Alte Schule: Halten oder abgeben?

Was wird aus dem traditionsreichen Gebäude an der Borstendorfer Straße? Diese Frage beschäftigt Gemeinderäte und Bürger in Eppendorf.

Eppendorf.

Die Zukunft der "Alte Schule" in Eppendorf bewegt die Gemüter der Bürger. Dabei steht das imposante Bauwerk nicht nur deshalb im Fokus, weil es das Ortszentrum prägt. Vielmehr haben sich im Gebäude Generationen das Rüstzeug für ihr Leben geholt: Da blieben viele Erinnerungen hängen.

Allerdings steht es um die Bausubstanz nicht zum Besten. Dennoch ist das Erdgeschoss gewerblich vermietet, die erste Etage nutzen Vereine und Interessengruppen sowie die Bibliothek. Die übrigen Räume stehen seit langer Zeit leer. "Die notwendige Instandhaltung kann durch die derzeitigen Einnahmen nicht gedeckt werden", sagt Bürgermeister Axel Röthling (SPD).

Der Gemeinderat will nun am Dienstag über einen möglichen Verkauf debattieren. Die im Gebäude beheimateten Vereine könnten in den ehemaligen Bahnhof umziehen, der in den vergangenen Monaten für mehr als 800.000Euro zum Vereins- und Dorfgemeinschaftshaus umgebaut wurde. Zudem könnte das ehemalige "Polyzet" genutzt werden, in dem zu DDR-Zeiten der polytechnische Unterricht stattfand.

"Meinen Informationen nach soll zur Gemeinderatssitzung der Vorschlag gemacht werden, das Gebäude in das Vermögen der Stadtbau- und Wohnungsverwaltungsgesellschaft Oederan einzubringen, an der die Gemeinde Eppendorf beteiligt ist", sagt CDU-Gemeinderat Daniel Lindner. "Einen solchen Beschluss könnten jedoch einige Gemeinderäte nicht mittragen", fügt er hinzu. Zudem habe er von Bürgern erfahren, dass sie sich eine Sanierung und weitere Nutzung durch die Gemeinde wünschen.

In den Augen von Lindners Fraktionskollegen Thomas Richter ist das Haus mit seinem zentralen Standort im Zentrum quasi das Tafelsilber der Kommune. Es einfach schnell zu beräumen und für wenige Prozente in die SWG einzubringen, könne nicht die Lösung sein, warnt er. "Zum Beispiel gehören Ganztagsangebote und Freizeitmaßnahmen für Kinder nicht in abgelegene Gebäude wie das Polyzet abgeschoben, sondern sollten in einem zentral und verkehrsgünstig gemeindeeigenes Haus, wie der Alten Schule, stattfinden", betont Richter.

Daniel Lindner zählt weitere Fakten auf, die für einen Verbleib im Anlagevermögen der Gemeinde sprechen. "Wir werden in Zukunft Platz an einem zentralen Ort benötigen. Unser sanierungsbedürftiges Rathaus, das nicht barrierefrei ist und Platzprobleme in der Schule sind nur zwei Probleme von vielen, die gelöst werden müssen. Ich erhoffe mir dabei eine öffentliche Diskussion und keine Besprechung in nichtöffentlichen Sitzungen des Hauptausschusses", unterstreicht der Kommunalpolitiker.

Nach den Worten von Bürgermeister Axel Röthling ist das Einbringen in die SWG aber nur eine Möglichkeit. Vielmehr soll der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss über die Zukunft des Hauses fassen, damit die Verwaltung eine Handlungsgrundlage bekomme. "Wenn wir die Immobilie behalten wollen, müssen wir auch klären, wie das Haus künftig genutzt, erhalten und finanziert werden soll", sagt das Gemeindeoberhaupt. Röthling verweist auf die von einem externen Büro angefertigte Haushaltpotenzialanalyse. Darin wird empfohlen, sich eher von Immobilien zu trennen, statt sie umzubauen.

Dass es einen möglichen Umbau nicht zum Nulltarif gibt, ist auch Lindner klar. "Wir sollten dafür endlich einen konkreten Plan schmieden und die Gewährung von Fördermitteln prüfen. Der Freistaat hat derzeit viele Programme aufgelegt", meint der Gemeinderat.

In einer früheren Sitzung wurde zudem das Konzept vorgestellt, im Gebäude barrierefreie und altersgerechte Eigentumswohnungen einzubauen. Dieses Projekt hat der Gemeinderat aber nicht weiter vorangetrieben.

Sitzung des Gemeinderates Eppendorf: Öffentlich, am Dienstag, 10. März, 19.30Uhr, im Anbau Heiner-Müller-Schule Eppendorf, Großwaltersdorfer Straße.


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