Wenn das Virus nur ein Wolf wäre

Zur Corona-Epidemie und dem Krisenmanagement.

Das war gut. Verantwortungsvoll. Sachsen hat zwar mit drei Chemnitzer Skifahrern drei weitere Corona-Fälle. Aber die drei haben gezeigt, wie man es richtig macht. Zurück aus Südtirol, einem offiziellen Risikogebiet, sind sie zunächst zuhause geblieben. Es war ihnen ganz offenbar nicht zu blöd, vorsichtig zu sein. Was manchem noch schwerfällt, weil das Virus dummerweise nicht so grimmig guckt wie der Wolf und es von ihm auch keine Videos gibt. So ist der Mensch. Was er nicht sieht, das verdrängt er gern. Umso besser das Verhalten der drei Skifahrer.

Besonnenheit statt Panik. Vorsicht statt Ignoranz. Das hilft in diesen Tagen. Es ist angesichts des neuartigen Coronavirus nicht die Zeit für Helden. Jedenfalls nicht für solche, die durch ihre Unbekümmertheit zu glänzen glauben. Es ist vielmehr eine gute Zeit, um Verantwortung zu zeigen, statt allen beweisen zu müssen, dass einem persönlich so ein Virus nicht ernsthaft etwas anhaben kann. Für die Mehrheit stimmt das zum Glück. Das legen zumindest die Zahlen nahe, die über die Epidemie bislang vorliegen. Sie zeigen aber auch, welche konkrete Verantwortung der Einzelne für die hat, mit denen er zusammenlebt. In der Familie. Auf Arbeit. In diesem Land. Auf dieser Welt. Denn das Virus verbreitet sich extrem leicht und schnell. Und der Oma, dem gerade vom Krebs geheilten Nachbarn, ihnen allen fällt der Kampf gegen das Virus schwer. Mitunter zu schwer.

In China sind 20 von 100 Erkrankten schwer erkrankt, 5 von 100 lebensbedrohlich. Wenn dieses Virus innerhalb kurzer Zeit große Teile der Bevölkerung befällt, ist das selbst für die guten Gesundheitssysteme dieser Welt schlicht zu viel. So große Reserven kann niemand vorhalten. Schon gar nicht in der gewohnten Qualität.

Deshalb darf man nun in Italien nur noch arbeiten gehen und zwingend Notwendiges erledigen, ansonsten soll man zu Hause bleiben, rollt kein Fußball mehr, sind die Skilifte aus, ist Schluss mit lustig in einem Land, das uns mit seiner Lebenslust so oft begeistert. Italien zeigt aber auch, dass sich eine freiheitliche Demokratie mit solchen Festlegungen schwertut, weil sie nicht in einer solch drakonischen Art und Weise umgesetzt werden können, wie es China tat und damit Erfolg hatte.

Länder wie Italien und Deutschland, wir hier in Sachsen brauchen auch in dieser Situation Menschen, die sich selbst verantwortlich fühlen. Menschen, die nicht in Verschwörungstheorien wie einst im Zorn der Götter die Erklärung finden, für das, was ihnen passiert. Menschen, die stattdessen aus freier Entscheidung ihr Leben ein Stück weit ändern, sich selbst einschränken, wenn es notwendig ist, anstatt sich zum Beispiel mit 40.000 anderen in ein Stadion zu setzen.

Der Mensch hat sich entwickelt, weil nicht mehr alle alles machten, sondern er sich entsprechend seiner Fähigkeiten die Arbeit teilte. Das macht noch heute die Kompetenz des Schusters genauso aus wie die des Virologen. Die Wissenschaftler etwa des deutschen Robert-Koch-Instituts und der Weltgesundheitsorganisation haben den wahrscheinlichen Verlauf der Epidemie recht früh vorhergesagt. Das Virus wird die Welt erobern. Die Frage ist nur, wie schnell. Davon wiederum hängt ab, wie groß die Schäden sind. Deshalb ist es nicht die schlechteste Idee, ihren Ratschlägen zu folgen. Besser weiß es derzeit keiner.


