Warum dieses Rennen so guttut

CDU regelt den Weg zur Nachfolge ihrer Vorsitzenden Angela Merkel

Seit geraumer Zeit verändert sich die politische Landschaft in Deutschland dramatisch - und die beiden größten Parteien sehen staunend zu. Erstarrt in jahrzehntealten Mustern und Hierarchien. Getriebene waren sie. Und sie wirkten weitgehend planlos beim Blick auf die eigene Zukunft. Während die SPD den Punkt schon verpasst haben könnte, mit ausreichender Restkraft ihr Schicksal noch selbst zu bestimmen, ist für die CDU seit Merkels angekündigtem Rückzug wieder alles möglich. Das schließt zwar den weiteren Niedergang ein, aber eben auch die Möglichkeit, wieder zu erstarken.

Der nun bevorstehende Wahlkampf um den Parteivorsitz - denn nichts anderes sind die Regionalkonferenzen, in denen sich die Kandidaten der Basis stellen müssen - ist das Beste, was der Partei passieren kann. Denn dabei wird es Antworten auf die vielen wichtigen Fragen geben, die sich an dieser für die Partei historischen Wegmarke stellen. Zum einen natürlich zu den Kandidaten und ihrer Geschichte, zum anderen zum künftigen Kurs, der sich mit ihnen verbindet.

Ist das Wirken von Friedrich Merz in der Finanzindustrie mit den Werten seiner Partei vereinbar? Ist Annegret Kramp-Karrenbauer nur eine zweite Angela Merkel? Kann Jens Spahn mehr als effektvoll gegen seine Chefin poltern? Wie weit würden die beiden Herren mit ihrer Partei nach rechts rücken? Wo beginnt und endet die Mitte für Kramp-Karrenbauer? Wer da laviert, ist weg vom Fenster. Und wer es nicht versteht, das Publikum für sich einzunehmen, stünde als Parteivorsitzender ohnehin auf verlorenem Posten. Das Hinterzimmer, in dem gerade die großen Parteien vor so wichtigen Zusammenkünften gern die Dinge festzurrten, ist nicht länger der Mittelpunkt aller wesentlichen Entscheidungen. Bis Anfang Dezember sollte ein scharfes Bild der Kandidaten entstehen. Die 1001 Parteitagsdelegierten wollen wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie abstimmen.

Dass es nicht zu einem Mitgliederentscheid über den Parteivorsitz kommen wird, muss kein Nachteil sein, im Gegenteil. Bei den Grünen war vor der vergangenen Bundestagswahl zu erleben, wie Robert Habeck bei der Entscheidung über die Spitzenkandidatur hauchdünn an Cem Özdemir scheiterte. Eine unglückliche Entscheidung. Inzwischen bildet Habeck gemeinsam mit Annalena Baerbock das überaus erfolgreiche Spitzenduo seiner Partei - manche sehen ihn schon als ersten grünen Kanzlerkandidaten. Den Grundstein dafür legte der damals relativ unbekannte Landespolitiker bei der Kandidatentour an der grünen Basis.

Das Rennen um den CDU-Vorsitz wird klare Profile hervorbringen. Und klare Positionen. Dann muss die Basis noch die Chance bekommen, mit den Delegierten zu diskutieren: Will die CDU die Partei bleiben, zu der Merkel sie gemacht hat? Oder wird zurückgebaut? Wie verändert diese Entscheidung auch die politischen Gegner und generell die Machtoptionen? Die Parteienlandschaft bebt. Die Demokratie lebt.

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