Verfolgen und die Ohren lang ziehen

Zum Umgang mit Hasskommentaren

Wollen Sie kontern? Das geht. Noch dazu mit lustigen Bildern, je nach Situation. "Das ist aber ganz schön viel Meinung ... für so wenig Wissen!" meint der stets einfältig-naive, aber nie böswillige Trickfilm-Star "Spongebob-Schwammkopf". Animiert mit dem Maschinengewehr herumballernd, fragt Silvester Stallone alias "Rambo": "Was denn? Ist doch Meinungsfreiheit hier." Und eine heulende Mittvierzigerin jammert: "Alle nennen mich Nazi ... dabei nutze ich nur die gleichen Argumente." Allen, denen durchs Netz brandender Hass die Sprache verschlägt, liefert die Initiative "No-hate-speech" auf ihrer Website Animationen, meist hintersinnig spöttisch, die sich versenden oder in Debatten in sozialen Medien einbinden lassen. Gegenrede hilft, gut gemacht punktet sie auch, besonders wenn Argumente den Pauschalisierungen von Hassrednern pointiert die Luft ablassen können.

Eins ist klar: Strafverfolgung allein kann die Welle von Hass und Rassismus kaum stoppen. Allerdings ist konsequente Verfolgung von Verstößen gegen Strafrechtsnormen des Rechtsstaates eine der wichtigsten Säulen im Kampf gegen Hassrede. Solange die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und solchen Gesetzesverstößen, die Rechtsgüter anderer mit Füßen treten, vielen unklar - oder egal - ist, muss diese Grenze ins Gedächtnis gerufen werden - Prozess um Prozess.

In Nordrhein-Westfalen geht man bei der Verfolgung derzeit neue Wege. Die bestehen nicht allein in der Spezialisierung einer Zentralstelle, sondern auch in einem direkten Draht, der Strafverfolger mit Zeitungen und anderen Medien verbindet. Die Bündelung von Kompetenz ist sicher sinnvoll. Ob es aber zur ursächlichen Aufgabe einer Zeitung gehört, rechtsbrüchige Diskutanten auf ihren Netzplattformen nicht nur zu löschen , sondern gleich anzuzeigen, ist fraglich. Auf den für Journalisten so wichtigen Quellenschutz, der es erlaubt, Informanten - auch gegenüber Strafverfolgern - geheim zu halten, können sich volksverhetzende Netznutzer selbstverständlich nicht berufen. Auch im Netz agieren sie im öffentlichen Raum. Eine Strafanzeige stellen kann jeder Nutzer. Die Grenze, ab der auch ein Journalist zur Strafanzeige legitimiert ist, ist überschritten, wenn er sich selbst Bedrohung, Nötigung oder sonst einem Straftatbestand ausgesetzt sieht.

Es gibt leidgeprüfte Journalisten mit ausländisch klingenden Namen, die noch einen anderen Weg gewählt und damit über Jahre großen Erfolg haben. Sie touren mit sogenannten "Hate-Poetry"-Veranstaltungen durch Deutschland und verlesen Briefe oder Mails, die ihnen persönlich in die Reaktion flattern: Hetze, fäkalsprachliche Beschimpfung, Verleumdung. "Wir schicken den Scheiß zurück in die Umlaufbahn", schrieb der inzwischen durch andere Ereignisse zu Bekanntheit gelangte Mitbegründer der Gruppe, Deniz Yücel, nach einer Lesung vor 350 Besuchern in Dresden. Befreiendes Gelächter statt Beklemmung. Nach dem Motto und frei nach der Komikergruppe Monty Python müsste man dem Autoren der Zeilen: "Tot die Drecks Viecher" somit das Ohr lang ziehen und ihn grammatisch belehren: Wie heißt das richtig? "Tod den Drecksviechern." Das schreibst du jetzt 100-mal!

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    7
    Distelblüte
    01.08.2019

    Eine weiter Buchtipp zu diesem Thema "Gegenrede": " Post von Karlheinz" von Hasnain Kazim. Dem Journalisten aus Oldenburg wird wegen seines Namens öfter mal das Deutsch sein abgesprochen. Er hat sich für eine kreative Gegenrede entschieden und die besten Texte in einem Buch veröffentlicht.



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