Wahlsieger ist der Dialog

Dass Sachsens CDU am Ende die AfD doch noch auf Abstand halten konnte, hat drei Gründe. Einer davon sind die Frauen. Hätten nämlich die Männer allein abstimmen dürfen, wäre laut ersten Analysen der Forschungsgruppe Wahlen die AfD klar auf Platz 1 gelandet. So aber kommt Sachsen zwar nachhaltig verändert aus dieser Wahl, aber das blaue Wunder bleibt ihm vorerst erspart.

Der Geschlechter-Unterschied ist deutlich und sagt viel über Auftreten und Inhalte der enorm gestärkten AfD. Während jeder dritte Mann die Partei wählte, erhielt sie grob gerechnet nur von jeder fünften Frau ihre Stimme. Offensichtlich sind deren Vorbehalte größer. Und das, obwohl die AfD vorgibt, mit ihren Vorstellungen in der Migrationspolitik besonders sie schützen zu wollen. Da scheint vielen doch klar, dass damit nicht die ganze Geschichte zum Gesellschaftsbild der blauen Männerriege erzählt ist.

Der zweite Grund heißt Michael Kretschmer. Dessen Lasst-uns-reden-Strategie ist aufgegangen. Das war nicht selbstverständlich und sollte die Zweifler in den eigenen Reihen zunächst einmal zum Schweigen bringen. Generell täte der CDU Demut gut. Denn zu ihrem Ergebnis haben ihr ohne Zweifel auch zahlreiche Anhänger anderer Parteien verholfen, die sich angesichts des zu erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennens mit der AfD geradezu gezwungen sahen, der CDU zur Seite zu springen.

Darin steckt eine Art Vertrauensbonus und zugleich die Erwartung, ein Bündnis in der Mitte zustande zu bringen, also mit SPD und Grünen. Derzeit hat die CDU keine andere sichere Mehrheit, will sie nicht ihre Seele verkaufen. Dennoch wird das eine ungemein schwierige Angelegenheit. Denn die CDU braucht ein funktionierendes Regierungsbündnis mit zwei links von ihr stehenden Parteien und muss zum anderen in den nächsten Jahren so auftreten, dass sie einige von den etwa 80.000 Wählern zurückholt, die sie an die AfD verloren hat.

In ruhigem Fahrwasser ist Sachsen deshalb nicht. Das hat auch seine guten Seiten. So war diese Wahl schon ein Gewinn, noch bevor das Ergebnis feststand. Noch nie seit 1990 ist hierzulande so viel, so intensiv und meistens auch im Ton angemessen vor einer Landtagswahl diskutiert worden. Das hat sich gelohnt und hoffentlich auch Zukunft. Die wiedergefundene Dialogfähigkeit drückt sich auch in der gestiegenen Wahlbeteiligung aus. Daran hat die AfD entscheidenden Anteil. Zum einen gelang es ihr, mehr als 200.000 Nichtwähler zu mobilisieren, zum anderen riss ihr absehbarer Erfolg so manchen Wohnzimmer-Demokraten aus seinen Schönheitsschlaf. Als neue Oppositionsführerin wird sie nun ausreichend Gelegenheit bekommen sich zu profilieren. Was dabei herauskommt, steht noch in den Sternen.

 

Zum Nachlesen: Liveticker zur Landtagswahl

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen

 

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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 14
    3
    OlafF
    02.09.2019

    Wenn man Sie sich wirklich die Zeit nehmen will und die Mühe machen möchten zu verstehen, warum Frauen anders als Männer ticken (auch hinsichtlich der Landtagswahl) sollte man sich Vera F. Birkenbihl zu Rate ziehen. Völlig wissenschaftlich, unpolitisch und mit seriösen Quellen hinterlegt. Die richtige Aufmunterung (auch für die vom Wahlresultat Enttäuschten)... :-)

    https://www.youtube.com/watch?v=PNmumMFx8l4&feature=youtu.be

    Die Kommunikation zwischen Männern und Frauen ist trotz jeglicher Unterschiede möglich, vielleicht gelingt es auch in der Politik.

  • 22
    23
    BertaH
    02.09.2019

    Die AfD schützt keine Frauen. Die AfD sagt offen in ihrem Wahlprogramm, dass sie NUR das traditionelle Rollenbild fördert. Alle anderen werden toleriert, aber nicht gleich gestellt. Im Klartext heißt es also, dass vorallem Alleinerziehende benachteiligt werden. Ebenso lehnt die AfD jegliche Genderforschung ab. All das was eine moderne Gesellschaft ausmacht. Gleichstellungspolitik Fehlanzeige. Die Herren die AfD gewählt haben sollte man also meiden. Diese halten scheinbar recht wenig von Gleichstellung, Respekt und Partnerschaft auf Augenhöhe!!!

  • 13
    25
    Distelblüte
    02.09.2019

    Stimmt, Hinterfragt, ich hatte auch den Bildungsaspekt vergessen; die meisten Stimmen bekam die afd von mittelalten Männern mit Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife.
    Warum auch immer.

  • 15
    8
    Hinterfragt
    02.09.2019

    @Distelblüte; "...dass alte weiße Männer mit ewiggestrigen Denkmustern alles schon richten werden...."

    Irgendwie haben Sie Wahrnehmungsstörungen.
    Schauen Sie sich mal die Altersanalysen der Wähler an, dann sehen Sie wo Ihre "alten weißen Männer" sind...

    https://www.freiepresse.de/nachrichten/sachsen/bei-den-unter-60-jaehrigen-maennern-ist-die-afd-in-sachsen-mit-abstand-staerkste-kraft-artikel10601892

  • 22
    27
    Distelblüte
    01.09.2019

    Hätte Sachsen nicht seit 100 Jahren Frauenwahlrecht, könnte man Sachsen jetzt in die Tonne Klippen. Triggerwarnung: Besser nicht dem Glauben anhängen, dass alte weiße Männer mit ewiggestrigen Denkmustern alles schon richten werden.

  • 35
    32
    Echo1
    01.09.2019

    Als Mann kann ich nur enttäuscht sein,
    dass Sachsen so gewählt haben.
    Frauen sind wahrscheinlich, doch ausgleichende und halten mehr von
    Toleranz. Und Toleranz strahlt diese AfD nicht aus.



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