Was uns gute Pflege wert sein sollte

Laut Bundesregierung sind 36.000 Stellen in der Pflege unbesetzt

Die gute Nachricht ist bekannt: Wir werden immer älter und bleiben oft auch länger gesund. Doch wenn die Kräfte nachlassen oder doch Krankheiten dazukommen, ist man schnell auf Hilfe angewiesen. Nicht erst in den kommenden Jahren wird es immer mehr Pflegebedürftige geben, die von immer weniger Pflegekräften versorgt werden müssen. Sachsen weist mit Rheinland-Pfalz bundesweit schon heute den größten Mangel an Fachkräften in der Altenpflege auf. Ein trauriger Rekord. Die Frage, wie eine gute Betreuung im Krankenhaus, aber vor allem im Pflegeheim gewährleistet und finanziert werden soll, wird nicht nur drängender, sie ist längst akut.

Mit den Pflegestärkungsgesetzen gab es durchaus Verbesserungen, zum Beispiel für Menschen mit Demenz oder mehr Hilfen für pflegende Angehörige. Auch die Pflegebedürftigkeit wurde neu definiert und die Ausbildung reformiert. Trotzdem: Der große Wurf, mit dem die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft in Zukunft bewältigt werden können, ist nicht gelungen.

Im Schnitt arbeiten examinierte Pflegekräfte - egal ob im Krankenhaus oder in der Altenpflege - nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz nur 13 Jahre in ihrem Beruf. Viele hören auf, weil sie an ihre körperlichen und seelischen Grenzen stoßen. Als Gründe werden dafür vor allem familienunfreundliche Schichtdienste genannt, personell ausgedünnte Nachtdienste, sehr viele Überstunden sowie aufwendige Dokumentationspflichten. Für menschliche Zuwendung und Wärme, wie Gespräche oder auch mal eine kleine Zärtlichkeit, bleibt keine Zeit. Die Arbeitsdichte ist hoch, die Verantwortung nicht minder, nur die Bezahlung fällt - zum Beispiel im Vergleich zu technischen Berufen - viel zu niedrig aus.

Doch die Zurückhaltung, einen Pflegeberuf zu ergreifen, hat nicht nur mit den geringen Gehältern und der hohen Arbeitsbelastung zu tun, sondern vor allem auch mit der fehlenden Wertschätzung für das, was Pflegekräfte täglich leisten müssen - physisch und psychisch. Besonders der Beruf des Altenpflegers leidet unter einem schlechten Image - und das völlig zu Unrecht! Den hohen gesellschaftlichen Wert dieser Leistung zu erkennen und anzuerkennen, kann nicht verordnet werden. Den muss jeder selbst sehen.

Doch die grundsätzliche Frage lautet doch: Was ist uns Pflege finanziell wert? Es sollte Einigkeit darüber herrschen, dass unsere Eltern und Großeltern - und später auch wir selbst - den Lebensabend menschenwürdig und ordentlich versorgt verbringen können. Dass diese gute Leistung nicht zum Nulltarif zu haben ist, ist nicht neu. Es darf also nicht drumherum geredet werden, dass die Pflegeversicherung deutlich mehr Geld braucht und daher die Beiträge weiter steigen müssen. Schätzungen zufolge sind vorerst rund drei Milliarden Euro zusätzlich nötig, um ordentliche Löhne zu zahlen und überfällige Investitionen vorzunehmen. Um das zu finanzieren, müssten Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils rund sechs Euro im Monat mehr berappen. Das ist nicht wenig, sollte uns eine gute Pflege aber wert sein.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Remlig
    26.04.2018

    Danke Frau Kloppenburg, Ihrem Kommentar kann ich uneingeschränkt zustimmen.
    Dass ausgerechnet in Sachsen die meisten Altenpfleger fehlen, kommt nicht von ungefähr und wundert mich nicht, denn das ist hausgemacht und wird demzufolge in naher Zukunft nicht so ohne weiteres reparabel sein. Zu lange wurde hier zum einen alles "totgespart", und andererseits wurden Steuergelder in Größenordnungen zum Fenster rausgeworfen, statt sie sinnvoll dort einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Denn nicht zuletzt hat - und besonders auch im öffentlichen Dienst - eine ordentliche Entlohnung etwas mit Wertschätzung und Menschenwürde zu tun.

    All diese Menschen, egal welchen Geschlechts, welcher Herkunft oder Glaubensrichtung, werden so vor den Kopf gestoßen, obwohl jeder weiß, dass ohne sie gar nichts geht. Der Mensch ist nun mal die wichtigste Arbeitskraft - denn die Technik kann zwar viel, aber nicht nachempfinden, was ein Mensch fühlt; kann demzufolge auch keine Wärme und Geborgenheit geben, die wir ausnahmslos alle so dringend brauchen.



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