"Amazonenkrieger" liebt das Provozieren

Stefan Jaroschinski taucht plötzlich auf, lässt sich fotografieren und verschwindet wieder. Denn der Frankenberger stellt sich gerne zur Schau -und das bundesweit. Europaweit gefragt ist eine ganz andere Seite von ihm.

Flöha/Frankenberg.

Er tut es immer wieder und hat Spaß an den Reaktionen der Leute. In seiner eigenwilligen Aufmachung läuft er in Penig Richtung Markt. Passanten posten das Foto bei Facebook. Wenig später wird er in Lunzenau gesichtet, auch auf Burgen oder in Dresden vor dem "Fürstenzug"-Wandbild. Auf dem Rochlitzer Markt ist ihm die Aufmerksamkeit der Leute ebenfalls sicher. Ein Mann im Auto hupt und reißt den Daumen hoch. Eine ältere Dame mit Fahrrad hält an, geht auf ihn zu und ist verblüfft: "Ich dachte, Sie sind ein Denkmal. Darf ich Sie fotografieren?"

Stefan Jaroschinski freut sich, bringt sich bereitwillig in Pose. Er mag es, fotografiert zu werden. "Das ist eine typische Reaktion, die ich von Leuten bekomme. Manche fragen mich auch, ob ich eine Wette verloren habe oder ob ich schwul bin. Aber das bin ich nicht." Stefan Jaroschinski, der sein Alter nicht verraten möchte, ist Kunsthandwerker. Er verbindet das, was er am besten kann, mit seiner Leidenschaft, sich darzustellen und zu provozieren. "Es ist der Reiz, etwas zu machen, das Grenzen überschreitet."


Was er bei seinen außergewöhnlichen Spaziergängen zur Schau stellt, ist größtenteils selbst gefertigt: ein etruskischer Helm aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, ein Glockenpanzer griechischen Typs, ein Bronzeschwert, das er nach einem Originalfund aus der Hallstattzeit gefertigt hat. Der Rock, der genügend Platz für Blicke auf sein Hinterteil lässt, sei samnitischen Ursprungs. Die Hose als String entstamme einer Statue der Itrusker. Zudem trägt er ein rotes Oberteil aus Lackleder. Hohe rote Lackstiefel zu tragen, mache ihm besonderen Spaß. "Die habe ich mal für 30 Euro im Internet gekauft." Die Strumpfhose verleiht ihm eine feminine Form - der "Amazonenkrieger", wie er sich nennt, ist perfekt.

Die andere Seite des Stefan Jaroschinski, die mit seiner Firma Noricum Replikate und seiner Werkstatt in Flöha zu tun hat, ist weniger extrovertiert. Bei seinen Spaziergängen kommt er eher weiblich rüber, seine Hände aber ähneln denen eines Schmieds. Denn der gebürtige Oberbayer, der 2014 vom Chiemsee nach Augustusburg zog und mittlerweile im Frankenberger Ortsteil Dittersbach wohnt, fertigt archäologische Nachbauten. Unter seinen geschickten Händen entstehen Helme, Brustpanzer, Schmuckgegenstände und vieles mehr aus der Bronzezeit, der Zeit der Kelten, Griechen, Etrusker, Römer und Germanen. "Ich bin kein Künstler, sondern baue nur Sachen nach, die die Leute vor2000 bis 4000Jahren gefertigt haben", sagt er bescheiden. Auf Vorrat habe er so gut wie nichts, "ich arbeite nach Auftrag." Seine Kunden sind vorwiegend Museen in ganz Europa. "Aktuell fertige ich eine ,Camyx' - das ist eine Kriegstrompete der Kelten - für ein Freilichtmuseum in Großbritannien."

Das Handwerkliche habe ihm schon immer Spaß gemacht, erzählt er. Im Betrieb seines Vaters lernte er Orthopädiemechaniker. Das Metalltreiben, Drehen und Nieten mit verschiedenen Materialien liege ihm. Die Liebe zum Detail und den Hang zum Aufwändigen habe er schon früh für sich entdeckt. "Als Kind in der Schule habe ich lieber einen Panzer statt einen Planwagen gebaut." Geometrie, Technisches Zeichnen und Geschichte seien seine Lieblingsfächer gewesen.

Inspiration holt er sich auch, wenn er per Sonde nach antiken Gegenständen sucht. "Ich habe eine Genehmigung vom Landesamt für Denkmalpflege", sagt er. Auf den Geschmack gekommen sei er, als er in seiner alten Heimat am Chiemsee ein römisches Gräberfeld entdeckte. Mit Interessenten habe er damals eine Kelten-Römer-Gruppe gegründet. Gemeinsam sei man in original nachgestalteten Gewändern bei Festen und anderen Events aufgetreten. Museen wurden aufmerksam. In irgendeiner Stadt oder vor irgend- einer Burg wird der Frankenberger auch in naher Zukunft wieder wie aus dem Nichts auftauchen. Denn er arbeitet bereits an einem neuen Outfit - dann mit Bronzemaske, einem neuen Brustpanzer und großen aufklappbaren Brüsten.

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