Was der E-Scooter ins Rollen bringt

Zur Debatte um die Elektroroller

Einen E-Tretroller werde ich bestimmt mal ausprobieren, mehr aber auch nicht. Ich bleibe dem Fahrrad treu. Und trotzdem bin ich ein Fan der Elektroflitzer. Denn: Selten wurde so viel über die Fortbewegung der Zukunft geredet - und hoffentlich auch nachgedacht - wie während der Diskussion um die Zulassung der E-Scooter.

Andere europäische Länder sind in ihren Bemühungen um moderne Formen der Mobilität längst weiter. In Deutschland musste erst der E-Scooter kommen, um eine ernsthafte Debatte in Gang zu bringen. Die einen haben Angst vor dem neuen Gefährt und sehen vor allem Gefahren, die anderen freuen sich schlicht darauf, kurze Wege statt im stickigen Bus mit einem coolen Roller zurückzulegen. Aber alle reden mit.

Höchste Zeit. Fußgänger und Radfahrer schimpfen schon lange über die Verhältnisse in den Innenstädten, konnten aber gegen die Autolobby nichts ausrichten. Kostenloser Nahverkehr? Als tolle Idee gepriesen, nirgendwo wirklich umgesetzt. Autofreie City? Oft besprochen, nie passiert. Wer nicht das Auto oder den Bus nutzt, hat verdammt wenig Platz und erlebt im schlechtesten Fall auch noch häufig gefährliche Situationen. Warum? Weil der Verkehr vom Auto aus gedacht wird. Vom Stärksten zu den Schwächsten. Und mittenrein quetscht sich jetzt noch der Elektroroller.

Sinnvoller wäre eine umgekehrte Verkehrsplanung: Wo immer asphaltierte Wege von A nach B führen müsste künftig zuerst der Fußweg, dann der Radweg und zuletzt der Platz für die großen, schweren, und in der Regel auch noch stinkenden Blechkisten festgelegt werden. Statt schmaler Streifen, die sich Fußgänger und Radfahrer womöglich auch noch teilen müssen, sollte es klar und sicher getrennte Geh- und Fahrwege geben - damit man beim Trip zur Schule, der Universität oder dem Arbeitsplatz nicht seine Gesundheit riskiert, weder als Fußgänger, noch als E-Biker, Radfahrer oder künftig als E-Rollerfahrer.

Aber was ist mit den Straßen, die schon gebaut sind? Wo die Vorfahrt fürs Auto in Stein gemeißelt scheint? Verkehrspolitiker müssen neue Wege gehen. Parkplätze müssen weichen, um Platz zu schaffen. Aus zwei Spuren muss notfalls eine werden. Und wo beim besten Willen räumlich nichts zu machen ist, hilft nur Tempo 30, um das Risiko für alle Verkehrsteilnehmer zu reduzieren.

Günstiger, zuverlässiger und komfortabler Nahverkehr mit möglichst emissionsfreien Bussen oder Bahnen sind natürlich wichtiger als E-Tretroller an jeder Straßenecke. Bei schönem Wetter, für eine lässige Fahrt ins nächste Café - wunderbar. Aber was nützt das Ding, wenn man mit Koffer am Bahnhof steht?

Bahnhof, ein gutes Stichwort. Jenseits der Innenstädte fängt die Verkehrskrise erst an. Dort, wo auf Autobahnen nichts mehr geht. Und die Bahn keine zuverlässige Alternative ist. Angesichts dieser Baustellen ist der E-Scooter weder ein großes Problem noch eine große Hilfe. Aber: Er ist einer von vielen kleinen Bausteinen für die Mobilität von morgen - und ein Symbol, dass es vorwärtsgeht. Lasst ihn rollen.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    Hankman
    18.05.2019

    @Freigeist: Ich habe auch von einer Statistik aus Stockholm gelesen: Nach fünf Wochen sind dort die Leih-Roller erledigt. Nun gut, als Leih-Geräte werden sie natürlich mehr beansprucht als wenn man sie privat zwei-, dreimal am Tag nutzen würde. Dennoch scheint die Technik bei weitem nicht ausgereift. Geräte, die nach fünf Wochen kaputtgehen, sind natürlich für die Hersteller toll. Man kann immer wieder neue verkaufen - und die Umwelt weiter ruinieren.

    Generell bin ich skeptisch bei Innovationen, um die so ein völlig übertriebener Zirkus gemacht wird. Wer so ein Ding kaufen und fahren möchte - bitte, viel Spaß! Meine ich ganz ehrlich. Aber hört mit der Marktschreierei auf. Das Gehype nervt! Wir werden bald genug Berichte über schlimme Unfälle lesen und über Brände, die beim Aufladen der Akkus dieser Gefährte entstanden sind. Shit happens. Und in ein oder zwei Jahren wird dann wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben, äh, gerollt.

  • 3
    1
    Freigeist14
    18.05.2019

    Ein Mann ,der sich nicht zum Horst machen will ,meidet diesen Roller für Fußlahme . Ein kräftiger Schwung mit dem Bein brachte bisher noch jeden Scooter auf Geschwindigkeit . Umweltfreundlich . Das,was diese E - Spielzeuge keinesfalls sind.In den USA wurde für die Stadt Louisville die Haltbarkeit der Leih-Tretroller ausgewertet : Im Schnitt 29 Tage . Ein Berg von Elektoschrott wird die Folge sein .Selbst robustere , teurere Roller sollen im Verleihgeschäft gerade mal ein Jahr halten . (Wirtschaftsmagazin "Quartz").

  • 7
    1
    Lesemuffel
    17.05.2019

    Eine Schnapsidee von einfallslosen Politikern vor der Wahl. Da konnten schon für normale Fahrräder kaum Radwege gebaut werden aber nun gibt's plötzlich wegen des E-Scooter einen Hype. Warum bleibt man nicht mal auf dem Teppich und treibt nicht laufend wegen des Klimawandels eine neu Sau durch das Dorf?

  • 8
    1
    wolleditt
    17.05.2019

    Ein schönes Spielzeug mehr auch nicht. Im ländlichen Raum des Erzgebirge versuche ich mir vorzustellen von Schönfeld nach Annaberg zu fahren über die B-95. Abenteuer Urlaub pur , es ist schon gewagt mit einen Fahrrad die Strecke zu meistern. Das andere sind fehlende Radwege in der Tourismus Region Erzgebirge, und für mich das größte Minus der Antrieb. Kraftwerke abschalten und dann alles auf Elektro Antrieb um zustellen, einfach nur am Thema vorbei. Umweltschutz sieht anders aus, hier wird in die falsche Richtung gedrängt. Allein die Produktion der Akkus ist die größte Umweltsünde des 21. Jahrhunderts!!(dwol)



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