuen 1000-Euro-Anwärtersonderzuschlag, für den sich die Referendare nach ihrer Ausbildung zum mehrjährigen Unterrichten in einer Bedarfsregion verpflichten müssen. Fast jeder Dritte, der seinen Vorbereitungsdienst nun neu beginnt, hat laut Kultusministerium zugegriffen. Auswirken wird sich das aber erst später. Ob Sachsen so lange in den Ländervergleichen zur Bildung an der Spitze bleibt? Am Platz 1 im "Bildungsmonitor" einer arbeitgebernahen Stiftung sollte sich die Landespolitik nicht zu sehr berauschen: Die Studie basiert zu großen Teilen auf Daten von 2016 und 2017. Sie könnten von der Wirklichkeit längst überholt sein.

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