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10Kommentare
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    ralf66
    11.03.2020

    @saxon1965, noch etwas zum Thema, dass sich Hygiene-Artikel, Desinfektionsmittel, Mundschutz u.s.w. wegen der Bevorratungskäufe, ich nenne es nicht Hamsterkäufe drastisch verteuern und unwirkliches Geld kosten, dass liegt doch an den Gierhälsen die diese Produkte auf einmal so teuer vertreiben an niemanden anders, könnte man übrigens unterbinden wenn man das will. Was ist in solch einer Situation an Bevorratungskäufen schlecht, man brauch dadurch nicht ständig einkaufen zu gehen, geht somit großen Menschenansammlungen aus dem Weg und schützt sich dadurch nicht so schnell mit Corona in Kontakt zu kommen, ganz einfaches Ding und dazu gehört auch Toilettenpapier.

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    ralf66
    11.03.2020

    @saxon1965, machen sie sich doch einmal die Mühe Influenza und Corona wirklich zu vergleichen, es wird ein Unterschied werden. Influenza ist durch Impfung eindämmbar auch wenn sich viele nicht impfen lassen profitieren sie von denen die geimpft sind, die Ausbreitung ist geringer. 80.000 Influenza-Infizierte in ganz Deutschland, dass ist ca. die Einwohneranzahl der Stadt Dessau-Roßlau an der Elbe, 130 Todesfälle wäre Kleindorfgröße. Deutschland hat ca. 80 Millionen Einwohner, bei dem Corona-Virus rechnet man damit, dass sich 60-70% der Bevölkerung Deutschlands anstecken werden oder könnten, die Krankheitsverläufe von Corona-Patienten sind jetzt als leicht im Verlauf anzusehen, weil es zur Zeit eher mehr jüngere Menschen unter 60 Jahren betrifft, steigen die Infizierten an und erreichen sie ein Ausmaß von 60-70% der Bevölkerung, werden auch die schwer verlaufenden Erkrankungen durch den Corona-Virus sich erhöhen, weil viele alte Menschen und welche mit Vorerkrankungen (Risikogruppe) auch erkranken werden, hier werden leider dann die Todesfälle wahrscheinlich auch ansteigen. Corona und dessen Eindämmung durch Impfung, da hat man noch nichts, dauert wahrscheinlich auch noch ein Jahr, Medikamente könnten früher werden, die Hoffnung ab dem Frühling soll die ganze Sache bisschen abebben ist auch weg, man spricht von einer kontinuierlichen Ausbreitung und von einer stärkeren Ausbreitung ab Herbst 2020, dass sind keine guten Aussichten.
    Nimmt man einmal Italien her, der Merkur schreibt heute über 10.000 Infizierte und 631 Todesfälle ich glaube daran kann man sehen das Corona und Influenza nicht verglichen werden sollten.
    Bei allem was ich von den Virologen bis jetzt gehört und gelesen habe, sollte keine Panik gemacht werden, dass ist aber auch schon alles, wir werden uns für eine Zeit stark einschränken müssen, so dass die weitere Verbreitung aufhört so lange kein Impfstoff da ist, dazu gehört, dass der touristische Reiseverkehr eingestellt werden müsste, Geschäftsreisen können dank Web-Cam und Internet auch unterbleiben. Sehen Sie sich doch mal die Länder der Welt an wo nicht so viel Reiseverkehr stattfindet, dort ist die Ausbreitung viel viel geringer wie hier in Europa und Deutschland.

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    saxon1965
    11.03.2020

    @ ralf66: Das mag ja alles stimmen, aber ich muss immer wieder die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen. CORONA : Influenza
    https://www.news.de/panorama/855827839/grippewelle-2020-in-deutschland-symptome-impfung-risikogebiete-knapp-80-000-kranke-und-130-tote-durch-influenza/1/
    Da wird über Urlauber aus Südtirol diskutiert und als Hunderttausende ohne Gesundheitsprüfung einreisten... ja ja, dass ist jetzt wieder RECHTS! Dabei geht es mir nur darum, dass mal darüber nachgedacht wird, ob es wirklich Not tut, dass man einen solchen Eingriff in das gesellschaftliche Leben und die Wirtschaft macht.
    Gesichtsmasken, die bisher 10 Euro kamen, kosten jetzt über das Doppelte, wenn es welche gibt und Toilettenpapier ist Mangelware? Das ist krank!

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    Interessierte
    11.03.2020

    Der würde abgeschossen !

