Agrarbetrieb schafft Milchkühe ab

Bockendorf und andere Mittelsachsen geben auf

Bockendorf.

Maximilian von Oer, Chef der Agrargenossenschaft Bockendorf (AG), gibt die Milchproduktion auf. Damit steht er im Landkreis nicht alleine da. "Uns ist klar, dass wir mit einer Tradition brechen", sagt er. Doch: "Es sind zu viele harte Fakten, die uns dazu zwingen", erklärt er. Einer sei: Der Milchmarkt gebe den Preis vor. Und der liege derzeit bei 30,5 Cent pro Liter. "Seit Februar hat sich der Preis nicht bewegt", sagt Oer. Als er Anfang 2017 den Betrieb übernommen hatte, sei der Milchpreis am Steigen gewesen und habe im Herbst 2017 bei etwa 38 Cent gelegen. "Anfang 2018 ist er innerhalb von zwei Monaten um 20Prozent gesunken", so Oer. Das habe ihm jeden Monat einen Umsatzverlust im fünfstelligen Bereich beschert. "Wir haben versucht, uns gesund zu schrumpfen, Ställe umgebaut und einen Melkstand geschlossen", berichtet er. Die ursprünglich 380Kühe seien auf 300 abgebaut worden.

Ein weiterer Grund sei der Fachkräftemangel: Einige der anfänglich 22 Arbeitskräfte seien in den Ruhestand gegangen. "Wir haben versucht, das durch ausländische Mitarbeiter auszugleichen", sagt Oer. Da diese aber über Zeitarbeitsfirmen vermittelt würden, sei das nur eine kurzfristige Lösung. Sie könnten die erfahrenen Mitarbeiter, die sich auch mit dem Betrieb identifizieren, nicht auf Dauer ersetzen. Mit der langen Trockenheit habe die Aufgabe der Milchproduktion in seinem Betrieb jedoch nichts zu tun. "Obwohl wir jetzt auch Probleme bekommen würden, da die halbe Futterernte fehlt", sagt Oer.

Laut Gunther Zschommler, Vorstandsmitglied im Sächsischen Landesbauernverband, hätten 2017 zwei Betriebe mit insgesamt 800 Kühen im Raum Döbeln die Milchproduktion eingestellt, im Raum Mittweida waren es neben Bockendorf drei weitere Betriebe mit insgesamt 550 Kühen in den vergangenen Jahren. Auch in der Freiberger Region schaffe dieses Jahr ein Betrieb seine 200 Kühe ab. Doch dieses Thema ist für viele Landwirtschaftsunternehmen scheinbar tabu. "Freie Presse" fragte bei einigen nach den Gründen, öffentlich äußern wollte sich niemand. Zschommler rechnet damit, dass noch mehr Betriebe ihren Kuhbestand zumindest reduzieren.

Maximilan von Oer wird einen Teil der Milchkühe auf den Schlachthof bringen, einen Teil als Zuchtkühe verkaufen. Von den sechs festangestellten Mitarbeitern in der Milchproduktion bleibt einer. Zwei gehen in den Ruhestand und die anderen vermittelt er in Nachbarbetriebe. Sein Betrieb konzentriere sich nun auf Ackerbau. (ug)

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