Mit 40 den zehnten Titel im Visier

Valentino Rossi geht am Wochenende in seine 24. Saison in der Motorrad-WM. Der Altmeister aus Italien hält immer noch mit den jüngeren Rivalen mit. Doch reicht das auch für den angestrebten Coup?

Chemnitz.

Zu seinem 40. Geburtstag legte Valentino Rossi ein Geständnis ab: Er ist süchtig danach, auf ein WM-Motorrad zu steigen und sich mit den besten Piloten der Welt zu messen. "Vielleicht ist es ein bisschen wie eine Droge. Es gefällt dir, und alles andere gibt dir nicht dasselbe", sagte der Italiener in einem Interview der "Gazzetta dello Sport". "Wenn ich jetzt daran denke, zu Hause zu bleiben, dann würde ich mich nicht gut fühlen. Ich bin noch nicht bereit dafür, aufzuhören und den Ruhestand zu genießen."

Sein Landsmann kann ihn verstehen. "Valentino liebt Motorräder, die MotoGP, die ganze Atmosphäre", sagte Giacomo Agostini, 76 Jahre alter Rekordweltmeister zur langen Karriere Rossis. "Da ist es schwierig zu sagen: Jetzt mache ich Schluss. Ich habe drei Tage geweint, nachdem ich die Karriere beendet hatte."

Am Sonntag, wenn für die Königsklasse in Katar zum ersten Mal in diesem Jahr die rote Ampel aufleuchtet und dann wieder erlischt, kann Rossi seinem "Laster" frönen. Doch der neunfache Weltmeister will nicht nur mitfahren. Er will unbedingt um den Titel kämpfen: "Es ist ein Traum, an den ich noch fest glaube. Ich bedauere sehr, dass ich noch nicht zehn Weltmeisterschaften geholt habe", meint der Altmeister. "Zwei WM-Titel habe ich im letzten Rennen verloren, und ich war auch sehr oft Vizeweltmeister - also hätte sich meine Karriere den zehnten verdient. Auch deshalb probiere ich es weiter." Sechsmal lag er am Ende des Jahres auf Platz zwei.

Aber wie realistisch ist der zehnte Titel? Seine letzte Weltmeisterschaft feierte Rossi 2009. Einige Konkurrenten in der MotoGP-Klasse schliefen zu diesem Zeitpunkt in ihren Kinderzimmern. Königsklassenneuling Fabio Quartararo beispielsweise war neun Jahre alt. Der Franzose war noch nicht geboren, als sich Rossi 1997 zum ersten Mal die Weltmeisterkrone aufsetzte. Rossi wirkt im Fahrerfeld mit seinem spitzbübischen Grinsen nicht wie der Greis unter den jungen Wilden. Auf dem Motorrad macht das Alter zwangsläufig einen Unterschied.

Im Rennen hält er dank seiner Erfahrung, seines Gefühls für das Motorrad und des noch immer ausgeprägten Instinkts für die Situation mit. Wenn es aber darauf ankommt, in einer Runde die schnellste Zeit in den Asphalt zu brennen, hat er Nachteile. Das wurde auch bei den Testfahrten vor dieser Saison deutlich. Maverick Viñales, 16 Jahre jüngererer Teamkollege beim Yamaha-Werksteam, war stets schneller. Doch die guten Zeiten des Spaniers dürften dem Italiener Mut machen. Denn der japanische Rennstall scheint wieder in der Lage zu sein, vorn mitzufahren. Nach der Saison 2015, als sich Rossi im letzten Rennen seinem damaligen Teamkollegen Jorge Lorenzo im WM-Kampf geschlagen geben musste, ging es für die Japaner bergab. In der vergangenen Saison reichte es für das renommierte Werksteam gerade für einen einzigen Grand-Prix-Sieg.

Als Viñales in Australien ganz oben auf dem Podest stand, war dem Honda-Piloten Marc Marquez die WM-Krone schon nicht mehr zu nehmen. Der Spanier fuhr 2018 problemlos zu seinem siebten Titel und untermauerte seine Dominanz. Seit er 2013 als MotoGP-Rookie Weltmeister wurde, beendete er anschließend vier von fünf Jahren als Champion. Auch 2019 führt der Titel über den 26-Jährigen. Das weiß auch Rossi. Immer wieder gerieten der Altmeister und sein Thronfolger in der Vergangenheit aneinander: Rossi gegen Marquez - das ist die Rivalität, die in der Motorradwelt für die mit Abstand meisten Schlagzeilen sorgt.

Es ist aber nicht der erste brisante Zweikampf in der 23-jährigen WM-Karriere Rossis. "Ich habe vor kurzem versucht, sie zu zählen, und ich kam auf sechs Topgegner: Biaggi, Gibernau, Capirossi, Stoner, Lorenzo und Marquez", erklärte Rossi. "Lauda und Hunt wurden mit nur einem Rivalen zum Mythos, ich hatte sechs." Egal was diese Saison passiert, den Status als Legende des Motorsports kann dem "Dottore" aus Tavulia niemand mehr nehmen.

Wie er sich seine nächsten 40 Jahre vorstellt? "Im Moment will ich weiter Rennen fahren, einige Jahre mit dem Motorrad und dann mit Rennwagen. Danach möchte ich Vater werden, eine Familie haben", antwortet Rossi. Sein Vertrag mit Yamaha läuft noch bis zum Ende der Saison 2020. Wie es danach weitergeht, ist offen. Rossis Vater Graziano, in den 1970er- und 1980er-Jahren selbst WM-Pilot, sieht eine Verbindung zwischen der Zukunft seines Sohnes und dessen Startnummer: "Er kann bis 46 weitermachen."

Zufriedenheit am Sachsenring 

Neue Regeln gibt es für das Qualifikationstraining der Moto2- und Moto3-Klassen. Anders als bisher ist die Einheit in zwei Einheiten (Q1 und Q2) unterteilt. Wer in Q1 um die vordersten Plätze fahren darf, hängt von den Zeiten in den Freien Trainings des Wochenendes ab. Das Format ähnelt also dem der Königsklasse.

Der Fernsehsender hat sich für die deutschen Motorradfans geändert. Hatte in den vergangenen Jahren Eurosport die WM übertragen, ist es ab dieser Saison Servus TV. Der Sender ist über Kabel und Satellit frei empfangbar.

70.000 Tickets sind bereits für den Deutschland-Grand-Prix am Sachsenring verkauft. "Wir sind damit bisher sehr zufrieden. Die ersten Tribünen sind bereits ausverkauft", teilte ein ADAC-Sprecher auf Anfrage mit. Der ADAC Deutschland und der ADAC Sachsen veranstalten den deutschen WM-Lauf dieses Jahr erstmals gemeinsam. Bei den Vorbereitungen liege man im Plan. Aktuell kümmere man sich unter anderem um das Rahmenprogramm von der Party in der Karthalle bis zum Ankerberg.

Tickets für den Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring gibt es in allen "Freie-Presse"-Shops in Ihrer Nähe.

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