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    ralf66
    11.03.2020

    Der Kommentar gefällt mir sehr gut und spiegelt richtig wieder, mit dem Corona-Virus umzugehen, er zeigt auch tatsächliche Probleme auf.
    Ja die drei Chemnitzer Skifahrer haben sich wenigstens nach dem sie aus einem ausgewiesenen Krisengebiet kamen richtig verhalten, ganz richtig wäre gewesen nicht nach Südtirol zu fahren. Wenn man so in Gesprächen auf das Corona-Virus kommt und hört was manche so dazu denken, muss ich sagen, kann man schon berechtigt Bedenken haben, dass sich das Virus nicht so stark ausbreitet, es gibt einfach Menschen die sich daraus einen Witz machen, die lesen wahrscheinlich keine Zeitung, schauen sich keinen Bericht im Fernsehn an oder gar einmal in Ruhe eine Pressekonferenz mit Virologen und dem Gesundheitsminister, interessiert die gar nicht. Meine Ansicht dazu ist auf alle Fälle keine Panik verbreiten aber einmal besser darauf achten was man tut, dass geht los mit dem regelmäßigen ordentlichen Händewaschen, ich bin auch dafür und das hat meiner Ansicht nach nichts mit Hamsterkäufen zu tun, sich einen Nahrungsmittelvorrat anzulegen, der bei stärkerer Ausbreitung des Virus es erlaubt weniger einkaufen gehen zu müssen und so größere Menschenansammlungen vermieden werden können, vom Dorffest an bis hoch zu Messen, zum Konzert, dass hat meiner Meinung nach bei noch stärkerer Ausbreitung des Virus eindeutig zu unterbleiben, die Feste können nachgeholt werden oder müssen halt mal ausfallen, Profitdenken sollte in dem Fall der Vernunft weichen, Urlaubsfahrten gar nicht oder nur in nicht stark betroffene Gebiete durchführen. Weitere nützliche Ratschläge kann man dazu im Netz nachlesen, werden in Presse und Fernsehn gezeigt, jeder kann und sollte sich damit beschäftigen!
    Was mir von der Politik her nicht richtig gefällt, dass ist das der Reiseverkehr in Krisengebiete nicht eindeutig verboten wird und wurde, auch die Einreise ohne Gesundheitsnachweis geht nicht mehr, zumindest Bahn- und Flugreisende sind hier gut zu erfassen, es müssen Grenzkontrollen ähnlich der Vorgehensweise wie es die Tschechen tun eingeführt werden, die messen an großen Grenz-Übergängen stichpunktartig die Temperatur der Einreisenden, dass hilft auch nicht 100% aber mindert die völlig unkontrollierte Ausbreitung des Virus. Gesundheitsnachweise Einreisender wären da die bessere Variante, die könnten dann auch besser kontrolliert werden, einfach so ein Aufkleberchen wie bei den Vignetten wäre machbar, bei Bahn- und Flugreisenden die tragen das Ding am Mann.

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    saxon1965
    11.03.2020

    @ Hankmann, was sie beschreiben liegt vielleicht daran, dass selbst verantwortliche Minister "nur" Empfehlungen aussprechen, damit sie ja nicht "über des Ziel hinaus schießen".
    Dennoch sind sich nicht alle Einig, auch nicht alle Wissenschaftler.
    Fest steht für mich jedoch, dass diese ganze CORONA-Hysterie in keinem Verhältnis steht, betrachtet man die alljährliche Influenza und deren Auswirkungen.

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    harzruessler1911
    11.03.2020

    Ich denke ebenfalls , dass die Verunsicherung steigt, was an dem widersprüchlichen öffentlichen Umgang, mit dem möglichen Ausmaß für Deutschland durch unsere Politiker liegt.
    So richtig weiß man nicht mehr was man nun glauben soll, besonders seit das erste europäische Land sozusagen eine Vollquarantäne verhängt hat.

