184 Ausbildungsstellen im Landkreis nicht besetzt

Die Arbeitsagentur sieht Probleme unter anderem im Maschinenbau, Verkauf und Gastgewerbe. Parallel dazu steigt die Anzahl ausländischer Bewerber.

Flöha/Freiberg.

Die Anzahl der Bewerber für einen Ausbildungsplatz im Landkreis Mittelsachsen ist im vergangenen Ausbildungsjahr 2017/18 um 25 Jugendliche gestiegen. Wie Jens Burow von der Arbeitsagentur Freiberg am Dienstag erklärte, hatten sich vom 1. Oktober 2017 bis zum 30. September 2018 insgesamt 1823 Bewerber für eine Lehrstelle im Landkreis bei der Agentur gemeldet. Zugleich hätten 1672 Ausbildungsstellen zur Verfügung gestanden, so der Geschäftsführer Operativ weiter. Das seien sieben Ausbildungsstellen weniger als im Vorjahr gewesen.

"Auch wenn es auf den ersten Blick mehr Bewerber als Lehrstellen auf dem mittelsächsischen Ausbildungsmarkt gibt, bestehen für die Schülerinnen und Schüler sehr gute Ausbildungsmarktchancen in der Region", erklärte Burow zu den Zahlen. Insgesamt seien am Ende des Ausbildungsjahres 184 Lehrstellen unbesetzt geblieben. Das seien 30 mehr als im Vorjahr. Probleme bei der Besetzung ihrer Stellen hätten vor allem Arbeitgeber aus den Bereichen Maschinenbau, Energietechnik und Verkauf, aber auch die Gas-tronomie und Lagerwirtschaft.

Laut Burow haben 57 der gemeldeten Bewerber keinen Ausbildungsvertrag erhalten. Das seien neun mehr als im Jahr zuvor. Den Betroffenen würden zielgerichtet Ausbildungsstellen und Beratung angeboten. Neben Defiziten bei den schulischen Leistungen, der Mobilität und den sozialen Kompetenzen sei auch die Diskrepanz zwischen Berufswunsch der Jugendlichen und Bedarf der Wirtschaft ein Grund für unbesetzte Stellen.

So stünden in der Liste der Wunschberufe ganz oben Verkäufer/in mit 121 Bewerbungen und Kfz-Mechatroniker für Pkw-Technik mit 94 Bewerbungen. Demgegenüber habe es in Mittelsachsen aber nur 85beziehungsweise 62 Lehrstellen gegeben. Deutlich besser seien die Chancen beispielsweise für eine Ausbildung zum Industriemechaniker (30 Bewerber/49 Lehrstellen), Kaufleute im Einzelhandel (86/102) und Mechatroniker (28/47).

Bei der Berufswahl spielten auch die Eltern der Jugendlichen eine große Rolle, sagte Andrea Tippmer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz. Die IHK-Referentin für Aus- und Weiterbildung plädierte dafür, Elternabende in Betrieben vor Ort abzuhalten. Wichtig sei, auch den Müttern und Vätern die Chancen in den Berufen aufzuzeigen, die ihnen unbekannt sind.

Ende September 2018 waren laut mittelsächsischer Arbeitsagentur 52Flüchtlinge und Asylsuchende als Bewerber für eine Lehrstelle registriert, das seien 16 mehr als ein Jahr zuvor. 27 Bewerber hätten inzwischen eine Ausbildung begonnen. Für 18 der jungen Leute mit Migrationshintergrund seien Alternativen wie eine Einstiegsqualifizierung und berufsvorbereitende Maßnahmen gefunden worden, sieben seien bislang noch unversorgt.

Wie Berufsberaterin Angela Müller sagte, haben fünf geflüchtete Menschen im vergangenen Ausbildungsjahr einen Hauptschulabschluss an der Berufsschule an der Turnerstraße gemacht: "Das A und O sind gute Sprachkenntnisse."

Thomas Härtig vom Frauensteiner Hotel "Goldener Stern" hat einen jungen Georgier als Kochlehrling eingestellt. "Wir hatten schon vor der Wende Vietnamesen bei uns im Haus und haben dabei gute Erfahrungen gemacht", berichtete der Hotelier aus der Zeit als Betriebsferienheim. Zugleich kritisierte Härtig, dass Ausländer im Gegensatz zu Deutschen keine Ausbildungsbeihilfe erhielten: "Die jungen Leute brauchen eine Wohnung im Ort - sie kommen nicht mehr weg, wenn Feierabend ist."

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