Mitarbeiter der Autoindustrie sind wieder zuversichtlicher

Der Wandel zur E-Mobilität sorgt immer mehr für Aufbruchstimmung. Die Zulieferer bleiben allerdings skeptisch.

Chemnitz.

Beschäftigte der Automobilindustrie in Sachsen, Berlin und Brandenburg haben mehr Vertrauen in den Wandel zur E-Mobilität als noch vor Jahresfrist. Das geht aus einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung in Zusammenarbeit mit der IG Metall hervor. Im Zeitraum von Oktober 2018 bis Mai 2019 wurden dafür 72 Experten aus 23 Betrieben mit rund 33.600 Mitarbeitern zu ihren beruflichen Perspektiven befragt. "Die Stimmung hat sich deutlich verbessert", sagte IG Metall-Bezirkssekretär Christoph Hahn. Während zu Beginn trotz wirtschaftlich relativ guter Lage noch eine eher pessimistische Stimmung herrschte, habe zum Ende der Untersuchungen die Zuversicht in den Wechsel zur E-Mobilität zugenommen. In Westsachsen herrschte am Ende der Untersuchung sogar Aufbruchstimmung, stellten die Studienautoren fest. Aus dem Zweckoptimismus 'Das muss gutgehen, Plan B gibt es nicht!' habe sich ein 'Das wird gutgehen!' entwickelt.

Bei den Autobauern gingen rund 70 Prozent der Befragten von einer weiterhin stabilen Beschäftigung bis 2022 aus, bei den Zulieferern nur etwa 30 Prozent. Damit unterscheiden sich die Mitarbeiter in ihrer Einschätzung vom Bundesdurchschnitt, der die Beschäftigungslage deutlich negativer einschätzt.

Als Grund für die unterschiedliche Bewertung sehen die Studienautoren die Investitions- und Beschäftigungszusagen der Autoproduzenten. So stellt Volkswagen sein Zwickauer Werk mit Investitionen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro vollständig von der Verbrennungstechnik auf E-Mobilität um. Bis 2029 gibt der Konzern eine Beschäftigungsgarantie. Als erstes Auto einer neuen Generation wird ab November der ID.3 produziert. Dafür gibt es bereits 30.000 Vorbestellungen. Weitere Elektroautos der Konzerntöchter Skoda und Audi sollen folgen. Mit 14.000 Beschäftigten ist Zwickau der größte Automobilstandort in Sachsen. Dort sind in den vergangenen Jahren auch die meisten Jobs entstanden. Porsche investiert mehr als 600 Millionen Euro in den Ausbau seines Werks in Leipzig. Auf den bestehenden Fertigungslinien sollen künftig neben Benzin- und Hybrid-Modellen auch vollelektrische Fahrzeuge produziert werden.

Im Gegensatz zu den Autobauern hadern die Zulieferer jedoch noch mit der Zukunft. Durch die Umstellung sind sie gezwungen, sich neu auszurichten. Insgesamt weniger Arbeitsvolumen, aber ganz andere Kompetenzen sind für den Bau von Elektroantrieben im Vergleich zu Verbrennungsmotoren nötig. Continental etwa schwenkt von mechanisch-hydraulischer Technik zu Elektronik und Sensorik um. Jobabbau bis hin zu möglichen betriebsbedingten Kündigungen könnten folgen. Wie es unter anderem für das Werk in Limbach-Oberfrohna weitergeht, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Arbeitnehmern Lösungen zu finden", sagte eine Sprecherin.

Sachsen gehört mit fünf Fahrzeug- und Motorenwerken sowie rund 780 Zulieferern mit insgesamt 95.000 Mitarbeitern zu den wichtigsten deutschen Standorten im Kraftfahrzeugbau. In Berlin und Brandenburg sind 22.000 Menschen beschäftigt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
3Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    0
    Zeitungss
    15.09.2019

    Wir können eben nur noch AUTO, schon vergessen ? ? ? Monokultur ist wie aus der Landwirtschaft bekannt, t ö d l i c h ! So mancher Eigentümer bei den Zulieferern wird wissen was auf sie zukommt.

  • 1
    0
    Zeitungss
    14.09.2019

    In dieser Ausgabe schreibt man von Absatzrückgang, kann für die Beteiligten nur zuversichtlich sein. Wirklich Brauchbares, zumindest aus Mosel, ist in nächster Zeit nicht zu erwarten, auch wenn man es herbeibetet.

  • 2
    1
    cn3boj00
    11.09.2019

    Lese ich das jetzt richtig? Man hat in einem halben Jahr 72 Menschen befragt und leitet daraus jetzt irgendwas ab? Zu dem Ergebnis wär ich auch mit der Glaskugel gekommen.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...