Vorrang für die Schiene

Zur ersten Elektro-Autobahn für Lkw

Jeder Autofahrer kennt sie: die schier endlosen Lkw-Schlangen auf der rechten Autobahnspur. Der Güterverkehr auf der Straße nimmt immer mehr zu, der freie Binnenmarkt in der Europäischen Union macht es möglich. Jeder Verbraucher will schließlich stets frische Ware kaufen. Die Industrie nutzt zudem aus Effizienzgründen die Straße, um jedwede Teile und Waren hin und her zu karren. Das hat natürlich Folgen für den Verkehr und für die Umwelt.

Man wird den Eindruck nicht los, dass der Bundesregierung und den einzelnen Fachministerien eine Idee fehlt, wohin denn die Reise bei der Energiewende gehen soll. Von einem Masterplan ganz zu schweigen. Murks statt Wende. Natürlich ist es richtig, wenn im Verkehr auf weniger Treibhausgasemissionen gesetzt wird. Klimaneutral soll der Straßenverkehr der Zukunft sein. Aber wie?

Die bisherige Entwicklung bei der Elektromobilität ist mit den Klimaschutzzielen nicht kompatibel. Dazu bräuchten wir im Jahr 2030 etwa 10 Millionen E-Autos, sagen Umweltexperten. Richtig ist, sich dabei nicht allein auf die Pkw zu konzentrieren. Allein der Güterverkehr hat einen Anteil von etwa einem Drittel an den Treibhausgasemissionen, mit steigender Tendenz.

Am Dienstag wurde nun in Hessen die erste Elektro-Autobahn für den Güterverkehr in Deutschland in Betrieb genommen. Ein E-Highway mit Oberleitungsmasten - im Testbetrieb. Ziel des Projektes ist dem Bundesumweltministerium zufolge, die besten Modelle für einen klimaneutralen Schwerlastverkehr auf der Straße zu finden.

Auch wenn der Test erfolgreich sein sollte: Wie soll der Lkw-Verkehr denn flächendeckend auf diese Weise umgerüstet werden? Die Daimler AG hat schon mal wenig Interesse bekundet, auf ein System zu setzen, das eine gewaltige Infrastruktur benötigen würde - wenn es denn flächendeckend Nutzen bringen soll. Die Schwaben haben stattdessen das Ziel verkündet, 2040 ein emissionsfreier Betrieb zu sein. Der Konzern aber hat sich dafür auf die Entwicklung batteriegetriebener Lkw festgelegt, deren Fertigung deutlich weniger kostet und die an Ladesäulen aufgeladen werden. Das Netz dafür sei leichter zu installieren, heißt es.

Der wichtigste Einwand gegen den E-Highway: Damit würde der Güterverkehr nicht von der Straße weg auf die Schiene verlagert. Das aber wäre wichtig. Den Schienenverkehr besser ausbauen und fördern - das würde schneller für Erfolge sorgen. Und wer will schon eine futuristische Verkehrslandschaft mit Oberleitungsmasten über Kilometer hinweg? Das dürfte bei vielen Bürgern nicht gut ankommen, die sich schon gegen Stromleitungen von Nord nach Süd wehren, als käme mit dem alternativen Strom die Apokalypse vor die Haustür.

Das bundeseigene Schienennetz müsste viel stärker als bisher modernisiert und ausgebaut werden, um Frachtzüge leistungsfähiger und schneller zu machen. Die Güterzüge könnten laut aktueller Studie für den Verband privater Güterbahnen bis 2035 ihre Marktanteile am Frachtverkehr verdoppeln. Das wäre mal ein Beitrag zum Klimaschutz.

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