    Die letzten beiden Tage, bekommt man es deutlich zu spüren:
    - wollten einen Termin zur Kontrolle beim HNO machen, man landete allerdings nur bei einer Daueransage betreffend zum Corona Virus ( ok versuchen es heute noch einmal)

    - gestern früh Krankengymnastik - bekam als erstes einen A4 Bogen vorgelegt, welchen ich unterschreiben musste und vorher unterschreiben musste mit Beantwortung der Fragen , ob ich an einschlägigen Symptomen leide und wenn diese aufgrund einer Reise ins Krisengebiet vorliegen könnten oder eine anderweitige Diagnose vorliegt, was bei mir der Fall ist

    -anschließend einkaufen , da war es 08:30 Lidl und DM, was bei mir ein Dejavu hervorrief --Toilettenpapier völlig ausverkauft--, ein anderer Kunde war darüber mächtig ungehalten, am späten Nachmittag immer noch das gleiche Bild in den Geschäften

    - aufgrund einer Speiseröhrenentzündung ( für Dritte absolut gefahrenlos) , habe ich nat. immer wieder Hustenanfälle, man bekommt ja schon Angst in der Öffentlichkeit zu Husten , da man so manchen merkwürdigen Blicken ausgesetzt ist und die Leute einen deutlich meiden, da diese ja nicht wissen, was die Ursache ist , besonders als gestern Nachmittag auch bei uns der erste Fall bekannt gegeben wurde. Die Verunsicherung war deutlich zu spüren und man fühlt sich fast in Erklärungsnot.

    Nach wie vor werde ich nicht verstehen, warum man den Solidarzuschlag abschaffen will, anstatt diesem seiner Bedeutung wieder einen Sinn zu geben u. entsprechend beizubehalten, also in einen Katastrophenzuschlag umwandelt.
    Als wir dies damals bei der großen Flut vorschlugen ( und sicher hatten andere auch den Gedanken) , wurde dies ablehnend begründet, da es aus irgendwelchen gesetzlichen Gründen nicht möglich wäre . 2013 dachten wir in erster Linie an Umweltkatastrophen, nach aktueller Lage sollte man medizinische nat. auch berücksichtigen.

    So würde es für die Bürger im Geldbeutel nichts ändern. Allerdings habe ich die Befürchtung, das der Politik die konkrete Zuweisung aufstößt, so dass man mit dem Soli nicht mehr machen kann was man will, da man ja unter Solidarität alles verkaufen kann.

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    Lisa13
    11.03.2020

    Alles gut geschrieben ..leider weiß das Gesundheitsamt in Freiberg nicht wie es mit Ski Urlaubern aus Südtirol umzugehen hat.
    Es wäre doch an der Zeit ,klaren Richtlinien an alle Verantwortlichen stellen zu gehen . Kann es sein , das eine Urlauberin ..zum Arbeiten mit Publikumsverkehr aufgefordert wird ...ich glaube nicht

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    Hankman
    10.03.2020

    Dem kann man nur zustimmen. Aber der Kommentar beschreibt auch das Problem. Im Moment klappt das in Deutschland noch mit ganz viel Freiwilligkeit und Vernunft. Aber wir sehen auch schon die Grenzen - etwa wenn man an die Hamsterkäufe denkt, in deren Folge es schwierig wurde, elementare Dinge wie Schutzmasken und Desinfektionsmittel für das medizinische Personal zu beschaffen. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, wird Freiwilligkeit wohl nicht reichen. Dann sind teils drastische Schritte nötig, wie das regelrechte Verbot aller möglichen Veranstaltungen. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie das in unserem föderalen System mit seinen breit verteilten Befugnissen gelingen soll. Derzeit gibt es schon groteske Verhältnisse: Die DEL bricht die Saison ab, Fußball dagegen wird weiter gespielt, teils in leeren, teils in vollen Stadien. In dem einen Bundesland fallen alle größeren Konzerte und Vorstellungen aus, im anderen sieht man kein Problem. Wie gesagt, im Moment mag das alles noch angehen. Man kann nur hoffen, dass die Epidemie hierzulande moderat verläuft.

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    KTreppil
    10.03.2020

    Zu diesem Kommentar gibt es nicht viel hinzu zu fügen oder kommentieren. Realistisch und gut geschrieben. Jedoch möchte ich etwas noch anführen. Die Verunsicherung ist auch so groß weil man noch immer nicht so wirklich weiß, wurde nun zuerst (erste Statements von Herrn Spahn) untertrieben oder wird nun übertrieben? Wäre vielleicht gleich realistischer darüber gesprochen worden, wäre das Verhalten der Bevölkerung von Anfang an anders gewesen. Was wäre wenn...