Alleinkämpferin gegen Bündnis-Chef

Bei der Bürgermeisterwahl in Niederwiesa wird die Zugehörigkeit zu einer Fraktion wohl eine große Rolle spielen. Beim Forum der "Freien Presse" wurde deutlich, dass die zwei Kandidaten bei diesem Thema unterschiedlicher Meinung sind.

Niederwiesa.

Nicht wenige im Publikum haben die klaren Aussagen von Niederwiesas Bürgermeisterin Ilona Meier während des Wahlforums der "Freien Presse" am vergangenen Dienstag überrascht. Die Rathauschefin hatte dort auf eine Leserfrage bezüglich der Fraktionszugehörigkeit geantwortet, dass sie sich vor fünf Jahren bewusst dafür entschieden habe, aus der Bürgerinitiative (BI) Niederwiesa auszutreten. "Ich bin der Meinung, dass eine Bürgermeisterin unabhängig sein muss und sich bei ihren Entscheidungen keinem Fraktionszwang unterwerfen darf", sagte sie. "Das mag zwar ein politischer Fehler sein, weil ich jetzt allein auf weiter Flur bin, aber ich stehe zu dieser Entscheidung."

Meier habe sich in den ersten zwei Jahren ihrer Amtszeit, als sie noch zur BI gehörte, vor jeder Gemeinderatssitzung mit den anderen Mitgliedern des Bürgerbündnisses absprechen müssen, sagte sie. Genau diese Aussage sorgte bei einigen Zuhörern, besonders bei Mitgliedern der BI, für Verwunderung. "Von Absprachen in den vergangenen Jahren wissen wir nichts", sagt auch Raik Schubert zwei Tage nach dem Forum. Der einzige Gegenkandidat um den Bürgermeisterposten bei der Wahl am 3. November ist 2009 gemeinsam mit Ilona Meier in die BI eingetreten. "Wir waren damals gemeinsam im Sportverein", sagt er. "Ilona hat mich mitgenommen, damit wir uns für den Ort engagieren."Mittlerweile ist Schubert Vorsitzender der Bürgerinitiative und hat eine ganz andere Meinung zur Fraktionszugehörigkeit als seine Kontrahentin: "Ich denke, dass die Debatten der vergangenen Jahre im Gemeinderat nicht derart hitzig gewesen wären, wenn Ilona Meier nicht aus der BI ausgetreten wäre. Ich habe ihr damals schon gesagt, dass ich das für einen Fehler halte."


Schubert begründet seine Haltung damit, dass er sich von den anderen Mitgliedern des Bürgerbündnisses Ratschläge holen kann, schließlich könne niemand auf allen Gebieten Fachmann sein. "Ich muss mich keinesfalls vor allen Gemeinderatssitzungen mit den anderen BI-Leuten beraten. Aber ich möchte das. Und falls ich am 3. November gewählt werde, bleibt das auch so." Der 49-Jährige ist der Auffassung, dass sich so Alleingänge und größere Debatten während der Sitzungen vermeiden lassen. "Die BI ist nun einmal die stärkste Fraktion im Gemeinderat und ich gehöre ihr an - warum sollte ich mich also nicht mit meinen Mitstreitern auf eine Linie einigen?"

Im Gemeinderat sitzen aktuell sieben Mitglieder der Bürgerinitiative Niederwiesa. Zweitstärkste Fraktion ist die Bürgergemeinschaft Lichtenwalde-Braunsdorf mit vier Mitgliedern, jeweils einen Sitz haben die CDU (Angela Bartsch), die Grünen (Sebastian Walter), die AfD (Hans-Jürgen Schubert) und die Interessengemeinschaft Niederwiesa (Frank Buschbeck). In den vergangenen Monaten waren die Sitzungen des Gremiums von vielen Streitigkeiten geprägt. Beide Kandidaten betonten während des Leserforums, dass sie im Falle ihrer Wahl für mehr Einigkeit sorgen wollen.


Das sind die Antworten der zwei Bürgermeister-Kandidaten bei der Ja-Nein-Fragerunde während des Wahlforums

Ich bin Frühaufsteher.

Ilona Meier: nein

Raik Schubert: ja

Ich mag den Schlagersänger Rudy Giovannini.

Ilona Meier: ja

Raik Schubert: nein

Ich finde die Bewegung Fridays for Future gut.

Ilona Meier: nein

Raik Schubert: nein

Ich werde in spätestens zehn Jahren ein Elektroauto fahren.

Ilona Meier: ja

Raik Schubert: ja

Ich brauche in Niederwiesa kein Auto - ich komme mit Bus und Bahn überall hin, wo ich hinwill.

Ilona Meier: nein

Raik Schubert: nein

Ich bin für Tempo 130 auf deutschen Autobahnen.

Ilona Meier: nein

Raik Schubert: nein

Ich bin schon mal in der Ortslage Niederwiesa geblitzt worden.

Ilona Meier: ja

Raik Schubert: nein

Eine Kenia-Koalition mit CDU, SPD und den Grünen wäre die beste Lösung für die sächsische Regierung.

Ilona Meier: nein

Raik Schubert: ja

30 Jahre nach der Wende ist alles so, wie ich es damals erwartete.

Ilona Meier: nein

Raik Schubert: nein

Ich bin für eine Frauenquote in Führungspositionen.

Ilona Meier: nein

Raik Schubert: nein

Ich mag die Verwaltungsstruktur Landkreis Mittelsachsen.

Ilona MeierRaik Schubert

nein ja

Die Klimaerwärmung ist vom Menschen gemacht.

Ilona Meier: nein

Raik Schubert: ja

Im Sinne des Energiesparens und des Klimaschutzes stören mich auch ein paar Windräder in der Landschaft nicht.

Ilona Meier: nein

Raik Schubert: ja

Wenn wir zwei uns begegnen, ist im Grunde alles so wie früher, als wir "nur" Kollegen im Niederwiesaer Sportverein waren.

Ilona Meier: jein

Raik Schubert: ja

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