Zeitumstellung - So lassen, wie es ist

Minister der EU-Staaten suchen nach einer Lösung für die Zeitumstellung. Deutschland dringt vor Abschaffung auf eine Folgenabschätzung. Die EU-Kommission lehnt allerdings weitere Untersuchungen ab.

Die Uhrenumstellung ist ein Ärgernis. Das gilt für die heutige, zweimal jährliche Dreherei an den Zeitmessern ebenso wie für die bisherige Diskussion um eine Abschaffung. Ja, der Vorschlag war populär und schien geradezu ideal, um Volksnähe und ein Ernstnehmen der Bürger zu demonstrieren. Doch die konkrete Durchführung blieb bisher mangelhaft. Die Schuld dafür liegt ausnahmsweise mal nicht bei den Verantwortlichen der EU-Mitgliedsstaaten. Die Europäische Kommission hat ihre koordinierende Aufgabe nicht wahrgenommen, in der Hoffnung, dass es sinnvoller sei, dies den Ländern zu überlassen. Ein Irrtum.

Jetzt sollen sich die Vertreter der 28 Regierungen darauf einigen, in welcher Zeit ihre Bürger künftig leben. Das klingt nicht nur willkürlich, das ist es auch. Weil es genau genommen außer persönlichem Befinden nach dem Motto "Eine dauerhafte Sommerzeit klingt irgendwie cool" keine stichhaltigen Argumente gibt. Wie hat man sich denn bitte diese Politik vorgestellt? Wie soll ein Regierungschef seinem Volk erklären, dass er eigentlich die winterliche Normalzeit haben wollte, aber mit Rücksicht auf die Nachbarn nun seinem Land die ewige Sommerzeit verordnen muss? Das Thema trägt den Keim des Streits in sich. Von der Idee, den Bürgern etwas Gutes zu tun, ist nichts mehr übriggeblieben.

So kann es denn auch nicht verwundern, wenn die Verantwortlichen in den Mitgliedsstaaten fast schon händeringend nach Kriterien für ihre Entscheidung suchen. Der Bundeswirtschaftsminister dringt auf eine Folgenabschätzung, die EU-Kommission lehnt das ab. Warum? Oder ahnt man, dass auch eine solche Untersuchung nichts an der Tatsache ändern wird, dass es im Falle einer ständigen Sommerzeit abends länger hell, aber auch morgens länger dunkel ist - im Winter sehr viel länger. Im anderen Fall ist es umgekehrt. Weitere Studien gibt es reichlich. Sie belegen, was die Auftraggeber bestätigt haben wollten. Objektive Anhaltspunkte sind bestenfalls schwer zu finden. In dieser Situation lohnt sich tatsächlich ein unvoreingenommener Blick auf die gegenwärtige Lösung: Eine große Zeitzone mit 16 Staaten sowie zwei kleinere haben sich durchgesetzt. Ja, es gibt Probleme in den Tagen nach dem Vor- und Zurückstellen der Uhren. Aber die Menschen, von denen nicht wenige im Urlaub weitaus größere Zeitunterschiede und Jetlags überstehen, schaffen dies in der Regel innerhalb weniger Tage. Vielleicht ist die gegenwärtige Lösung doch nicht so schlecht?

Die Lust an einer dauerhaften Korrektur ist der EU ohnehin schon lange verloren gegangen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich dieses Thema eben nicht als Wahlkampfhit entpuppte, weil sich die Bürger viel politischer und bewusster bei der Abstimmung über das nächste Parlament gezeigt haben, als mancher in Brüssel vermutete. Defizite beim Klimaschutz, Lücken beim sozialen Europa, mangelnde Solidarität untereinander und mit Opfern von Krieg und Vertreibung - das sind die Fragen, auf die die Wähler Antworten haben wollen.

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