Trumps zweite Staffel

Zum erneuten Wahlantritt von Donald Trump

Vier Jahre ist es her, dass ein gnadenloser Populist und Selbstdarsteller die goldene Rolltreppe im New Yorker Trump-Tower herunterfuhr. Vor laufenden Kameras warnte er vor chinesischer Wirtschaftskonkurrenz und mexikanischen Vergewaltigern, die das Land angeblich bedrohten. "Der amerikanische Traum ist tot", sagte Donald Trump: "Aber als Präsident werde ich ihn wiederbeleben." Mit derselben Masche bewirbt sich der 73-Jährige nun um den Wiedereinzug ins Weiße Haus. Und seine Anhänger fiebern der zweiten Staffel des Polit-Dramas entgegen.

Von seinen Versprechen hat Trump nur wenig eingelöst: Die Einwanderung aus dem Süden, die er mit einer Mauer stoppen wollte, erreicht gerade Rekordniveau. Der Handelskrieg mit China schadet den amerikanischen Farmern. Im Nahen Osten droht ein Krieg, den der Isolationist unbedingt vermeiden wollte. Die Straßen im Mittleren Westen verkommen, während sich das Infrastrukturpaket als Fata Morgana entpuppt. Und die Steuerreform hat den Unternehmen geholfen, aber die Kluft zwischen Arm und Reich noch weiter geöffnet.

In der nächsten Amtszeit will Trump wenig anders machen. Seine Rede zum Kampagnenstart enthielt jede Menge Selbstlob, aber keine konkreten Ziele. Die Basis des Präsidenten stört das nicht: Die Mehrheit der republikanischen Wähler steht unverdrossen hinter Trump, seine Kritiker im Kongress sind verstummt, und einen ernsthaften parteiinternen Konkurrenten um das höchste Amt im Staat gibt es nicht.

Das mag verwundern. Doch offenbar geht es seinen Anhängern weniger um Inhalte, als um ein Zeichen: Trump ist ihr ausgestreckter Mittelfinger für das System, von dem sie sich ungerecht behandelt und marginalisiert fühlen. Der Milliardär spielt den Rächer der Enterbten und kaschiert seinen Egotrip mit finsteren Ressentiments und konservativen Schlagwörtern als Kulturkampf gegen die Mächte des Bösen. Solange die Wirtschaft gut läuft, scheint das zynische Illusionstheater bei seinen Fans zu verfangen.

Trotzdem haben die Demokraten eine gute Chance, im nächsten Jahr das Ruder herumzureißen. Die Konjunktur in den USA zeigt erste Schleifspuren. Und selbst in den Umfragen liegt der Präsident derzeit hinter den Demokraten. Das sind Momentaufnahmen. Doch noch verfügt Trump über einen Amtsbonus, während Herausforderer wie Joe Biden oder Elizabeth Warren ihre mediale Präsenz erst ausbauen müssen. Gleichwohl strahlt Trump nicht über seine eingeschworene rechte Basis hinaus. Auch die Rede in Orlando zielte nur auf die Kernklientel. Hier liegt die Herausforderung der Demokraten: Sie müssen neben ihren eigenen Anhängern viele Unentschlossene und Wechselwähler mobilisieren. Wenn das anständige Amerika in den kritischen Bundesstaaten massiv zur Wahl geht, kann der Spuk in 17 Monaten vorbei sein. Aber nur dann.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...